Heruntergefallende Blätter machen manchen Anwohnern schwer zu schaffen. Sie empfinden es als große Belastung, dass sie für die Entsorgung des Laubes der Bäume verantwortlich sind, die im öffentlichen Raum stehen.

Wolmirstedt l Der Herbst ist auch jetzt im November sehr golden, viele Bäume sind noch nicht vollständig kahl und dennoch fällt bereits Laub herab, wird verweht und landet mitunter weitab von den Bäumen, die seit dem Frühjahr das Blätterkleid trugen. Das freut nicht jeden, denn das Laub, das auf dem Gehweg liegt, muss vom Hauseigentümer entsorgt werden. Manchen macht das ziemlich zu schaffen. Das Haus von Brigitte und Walter Wesemann steht in der Samsweger Straße. Von der Krone ihres eigenen Kirschbaumes ist bisher kaum ein Blatt heruntergefallen, trotzdem müssen sie jeden Tag bergeweise Laub vom Gehweg entfernen. Das stammt von den Bäumen der Heinrich-Heine-Straße und wird über die Straße zu ihrem Grundstück geweht.

Die Wesemanns kehren die Blätter zusammen, auch, wenn es ihnen schwerfällt, aber eigentlich hätten sie sich Unterstützung erhofft. Schließlich ist Brigitte Wesemann 80 Jahre alt, Walter Wesemann bereits 85. Sie waren schon im Rathaus, aber da wurde ihnen gesagt, dass sie das Laub kompostieren sollen. Auch damit könnten sich die Wesemanns im Grunde abfinden. Aber nicht bei diesen Mengen. "Es ist viel zu viel", sagen sie.

Dirk Illgas, Chef des Fachdienstes Ordnung und Sicherheit, sagt, dass Bürger, bei denen enorm viel Laub anfällt, beantragen können, dass es abgeholt werde. "Das machen wir. Aber nur bei begründetem Bedarf. Das werden wir auch prüfen." Bei Wesemanns ist trotz Bitte noch niemand zum Prüfen gekommen.

Wer nicht kompostieren kann oder will, kann das Laub über die Biotonne entsorgen oder säckeweise zur Abfallentsorgung nach Elbeu bringen. Für einen Sack werden 50 Cent gefordert.

Etwa vor zehn Jahren seien Säcke mit Laub in Wolmirstedt abgeholt worden, erinnert sich der Fachdienstleiter, aber in diesen Säcken sei auch sehr viel anderer Müll versteckt gewesen. Deshalb habe die Stadt davon Abstand genommen.

Auch die Anwohner in der Jersleber Straße in Elbeu ärgern sich über das Laub der Linden. "Dieses Problem wurde bereits in der Sprechstunde an mich herangetragen", sagt Ortsbürgermeister Oliver Grundt (CDU), "die Anwohner sehen sich mit der Entsorgung der Blätter maßlos überfordert."

Doch in der Straßenreinigungssatzung der Stadt ist geregelt, dass Eigentümer verpflichtet sind, die Straßen und Gehwege vor ihren Grundstücken zu räumen. Die Reinigung der Straßen übernimmt der Eigenbetrieb Wirtschaftshof, die Kosten werden auf die Eigentümer umgelegt. Bleibt die Reinigung der Gehwege. Und sind Grundstückseigentümer in der Pflicht. Woher das Laub stammt, spielt dabei keine Rolle. Durch Gerichte wird immer wieder bestätigt, dass auch das Nachbarlaub mit entfernt werden muss.

Hauseigentümer können die Reinigungspflicht auch auf die Mieter übertragen. Die beiden großen Vermieter Wolmirstedts nehmen davon jedoch Abstand. Die Allgemeine Wohnungsgenossenschaft (AWG) lässt von ihren Mitarbeitern die Gehwege reinigen und somit auch vom Laub befreien. Die Wolmirstedter Wohnungsbaugesellschaft (WWG) hat eine Firma mit diesen Aufgaben betraut.

In den umliegenden Gemeinden wird mit der Laub- entsorgung ähnlich verfahren. "Wir können die Bäume ja nicht fällen", sagt Jürgen Werner, Mitarbeiter der Gemeinde Niedere Börde, "wenn sie grün sind, freut sich ja auch jeder daran."

Einige Ausnahmen gibt es dennoch, beispielsweise in Rogätz. "Wir stellen den Bürgern Laubtonnen bereit, die einmal in der Woche abgefahren werden", sagt der Rogätzer Bürgermeister Wolfgang Großmann, "wir sind ja froh, wenn die Bürger die Gehwege sauber halten."

Solche Tonnen hätten auch einige Farsleber gerne gesehen, weiß der Ortsbürgermeister Rolf Knackmuß, aber große Probleme wegen der Laub- entsorgung haben sich seines Wissens trotz fehlender Tonnen noch nicht eingestellt. "Wir haben ja kaum öffentliches Grün, von dem das Laub auf private Grundstücke fallen kann."

Ähnlich äußert sich Helga Steinig, Ortsbürgermeisterin von Mose. "Das einzige Laub, das vom öffentlichen Grün vor den Häusern landet, ist das Laub der Bäume vor dem Kulturhaus." Deshalb habe es allerdings schon Beschwerden im Ortschaftsrat gegeben.

In Glindenberg entsorgen die Bürger hingegen klaglos. "Mir ist jedenfalls nichts anderes bekannt", sagt Ortsbürgermeisterin Gerhild Schmidt.

 

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