Im Bereich des Klosterhofs neigt sich die Zerbster Stadtmauer nach innen. Mit mehreren Stützpfeilern soll einer weiteren Schieflage des mittelalterlichen Bauwerks entgegen gewirkt werden. Deren stabile Verankerung bilden spezielle Bohrpfähle, die jetzt in den Boden gepresst wurden.

Zerbst l Lautstark treibt der Bagger gusseiserne Bohrpfähle in den Erdboden und presst Beton hinein. Einen Pfahl nach dem anderen setzen die Mitarbeiter der Berliner Spezialtiefbaufirma. Insgesamt zwölf rammen sie unter der knatternden Geräuschkulisse bis zu sieben Meter tief in den Untergrund - nur etwas mehr als eine Armlänge von der Stadtmauer entfernt. Hier zwischen dem Großen bis hin zum Kleinen Klosterhof ist die mittelalterliche Befestigungsanlage in deutliche Schieflage geraten. "Die Mauer ist bis zu 70 Zentimeter aus dem Lot geraten", schildert Karsten Gebhardt vom beauftragten Planungs- und Ingenieurbüro. Die Ursache ist komplex, hauptsächlich jedoch ist das fehlende Fundament des historischen Bauwerks für die Neigung verantwortlich.

Um zu verhindern, dass das bis zu fünf Meter hohe Gemäuer auf einer Länge von rund 46 Metern noch weiter kippt, investiert die Stadt Zerbst jetzt in die Sicherung. Kosten von rund 260 000 Euro sind für die Maßnahme kalkuliert, die sich in zwei Abschnitte unterteilt. "Zunächst geht es um die statische Sicherung", erläutert Karsten Gebhardt. Dies geschieht über die Errichtung zusätzlicher Stützpfeiler. Deren stabile Verankerung bilden die Bohrpfähle. Die gusseisernen Rohre haben einen Durchmesser von zwölf Zentimetern, mit der Betonummantelung erweitere sich dieser auf etwa 20 Zentimeter, legt Karsten Gebhardt dar. "Dabei handelt es sich um ein Spezialgründungsverfahren", erklärt Beate Bläß, die zuständige Sachbearbeiterin Hochbau. Unterdessen erzählt Karsten Gebhardt von den Stahlbetonplatten, auf denen schließlich die Stützpfeiler errichtet werden. "Diese besitzen einen Betonkern, der mit Ziegelsteinen ummauert wird", informiert er.

Der zweite Bauabschnitt beinhaltet die denkmalgerechte Instandsetzung des Stadtmauerbereichs. Es ist vorgesehen, die Mauerkrone auszubessern, lose Steine zu entfernen und fehlende zu ersetzen sowie das aus Ziegel-, Feld- und Bruchsteinen bestehende Mauerwerk neu zu verfugen. Bereits Mitte März fand ein Abstimmungstermin zum Aufstellen des Baugerüstes auf der Außenseite der mittelalterlichen Schutzanlage, das heißt zur Nuthe hin, statt. Die gesamte Maßnahme soll bis zum 31. August abgeschlossen sein.

Angeschoben wurde diese von Anwohnern. Sie wiesen auf die zunehmende Schieflage der Stadtmauer hin. Denn die Grundstücke im Klosterhof grenzen direkt bis an das mittelalterliche Gemäuer. So fand zur Vorbereitung des Projektes eine Versammlung statt, bei der die Eigentümer der anliegenden Flächen über die Pläne informiert wurden.