Mit einem lachenden und einem weinenden Auge hat sich Birgit Bernstein aus Lindau verabschiedet. Die Geschäftsführung beim Unterhaltungsverband Nuthe/Rossel liegt nun in den Händen von Maja Schochardt.

Lindau l Seit 1992 war Birgit Bernstein beim Unterhaltungsverband (UHV) Geschäftsführerin. 1996 wurde die Fusion der beiden Verbände Nuthe und Rossel vollzogen. Bevor sie nach Lindau kam, war die Schönebeckerin und studierte Diplom-Ingenieurin für Tiefbau von 1984 bis 1992 als Bereichsingenieurin im Flußbereich Schönebeck für Deiche und Gewässer I. Ordnung zuständig. Auch Zerbst gehörte schon mit zu ihrem "Einzugsgebiet". Wasserwirtschafltich war ihr die Region, in die sie nach der Wende wechselte, zum Teil schon bekannt.

Die Ausgangssituation war nicht einfach: Lindau war ein Pflegestützpunkt, alte Technik wurde übernommen - "es gab keinen Stuhl und keinen Schreibtisch". Mit mehr Arbeitskräften wurde noch einiges an Handarbeit geleistet. Doch mehr noch wollten die Gemeinden nicht einsehen, warum sie plötzlich an den Verband zahlen sollten. Dabei gab es in den Anfangsjahren noch die Unterstützung vom Land. Als die Landesmittel wegfielen, stiegen die Beiträge an den Verband.

Mit den Jahren wurde die Technik des Verbandes erneuert. Das war und ist notwendig. Es gibt jede Menge zu tun. Gekrautet werden alle Gewässer einmal im Jahr, so Birgit Bernstein, das sind mehr als 800 Kilometer. Hinzu kommen 60 bis 80 Kilometer Grundräumung jährlich. Welche Gräben geräumt werden, wird bei den Gewässerschauen festgelegt. Bei der Grabenräumung sind zahlreiche Belange zu beachten, vom Natur- über den Hochwasserschutz bis hin zu den Anglern. "Jeder hat ein anderes Interesse", beschreibt Bernstein, wie schwierig es ist, alles abzuwägen. Viele schimpfen bloß über den Unterhaltungsverband. "Die wenigsten rufen an", so Birgit Bernstein. "Die Leute müssen sich melden, wenn Probleme auftreten", erklärt sie. Bei den Landwirten funktioniere das, auch Ortsbürgermeister und vereinzelt Privatleute greifen zum Telefon.

Birgit Bernstein hat sich über die Jahre einen guten Ruf erarbeitet, dass sie versucht, schnell und unkompliziert Lösungen zu finden, um Probleme zu beheben. "Es ist schön, wenn man draußen, was erreicht hat, wenn man helfen konnte, wenn man auch mal gelobt wird", sagt Birgit Bernstein. Am meisten ärgerte es sie als Geschäftsführerin, dass der Verband oft nur über die Beiträge definiert wurde - "das regte mich fürchterlich auf". "Die, die uns kennen, wissen, dass wir sehr gute Leistung erbringen", so Bernstein, die sich eines jedoch wünschen würde: eine einfache und nachvollziehbare Beitragsgestaltung.

Ob das zehnköpfige Team des UHV Nuthe/Rossel weiter so funktioniert, wie zuletzt, liegt nun nicht mehr in ihrer Hand. Seit Anfang dieses Monats ist Birgit Bernstein beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) - zurück im Flußbereich Schönebeck. Als Projektbearbeiterin ist sie auch für die umzusetzenden Hochwasserschutzmaßnahmen zuständig. Bis zu ihrem Ruhestand wird sie in den nächsten Jahren genug zu tun haben. Entspannung findet die 57-Jährige, die eine Tochter und eine dreijährige Enkelin hat, im Garten oder beim Lesen historischer Romane. Was ihre Berufswahl und ihre Tätigkeiten angeht, hatte sie nie Zweifel: "Ich hätte nichts anderes machen wollen".

Nun hat Maja Schochardt das Erbe von Birgit Bernstein angetreten. Damit ist der Unterhaltungsverband Nuthe/Rossel auch weiterhin in Frauenhand. Frisch von der Hochschule - quasi jung und dynamisch. "Ich wäre nicht hier, wenn ich mir den Job nicht zutrauen würde", sagt die 22-Jährige. Die gebürtige Nedlitzerin, die nun seit zwei Jahren in Lindau zu Hause ist, hat ihr Abitur am Zerbster Francisceum gemacht und dann an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal Bauingenieurwesen studiert.

Den Master machen oder arbeiten, stellte sich für die junge Frau die Frage, als sie sich auf "gut Glück" bewarb. Das Glück war ihr hold. Bei der Stelle beim UHV in Lindau setzte sie sich gegen acht Mitbewerber durch. Nach drei Monaten Einarbeitungszeit zeigten sich sowohl die neue als auch die alte Geschäftsführerin optimistisch, dass die Wahl richtig war. Maja Schochardt ist nun in der Verantwortung.

Bei der Frühjahrsgrabenschau im März war die "Neue" schon dabei, hat inzwischen Partner, zuständige Ämter und andere Involvierte kennengelernt. "Ich bin froh, dass ich auch in der Natur arbeiten kann", erklärt Maja Schochardt zu ihrem neuen Job, zu dem die leidenschaftliche Reiterin, die das Westernreiten in Trüben erlernte, bei ihren beiden Pferden einen Ausgleich findet. Ansonsten in festen Händen, kann sich die junge Frau ganz auf die Herausforderung als Geschäftsführerin konzentrieren. Und sollte es Fragen geben, hat Birgit Bernstein ihre Hilfe zugesichert.

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