Wernigerode lAuf den ersten Blick haben die beiden nicht viel gemeinsam: Sie trennen zehn Jahre und einige Zentimeter an Größe. Der eine stammt aus Südkorea, der andere aus Italien. Sang-Myung Shim und Sebastiano Lo Medico verkörpern dennoch dieselbe Person: Den "Hans" in der Oper "Die verkaufte Braut", die derzeit bei den Wernigeröder Schlossfestspielen aufgeführt wird. Es ist eine der Hauptrollen: Hans ist verliebt in Marie, die er erst nach vielen Wirrungen und durch eine geschickte List heiraten darf.

Konkurrenz gebe es nicht zwischen den beiden, versichert Sebastiano Lo Medico. Im Gegenteil - der 32-Jährige ist froh über die Doppelbesetzung. Er hat den ersten Preis bei einem Wettbewerb gewonnen: eine Rolle bei den Bayreuther Festspielen. "Die fanden parallel zu der Generalprobe statt. Ob ich es pünktlich zur Premiere geschafft hätte, war auch nicht sicher", berichtet Lo Medico.

Als "Hans" und "Hans" seien die Sänger einander eine gute Stütze. "Deutsch ist für uns beide eine Fremdsprache. Für die Rolle ist es jedoch wichtig, dass wir gut zu verstehen sind", erläutert der Italiener. Deshalb verbrächten sie viel Zeit damit, gemeinsam die richtige und deutliche Aussprache zu üben. "Das ist die größere Herausforderung als der Gesang - denn Singen haben wir ja studiert", so Lo Medico.

Der gebürtige Sizilianer ist seit seiner Kindheit von Musik begeistert. Auslöser war die Akkordeonsammlung seines Vaters. "Für mich waren sie die besten Spielzeuge der Welt", erinnert sich der Sänger lachend. Er brachte sich selbst das Spielen bei, später kam der Gesang dazu. In Münster studierte er das Fach. "Im Sommer habe ich meinen Abschluss gemacht", berichtet Sebastiano Lo Medico stolz. Schon während der Ausbildung stand er regelmäßig auf Bühnen, sang bei Aufführungen. Bei einer Produktion lernte er Makiko Tanaka kennen - mittlerweile seine Verlobte. Sie ist ebenfalls Ensemble-Mitglied in "Die verkaufte Braut".

Die Freundin von Sang-Muying Shim hat mit Musik hingegen nicht viel zu tun. "Sie ist Juristin", verrät der 23-Jährige. Vor viereinhalb Jahren kam er aus Südkorea nach Deutschland. Ebenfalls in Münster belegt er im sechsten Semester Gesang. "Ich wollte unbedingt in Deutschland studieren, weil es einem die besten Chancen ermöglicht", erläutert Shim. Anfangs habe er großes Heimweh gehabt und täglich mit seiner Familie telefoniert, mittlerweile genieße er das Leben "in der Fremde" jedoch.

Ersten Kontakt zur Sprache hatte er durch die Musik - durch deutsche Volkslieder, um genau zu sein. "Die hat mir mein Vater beigebracht. Er hat auch hier studiert", sagt Sang-Myung Shim. Sein Vater ist mittlerweile Musikprofessor in Südkorea.