Die Lokführergewerkschaft GDL hat zu einem viertägigen Streik aufgerufen. Sowohl im Güterverkehr als auch im Personenverkehr geht ab heute nichts mehr. Das beeinträchtigt besonders die vielen Pendler in Zerbst.

Zerbst l Lange Gesichter am Zerbster Bahnhof: Schon wieder streiken die Lokführer. Dieses Mal stehen die Züge rekordverdächtige vier Tage still. Gerade in ländlichen Regionen sind die Menschen davon besonders betroffen. Hängt doch die Arbeit oder die Schule vom täglichen Bahnfahren ab. Viele Zerbster pendeln nach Magdeburg, Halle oder Dessau. Andererseits gibt es auch zahlreiche Schüler und Arbeiter, die aus den Dörfern der Umgebung nach Zerbst pendeln müssen. So geht es auch einer Gruppe Mädchen, die jeden Morgen aus Gommern und Magdeburg den Zug nach Zerbst nimmt. Sie besuchen hier die Euro-Schule. Einige lassen sich die nächsten Tage von Eltern fahren. Andere schlafen gleich in Zerbst bei Freunden.

Auch Justin Rohloff hat die nächsten Tage schon durchgeplant: "Ich bin Lehrling in Magdeburg. Da ich noch keinen Führerschein habe, bin ich auf den Zug angewiesen", sagt der 17-Jährige. "Zum Glück kann ich während des Streiks mit einem Kumpel nach Magdeburg fahren. Sonst wäre ich echt aufgeschmissen", so der Zerbster. Auch viele Senioren nutzen die Züge in die nächstgrößeren Städte. "Ich wollte Freitag nach Magdeburg fahren. Das werde ich nun verschieben", bedauert Gisela Becker (71).

"Wir arbeiten mit Hochdruck an Ersatzfahrplänen für den Nahverkehr, die über die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn veröffentlicht werden", erklärt Jörg Bönisch von der Pressestelle der Deutschen Bahn. Die Information zu den Ersatzfahrplänen erfolge tageweise, heißt es seitens der Bahn.

Deshalb ist es für Reisende wichtig, sich täglich neu zu informieren.Fahrgäste, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten ihre Reise nicht durchführen können, können ihre Fahrkarte im Reisezentrum der Deutschen Bahn erstatten lassen. Alternativ können Reisende den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. In diesem Fall wird bei zuggebundenen Angeboten, wie beispielsweise Sparpreis-Tickets, auch die Zugbindung aufgehoben. Ausgenommen hiervon sind regionale Angebote mit erheblich ermäßigtem Fahrpreis (Schönes Wochenende-, Quer-durchs-Land- oder Länder-Tickets) sowie reservierungspflichtige Züge. "Dennoch muss mit starken Beeinträchtigungen des Zugverkehrs gerechnet werden", so Bönisch.

Bei den Zerbstern herrscht nur noch wenig Verständnis für den Streik: "Am Anfang habe ich es noch verstanden, aber jetzt reicht es langsam", so eine Zerbsterin, die anonym bleiben möchte. "Viele sind auf die Züge angewiesen und bekommen jetzt auf Arbeit oder in der Schule richtig Probleme, weil sie nicht pünktlich da sind", sagt sie weiter. Auch die Mitarbeiter im Bahnhofs-Bistro sind frustriert: "Für uns heißt Streik auch keine Einnahmen", sagen sie.

Auskünfte über Schienenersatzverkehr gibt es unter (0800) 99 66 33.