Frauen sollten wie Männer durch Leistung überzeugen. So jedenfalls sieht es Kathrin Kusch, die von einer Frauenquote in der Wirtschaft wenig hält. Die 42-Jährige ist Führungskraft bei Siro-Blech. Am Welfrauentag berichtet sie, wie es ist, Frau in einer Männerdomäne zu sein.

Von Franziska Werner

Zerbst l Wie hoch ist der Schrottverkauf, wie hoch war der Blecheinsatz? Was machen die Gewinne, gibt es Verluste? Zahlen und Statistiken sind es, die den Arbeitsalltag von Kathrin Kusch bestimmen.

Als Prokuristin ist sie zusammen mit den Geschäftsführern verantwortlich für alle rechtsverbindlichen Geschäfte ihrer Firma. Während sie sich Gedanken über die Kosten in ihrem Betrieb macht, wird nebenan in den Produktionshallen geschweißt, gefräst und gestanzt. Siro-Blech produziert Gehäuse für Maschinen. Hauptkunde ist die Werkzeugmaschinenfabrik Zerbst GmbH nebenan, ein Produktionsunternehmen der EMAG-Gruppe. Ausschließlich Männer arbeiten in den Hallen. Voriges Jahr lag zum ersten Mal die Bewerbung einer Frau auf dem Tisch von Kathrin Kusch, die auch für die Personalplanung zuständig ist. Konstruktionsmechanikerin hatte die junge Frau bei Siro-Blech lernen wollen, ging dann aber zu einem anderen Arbeitgeber.

Schweißer - eigentlich ein von Männern dominierter Beruf, genau wie der von Kathrin Kusch. Technische Zeichnerin für Maschinenbau hatte sie zunächst gelernt, daran schloss sie ein Studium Wirtschaftsingenieurwesen in den Fachrichtungen Maschinenbau und Controlling an. "Im Hörsaal saßen damals fast nur Männer, Frauen gab es mit mir im gesamten Studiengang vielleicht fünf oder sechs", erinnert sich die diplomierte Wirtschaftsingenieurin. Noch während des Studiums arbeitete sie bei der Treuhandanstalt. "Meine Chefs von damals hatten bereits für McKinsey und andere renommierte Firmen in der Unternehmensberatung gearbeitet, das fand ich spannend."

Für Kathrin Kusch bedeutete der Job, die erste Sprosse auf der Karriereleiter genommen zu haben. "Frauen können genauso durch Leistung überzeugen wie Männer", ist sie sicher. Später ging es weiter in einem Zeitungsverlag, der unter anderem den Tagesspiegel in Berlin herausgibt. "Chefredakteur war damals Giovanni di Lorenzo", berichtet sie. "Die Gespräche mit ihm zur Budgetplanung haben immer viel Spaß gemacht. Ich habe ihn als einen sehr höflichen Menschen in Erinnerung." Di Lorenzo ist heute ein bekannter Journalist und Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit".

Wie geht eine Karrierefrau wie Kathrin Kusch mit dem Thema Familie um? Bleibt dafür überhaupt Zeit? Was ist mit Kindern? "Meine Familie ist mir sehr wichtig", erklärt sie. Weil ihr Partner, ebenfalls im Controlling tätig, einen interessanten Job in Magdeburg fand, entschied sie sich vor zehn Jahren, mit ihm zu gehen. Vor sechs Jahren hat das Paar einen Sohn bekommen. Wichtig für das Familienleben sind seitdem feste Rituale: "Um halb acht gibt es bei uns Abendbrot, da soll jeder von uns zu Hause sein, darauf bestehen wir, es sei denn es kommt ein späterer Arbeitstermin oder eine Geschäftsreise dazwischen." Eine große Hilfe sind die Großeltern des Jungen. Nachdem der Enkel auf die Welt kam, entschlossen sie sich, von Hannover nach Magdeburg zu ziehen, um bei der Versorgung ihres Enkels besser helfen zu können. Dass sie sich als Führungskraft bei Siro-Blech ihre Zeit selbst einteilen kann, kommt der Mutter auch entgegen: "Das wäre bei meinem früheren Job nicht drin gewesen", ist sie sicher.

Ginge es nach Kathrin Kusch, bräuchten wir keinen Frauentag mehr, zumindest nicht in Deutschland. "Ich fühle mich komplett gleichberechtigt", sagt sie. Anders sehe das in arabischen Ländern aus. "In Saudi-Arabien zum Beispiel dürfen Frauen nicht einmal Autofahren. Daran müsste man etwas ändern." Jungen Frauen in Zerbst, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, rät die Prokuristin: "Lasst euch nicht unterkriegen! Habt keine Angst, den beruflichen Schritt in eine vermeintliche Männerdomäne zu wagen."

Informationen einholen sei das A und O: "Informiert euch, viele Firmen in Zerbst bieten nicht nur Ausbildungsplätze, sondern inzwischen auch duale Studiengänge an." Ein duales Studium sei auch bei Siro-Blech möglich. Der einzige Werkstudent ist bisher allerdings ein Mann. Doch dafür ist die komplette Buchhaltung der Firma in Frauenhand: "In das Feld hat sich noch kein Mann gewagt", sagt Kathrin Kusch und schmunzelt.