Wernigerode l Die Baustelle ist nicht zu übersehen. Am Harzer Kultur- und Kongresshotel (HKK) in Wernigerode wird gebuddelt. Das merken auch die Autofahrer, die an dieser Ecke einige Umwege in Kauf nehmen müssen. Doch spätestens Mitte Mai ist das vorbei, zumindest der Verkehr kann dann wieder ungehindert rollen - vorausgesetzt natürlich, es kommt nicht zu baubedingten Verzögerungen.

Damit rechnet Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Meinecke nicht. Er ist der Bauherr, sein Unternehmen verlegt seit einigen Tagen die Leitungsrohre, mit denen das HKK-Hotel ans städtische Fernwärme-netz angeschlossen wird. Besiegelt wurde der Vertrag zwischen Energieversorger und Hotel im vergangenen Herbst. Jetzt, wo die Witterung es zulässt, können die Bagger rollen. Im Sommer sollen die Arbeiten beendet sein. Dann wird das Vier-Sterne-Haus mit seinen 260 Zimmern nicht mehr mit Erdgas wie bislang, sondern mit Fernwärme aus heimischer Produktion versorgt.

Möglich macht das die im Jahr 2010 gebaute Trasse, mit der das Harzklinikum an das Blockheiz-Kraftwerk (BHKW) am Harzblick angeschlossen ist. Von der Haupttrasse zweigen mittlerweile mehrere Leitungen ab, die Großabnehmer versorgen. Das sind neben dem Harzklinikum unter anderem die Diesterweg- und die Raabe-Schule, das Neue Rathaus, die Zindel-Turnhalle und nun auch das Hotel.

Das Kraftwerk am Harzblick hat mit seinen beiden kleinen Maschinen eine Leistung von 8,7Megawatt. Mit dem Anschluss des Hotels ist die Trasse zu rund 50 Prozent ausgelastet. "Das ist traumhaft", sagt Meinecke zu diesem Ergebnis, das nicht von vornherein feststand. Zwar habe es schon vor dem Bau der Hauptleitung Gespräche mit potenziellen Kunden gegeben, doch ohne verbindliche Zusagen. Will heißen: Die ganze Sache hätte auch schiefgehen können.

Insofern ist der Anschluss des HKK ans Fernwärmenetz ein wichtiger Schritt für die Stadtwerke. Aber nicht nur für die: Das BHKW arbeitet mit Kraft-Wärme-Kopplung, die Maschinen produzieren aus Erdgas gleichermaßen Strom und Fernwärme. Das gilt als besonders umweltschonend und passt damit zum Klimaschutzkonzept der Stadt. Zudem dürfte das HKK durch die Nutzung der Fernwärme und der damit einhergehenden Optimierung der hauseigenen Technik seinen Energieverbrauch reduzieren können.

Grund genug also auch für andere potenzielle Kunden entlang der Haupttrasse, über einen Wechsel der Energieversorgung nachzudenken. Einige größere Anlieger gebe es noch, meint Meinecke, Gespräche habe es schon gegeben. Theoretisch könnten auch kleinere Häuser angeschlossen werden. Doch da der Leitungsbau recht teuer ist - der zum HKK kostet rund 300000 Euro - müsse man genau schauen, ob sich die Kosten am Ende amortisieren.

Neben dem Kraftwerk am Harzblick betreiben die Stadtwerke noch ein größeres am Kupferhammer. Das versorgt die Wohngebiete Stadtfeld und Burgbreite. Dort besteht Anschlusszwang, für Neubauten oder modernisierte Häuser ist der Anschluss ans Fernwärmenetz vorgeschrieben. In der Innenstadt gibt es diese Regelung nicht. Während die großen Wohngebiete bereits mit Fernwärme versorgt sind, gibt es weitere mit Potenzial. Dazu zählen die Gewerbegebiete, vor allem Smatvelde, ebenso wie das Areal am Ochsenteich, das noch entwickelt werden muss.