Derzeit wird der Haushaltsplan für das Jahr 2011 diskutiert. Auch der Glindenberger Ortschaftsrat nahm das 243 Seiten starke Pamphlet vergangene Woche unter die Lupe und verabschiedete es am Ende mit eindeutiger Stimmenthaltung.

Glindenberg. Wirklich glücklich sind die Ortschaftsräte nicht mit der städtischen Finanzplanung für das Jahr 2011. Besonders ärgerlich für die Glindenberger ist, dass ihre geplanten Investitionen ausfallen sollen. Zum einen wollte man die Mülldeponie renaturieren, zum anderen den Friedhof mit einer Urnengemeinschaftsanlage und neuer Baumbepflanzung aufwerten. Für beide Maßnahmen sind jeweils etwa 10 000 Euro im Gebietsänderungsvertrag vorgesehen worden, die allerdings im Haushaltsplan nicht auftauchen.

Die Begründung liegt für Hauptamtsleiter Dr. Ringhard Friedrich klar auf der Hand. "Wir haben keinen ausgeglichen Haushalt. Der Fehlbedarf im Verwaltungshaushalt beträgt 320 000 Euro." Die "Mitgift", die Glindenberg in die Fusion mit Wolmirstedt eingebracht hatte, wurde wesentlich stärker abgeschmolzen als geplant, im Wesentlichen für den Ausbau der Heinrichsberger Straße. "Es wäre angeraten, sowohl die Renaturierung der Deponie als auch den Friedhofsausbau in eine Prioritätenliste aufzunehmen", gab Dr. Friedrich den Glindenbergern mit auf den Weg.

Doch die Ortschaftsräte wollten diese Aussichten nicht einfach akzeptieren. "Wenn weniger Geld da ist, muss auch weniger verwaltet werden", schlussfolgerte Fritz-Georg Meyer, "da kann man auch Personal sparen. Aber darüber schweigen sich alle aus". Auch Thomas Schlenker folgte diesem Tenor und sah weiteres Sparpotential. "Nicht nur beim Personal, auch bei den Energiekosten ist noch Einiges drin." Die finanzielle Situation Glindenbergs im Verbund mit Wolmirstedt ist auch für ihn inakzeptabel. "Wir verfügen jetzt gerade mal über einen Bruchteil des bisherigen Vermögenshaushaltes. Lediglich die Feuerwehr bekommt 5600 Euro für eine neue Ausrüstung."

Viel zu wenig für die Gemeinde, findet auch Ortsbürgermeisterin Gisela Gerling-Koehler und findet einen bildhaften Vergleich: "Wir haben sonst 100-200 000 Euro in die Gemeinde investiert. Jetzt haben wir nicht mal mehr Hartz IV".

Glindenberg hat sein finanzielles Polster im Wesentlichen aus der Einkommenssteuer der Einwohner bezogen. "Die ist relativ stabil", weiß Thomas Schlenker. "Dadurch haben wir während unserer Eigenständigkeit fast alle Investitionen, wie beispielsweise den Straßenbau, längst getätigt", betont die Ortsbürgermeisterin und sieht das Licht am Ende des finanzarmen Tunnels in der Einsparung von Personalkosten in der Verwaltung. "Normalerweise braucht man in Sachsen-Anhalt pro tausend Einwohner drei Arbeitskräfte in der Verwaltung", weiß sie, "das wären in Wolmirstedt 36. Wir aber beschäftigen in der Kernverwaltung 55".

Andy Opitz wünscht sich: "Wenigstens 100 000 Euro sollten für Glindenberg drin sein. Sonst gucken uns die Bürger komisch an, wenn nichts mehr passiert."

Auch im Hinblick auf die Unterstützung der Feste innerhalb der Ortschaft soll sich die Haushaltsplanung noch zugunsten Glindenbergs ändern. "Bisher haben wir das Erntedankfest und den Weihnachtsmarkt mit jeweils 500 Euro unterstützt", sagt Gisela Gerling-Koehler. Im Wolmirstedter Haushalt, der Glindenberg jetzt mit einbettet, ist der Zuschuss für die Vereine nur mit 800 Euro geplant. Die Ortschaftsräte möchten die bisherige Summe von eintausend Euro für ihre Feste gerne beibehalten.