Ein flexibles Edelstahlnetz schützt ab sofort die wertvollen Kristalle in der Hermannshöhle Rübeland. Es kostete rund 34 000 Euro, behindert nicht die Fledermäuse und lässt Diebeshände nicht durch.

Rübeland l Jahrtausende alt sind die Steine in den Tropfsteinhöhlen, und doch kann selbst der Stammgast nun einen wichtigen Teil in der Hermannshöhle in ganz neuem Licht bewundern.

Zum einen, weil die modernen LED-Leuchten die funkelnden Kristalle verzaubern und zugleich gut sichtbar werden lassen. Zum anderen, weil dieses Licht das neue Edelstahlnetz vor den Kristallen optisch fast verschwinden lässt. Die moderne Metallkonstruktion ist die jüngste Investition des Tourismusbetriebs der Stadt Oberharz am Brocken.

Insgesamt 34 000 Euro sind für das weitmaschige, nachgebende und doch zugleich feste Netz ausgegeben worden. 21 000 Euro stammen aus dem Leader-Förderprogramm und wurden über das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) von der Europäischen Union, Bund und Bundesland organisiert. 13 000 Euro steuerte der Tourismusbetrieb selbst dazu.

"Es kam immer wieder vor, dass neugierige Besucher die Kristalle anfassten", informiert Tourismusbetriebschefin Cathleen Hensel. Auch Souvenirjäger seien ertappt, Vandalismus festgestellt worden. Dem sollte endlich ein Riegel oder eben ein Netz vorgeschoben werden. "Von allen möglichen Lösungen war dies die wirksamste und nachhaltigste", erläutert Hensel. Gehe es doch um den Erhalt eines Naturdenkmals für die Nachwelt. Dazu sei der Tourismusbetrieb verpflichtet.

Deshalb seien die ersten LED-Leuchten in Rübelands Tropfsteinhöhlen für die Kristallkammer angeschafft worden. Sie geben ein besonderes Licht, das zudem nicht zur sogenannten Lampenflora führt - einem lästigen, nicht in die Höhle gehörenden Mooswuchs im Schein von Höhlenlampen. LED-Lampen sollen künftig möglichst auch in anderen Bereichen der Hermannshöhle und in der Baumannshöhle eingesetzt werden, teilte Hensel mit.

Das jetzt installierte Stahlnetz erfülle alle Anforderungen zum Schutz der Kristalle und sei für Fledermäuse kein Hindernis. Alle nötigen Genehmigungen von der Unteren Naturschutzbehörde sowie vom Bergamt seien zuvor eingeholt worden. "Ich bin stolz, dass wir das geschafft haben", so Cathleen Hensel. Sie dankt der Managerin der Leader-Aktionsgruppe Harz, Angelika Fricke, für die Unterstützung sowie dem Team vom ALFF. Dessen Mitarbeiter Bärbel Horn und Eike Ahrend überzeugten sich am Dienstag in der Hermannshöhle vom Erfolg der Aktion. Mit der Stadt Oberharz und dem Tourismusbetrieb habe es eine gute Zusammenarbeit gegeben, so Ahrend.

Die durch das Stahlnetz nun sanft, aber nachhaltig geschützte Kristallkammer wird unter Kennern der Bergwelt auch "Schatzkammer" genannt. Sie zählt neben den urzeitlichen Lurchen, den Grottenolmen, und dem Skelett eines Höhlenbären zu den Attraktionen der Hermannshöhle. Grund dafür sind die an dieser Stelle unter der Erde gehäuft vorkommenden filigranen Calzit-Kristalle. Sie bilden die merkwürdigsten Figuren aus. "Wir lassen da der Fantasie der Besucher freien Lauf", sagt Höhlenführerin Sabine Schmidt. Viele Besucher seien nicht zum ersten Mal in der Höhle. Manche sähen einen Lindenbaum, ein Schloss, eine Burg oder auch einen Springbrunnen. Eine Kristallformation lasse viele an die chinesische Mauer denken.

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