Klar und deutlich in den Formulierungen, auch bei seiner Kritik, engagiert im Aufruf, die weitere Entwicklung zu gestalten, und inhaltlich den Blick über den Harzer Tellerrand hinaus gerichtet, das waren die Zutaten des Wernigeröder Oberbürgermeisters für eine selbstbewusste Neujahrsansprache. Der kräftige Beifall im Festsaal des Rathauses war ein deutlicher Beweis – Peter Gafferts Worte sind angekommen.

Wernigerode. " Wir brauchen Menschen, die nicht nörgeln, quengeln, miesmachen, gern nein sagen und vor dem Beginn abwinken : ‘ Wird sowieso nix. ‘ 2009 war für Wernigerode ein gutes Jahr, und auch 2010 wird es weiter vorangehen. " Peter Gaffert hatte seine Rede zum Neujahrsempfang mit einem Appell an zupackender Zuversicht gespickt. Wernigerode habe im Vorjahr elf Millionen Euro investiert und plant, in den kommenden elf Monaten erneut in zweistelliger Millionenhöhe Geld auszugeben ; für Investitionen in Kinderbetreuung, Verkehrsprojekte, ein Industriegebiet, Straßen- und Radwege, auch in ein Sozialgebäude für die Einheit-Kicker.

Wer früh aufsteht, hat

nicht ausgeschlafen

Dass die Wernigeröder nicht abwarten, wehklagen oder darauf hoffen, andere würden etwas für sie tun, sondern die Aufgaben anpacken, das zeichne die Bürger, die Stadträte, Gastronomen, Handwerker, Unternehmer und auch eine motivierte Verwaltung aus, hob der Rathauschef hervor.

Diesen Elan forderte Gaffert von allen ein, um die Einheit von Wernigerode – Schierke – Brocken mit touristischem Leben erfüllen zu können. Bereits heute würden in beiden Orten rund eine Million Übernachtungen gezählt – ein Fünftel sämtlicher Übernachtungen in ganz Sachsen-Anhalt, hob der Oberbürgermeister die für ihn besondere Stellung seiner Stadt hervor. Er zitierte den Philosophen Peter Sloterdijk, der gefordert habe, man müsse die Fenster öffnen, " um Zeitluft und Zukunftsmusik einzulassen …" Das sollte allerdings nicht " an einem eilentschiedenen Stromkabel " scheitern, teilte Gaffert einen Seitenhieb auf die Stadtratsdebatte ums Loipenhaus aus. Auch sei " mit der Schanze eine Chance vertan worden ", schätzte er ein – darum müssten deutsche Skisportler wohl auch künftig der Weltspitze hinterherspringen.

Ausgeteilt hat der Wernigeröder auch in Richtung Landesund Bundespolitik : Dass das Geld knapp werde, sei nicht nur den Lehmann-Bankern zu verdanken, auch " den Steuer-Fantasten der neuen Bundesregierung und den Zahlen-Akrobaten in Magdeburg ". Die Landesregierung bekam zudem ihr Fett weg, weil sie noch an einem Handbuch für den Gebrauch von Steuermillionen geschrieben habe, während sich anderswo die Kräne mit Hilfe des Bundes-Konjunkturpaketes bereits drehten : " Wer immer früh aufsteht, ist wahrscheinlich oft nicht ausreichend ausgeschlafen, um schnelle Entscheidungen zu treffen. " Der Redner forderte von den Schierkern, sie müssten lernen, dass Gesetze und demokratische Regeln auch für sie gelten. Noch immer kann Gaffert nicht verwinden, dass sich " eine andere Stadt im Harz für ihre Namenssuche klammheimlich auf die Socken zum Brocken " gemacht habe. Die Note ‘ Ungenügend ‘ hätte es dafür in der Schule gegeben, sagte er. Er freue sich übrigens auch sehr über den " schicken Halberstädter Domschatz, denn viele seiner Besucher schlafen dann in Wernigeröder Hotels ".

Der Rathauschef blickte auf die kommenden Monate voraus : Stillstand sei gefährlich, gemeinsam müsse dafür gesorgt werden, dass in der Wirtschaft, im Handwerk, im Tourismus und im Handel gutes Geld verdient wird. Ohne diese " Kohle " gehe nichts, ohne sie liefen die Menschen weg, verfalle die Fachwerkpracht, gingen Studenten nach Clausthal und Touristen nach Rothenburg, würden Unternehmer auf anderen Grünen Wiesen oder gar nicht mehr investieren, " ohne dieses Geld verstauben auch Hotelbetten ".

Ohne ‘ Kohle ‘ geht

auch hier nichts

In den 365 vergangenen Tagen, als das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um mehr als fünf Prozent gesunken sei, hätten " nicht Pessimisten und Nein-Sager den Wernigeröder Standort gesichert, sondern jene, die etwas unternehmen ", betonte Gaffert. Und, obwohl die Einnahmen nur spärlich plätscherten statt kräftig zu sprudeln, hätten sich die Wernigeröder – mit Hilfe der EU, des Bundes und vom Land – für 2010 vieles vorgenommen. Der Oberbürgermeister : " Das muss auch so sein, denn in einem Jahr möchte ich an dieser Stelle wieder viel Positives berichten können. "