Wie ist es um die Bedingungen für Radfahrer in der bunten Stadt am Harz bestellt ? Nicht so gut, wenn es nach den Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs geht. Besonders stören sie sich an den gemeinsamen Geh- und Radwegen. Harzer Volksstimme hakte dazu beim Stadtplanungsamt nach.

Wernigerode. Ob Schmatzfelder Straße, Dornbergsweg, Friedrichstraße oder Vor der Mauer. Es gibt sie inzwischen fast überall in Wernigerode : gemeinsame Geh- und Radwege. Auf den ersten Blick eine nützliche Ergänzung im Straßenverkehr. Doch vielen Radfahrern sind diese Wege ein Dorn im Auge. " Im Alltagsverkehr nicht nur hinderlich, sondern sogar gefährlich ", urteilt Wolfgang Strauhs, Kreischef des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. Oftmals seien die gemeinsamen Wege nicht breit genug. " Dazu noch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Radfahrern und Fußgängern. Auf dem Rad ist man gut und gerne 20 Kilometer pro Stunde schnell ", so Strauhs. Zu Fuß dagegen nur zwei bis drei km / h. " Fast zehn Mal langsamer. Deshalb kommt es ganz schnell zu Konflikten. "

Und warum weichen Rad fahrer, die es besonders eilig haben, nicht einfach auf die Straße aus ? " Das wäre die Ide allösung. Für uns aber nicht praktikabel, weil wir dann ge gen die Straßenverkehrsord nung verstoßen. " Die StVO be sagt : ist ein gemeinsamer Geh- und Radweg ausge schildert, müssen Radfahrer diesen benutzen – und nicht etwa die Fahrbahn.

Auch Bianca Cöster und Hans-Dieter Nadler vom Stadtplanungsamt sehen die gemeinsamen Geh- und Rad wege inzwischen als " schwie riges Problem ". Das habe auch die Auswertung des " Meckerrads ", das zwei Monate vor dem Rathaus stand, ergeben. " Besonders Kreuzungen sind hierbei unfallträchtig ", schätzt der Chefplaner auf Volksstimme-Nachfrage

ein. Oftmals müssten Radfahrer in diesen Bereichen auch kleinere Umwege bei der Wegeführung in Kauf nehmen.

" Ängstlichere Radfahrer fühlen sich auf diesen Wegen sicherer, aber wer mit dem Rad schnell von A nach B kommen will, fühlt sich eingeschränkt. "

Zudem schreibt die StVO eine Mindestbreite von 2, 50 Meter vor. Nicht alle der Fuß-Radwege in Wernigerode erfüllen diese Voraussetzung. " Das müssen wir nun in Einzelfällen prüfen ", so Bianca Cöster. Dazu kommt, dass in der aktuellen StVO ( September 2009 ) festgelegt ist, dass gemeinsame Geh- und Radwege nur in begründeten Einzelfällen als solche ausgeschildert werden dürfen, also im Straßenverkehr zukünftig eine Ausnahme bilden sollen.

Und warum gibt es in Wernigerode so viele dieser Wege ? " Das hing damals mit der Finanzierung zusammen ", erklärt Nadler. Bei gemeinsamen Geh- und Radwegen wurden die Kosten für den Ausbau komplett vom Straßenbaulastträger übernommen. " Und das waren oftmals Land oder Bund, das heißt, die Stadt musste keinen Eigenanteil beisteuern und konnte sparen. " Zumal viele Straßen für getrennte Gehund Radwege ohnehin zu schmal gewesen wären.

" Wir müssen nun sehen, wie wir mit der neuen StVO-Verordnung umgehen ", so der Stadtplaner. Eine Alternative wäre, die besagten Strecken neu auszuschildern als " Gehweg – für Radfahrer frei ". Das heißt, Radler können selbst entscheiden, ob sie auf der Straße oder dem Gehweg fahren. Dabei ist jedoch die Verkehrsdichte auf der jeweiligen Straße zuberücksichtigen. " Es muss schließlich verantwortbar sein, die Radfahrer auf die Fahrbahn zu schicken ", so Nadler. " Aber solche Entscheidungen können wir nicht allein treffen, sondern nur gemeinsam mit dem Landesbaubetrieb, der Straßenverkehrsbehörde und Polizei. " Zu bedenken gab Nadler, dass mit dem Straßenausbau nur ein gemeinsamer Geh-Radweg von Land oder Bund finanziert worden sei. " Wird dieser nur Gehweg, könnte die Stadt nachträglich zur Kasse gebeten werden. Wir wissen es nicht. "

Die gemeinsamen Geh- und Radwege sind nicht die einzigen Kritikpunkte der ADFCMitglieder. Insgesamt seien die Bedingungen für die Zweiradfahrer in der bunten Stadt nur " einigermaßen zufriedenstellend, " sagt Wolfgang Strauhs.

" Unübersichtliche Beschilderungen, ob an den Kreiseln wie am Heltauer Platz und am Gießerweg, an der Ortseinfahrt aus Richtung Elbingerode, an der Forcke- / Salzbergstraße oder zugeparkte Radwege ", zählt Michael Wisse, Vizechef des ADFC im Harzkreis, auf. " Viele Radfahrer sind verunsichert, was dazu führt, dass sie ‘ kreativ ‘ fahren und sich nicht mehr an die StVO halten. "

Diese Hinweise und auch die 22 Zuschriften, die im Wunschbriefkasten am Rathaus landeten, wollen Bianca Cöster und Hans-Dieter Nadler nun mit ihren Kollegen vom Ordnungsamt auswerten. " Wünsche, wie zum Beispiel mehr Fahrradständer in der Innenstadt, werden wir kurzfristig erfüllen können ", verspricht Cöster.

Andere Vorschläge, wie die Mitnahme von Fahrrädern in Bussen oder die Öffnung von weiteren Einbahnstraßen für Radler, müssten erst diskutiert werden. " Gern wollen wir uns zu diesen Fragen auch mit dem ADFC und mit der Kreisverwaltung beraten ", bietet die Stadtplanerin an. " Wir sehen uns hierbei gern als Schaltstelle. " Dennoch sollen auch in Zukunft Autofahrer und Fußgänger bei den Planungen nicht vergessen werden. " Schließlich will jeder Verkehrsteilnehmer seinen Platz im Straßenverkehr. "