Die Landwirte in der Börde haben mit vielen Problemen zu kämpfen – das wurde auch auf dem jüngsten Kreisbauerntag in Niederndodeleben deutlich. So war das vergangene Jahr durch Mindererträge und Qualitätsverluste, verursacht durch extreme Witterungsverhältnisse, aber auch von angestiegenen Betriebskosten bei Pflanzenschutzmitteln, Düngemitteln, Kraftstoff und Energie geprägt.

Landkreis Börde. "Die Betriebsergebnisse fielen bei den meisten Betrieben enttäuschend aus, auch wenn sich die Getreidepreise im Verlauf des Jahres positiv entwickelten", erklärte Hans-Joachim Kraus als Vorsitzender des Bauernverbandes Börde. Allerdings konnten große Mengen von Weizen und Roggen lediglich als Futtergetreide zu niedrigen Preisen abgegeben werden.

Gleich mit Kampagnebeginn waren die Erntebedingungen auf den Rübenfeldern schwierig. Die letzten Rübenfelder wurden erst bei Frost am 6. Dezember gerodet. Der Rübentransport zur Klein Wanzleber Zuckerfabrik wurde zudem durch ergiebige Schneefälle erheblich erschwert. Die Ertrags- und Qualitätsdaten der Rüben lagen um bis zu zehn Prozent unter dem fünfjährigen Mittel. Während auch die Kartoffelanbauer mit der extremen Witterung zu kämpfen hatten, fuhren die Gemüse-, Heil- und Gewürzpflanzenanbauer eine normale Ernte ein.

Obwohl sich die Lage auf dem Milchmarkt entspannt hat, stehen den Milchbauern nach dem Quotenende im Jahr 2015 Veränderungen bevor. Deshalb lud der Bauernverband Börde auch im vergangenen Jahr zu drei Milchkonferenzen mit hohem Informationsgehalt ein und möchte auch künftig bei Fragen zur Vertragsgestaltung Unterstützung anbieten.

Der Rindfleischmarkt hat sich weiter gefestigt, aber die Schweine haltenden Betriebe wurden durch stark gestiegene Futtermittelpreise belastet. Im Bereich des Geflügelmarktes kam es durch das Verbot der Käfighaltung in Deutschland zu einem Rückgang der Eiererzeugung von etwa zwölf Prozent in der Bundesrepublik. Bei den Schafhaltern ist festzustellen, dass über die Hälfte der Einkommen aus Direktzahlungen stammen. "Deshalb fordern wir die Politik auf, solche Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Landschaftspflege mit Schafen weiter möglich macht", so Hans-Joachim Kraus.

Außerdem leiden zahlreiche Landwirte noch heute an den Folgen der Krise rund um die Dioxinbelastungen in Futtermitteln für Geflügel und Schweine. Kraus forderte in seinem Rechenschaftsbericht, dass die Agrarbranche und die politischen Entscheidungsträger aus den Futterskandalen lernen. Für die Futtermittelhersteller sollten dieselben hohen Standards gelten wie für die Tierhaltung.

Die erneuerbaren Energien gewinnen für die Landwirtschaft auch in der Börde immer mehr an Bedeutung. Raps für Biodiesel, Mais und Getreide für Biogasanlagen sowie Zuckerrüben für Bioethanolanlagen beanspruchen einen immer höheren Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Verbandsgebiet. Derzeit sind es etwa 30 Prozent. Zudem sind in der Verbandsregion 31 Biogasanlagen in Betrieb oder in Planung, zwei Biomethanolanlagen speisen ihr Gas ins Netz ein, drei weitere sind im Bau. Nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes wird die Errichtung von Photovoltaikanlagen auch künftig eine Möglichkeit zum Zuerwerb der Landwirte bleiben.

Viel Diskussionsbedarf erforderte auf dem Verbandstag das Thema der Vernässung zahlreicher landwirtschaftlicher Flächen im Bereich des Bauernverbandes Börde. Hans-Joachim Kraus sah die Ursache für die hohen Grundwasserstände und die vernässten Flächen nicht nur in den starken Niederschlägen der vergangenen beiden Jahre. "Ein Grund ist auch die vernachlässigte Pflege der Gewässer. In unserer Verbandsregion sind besonders die Flächen an der Bode, des Großen Grabens im Großen Bruch und der unteren Ohre davon massiv betroffen", verwies Kraus vorrangig auf die Gewässer 1. Ordnung, für die das Land verantwortlich ist. Die Landwirte würden es akzeptieren, wenn unter dem Vorwand des Hochwasserschutzes eine Renaturierung und Ökologisierung zielgerichtet betrieben werde, es sei aber nicht hinnehmbar, dass dadurch bäuerliches Eigentum wertlos oder unfruchtbar werden würde.

Von Landwirtschaftsminister Hermann-Onko Aeikens gab es die Zusage, dass das Land auch in Zukunft noch mehr in den Hochwasserschutz investieren wird. "Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Landwirte, denn um Deichverteidigungswege zu bauen, brauchen wir Flächen", so Aeikens. Seiner Meinung nach hat die Vernässung unter anderem auch darin ihre Ursache, dass das Wassermanagement in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden ist. In Arbeitsgruppen sollen künftig verschiedene Partner zusammenarbeiten, um landesweit weitere Ursachenfor- schung zu betreiben und die Vernässungsproblematik anzugehen.

Weitere Probleme bringt auch der hohe Flächenverbrauch durch Siedlungs- und ökologische Ausgleichmaßnahmen für die Landwirte mit sich. Deshalb fordern die Landwirte aus der Börde auch, dass das Naturschutzgesetz endlich konsequent umgesetzt wird, nämlich mit der Nutzung von Ökopunkten und mit dem Verbot von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf Ackerflächen. Im Gegensatz dazu begrüßen die Mitglieder des Bauernverbandes Börde die Übernahme der BVVG-Flächen, da die Ausschreibungsverfahren der BVVG auch im Verbandsgebiet zu negativen Auswirkungen auf den gesamten Bodenmarkt geführt haben.

Insgesamt teilte der Landwirtschaftsminister die Ansichten der Börde-Landwirte. "Die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt ist gut aufgestellt, gut strukturiert, aber sie braucht auch guten Nachwuchs, pflegen Sie Ihren Nachwuchs", so Aeikens.