Zu kalt, zu nass, zu ungemütlich – das Wetter im Mai fühlt sich eher nach Herbst als nach Frühling an. Die Volksstimme hörte sich um, wie sich die Menschen in Zerbst mit dem extremen Klima arrangieren.

Zerbst. Für die Landwirte ist es zu kalt, den Bauarbeitern zu nass und auch die Mitarbeiter vom Bauhof können dem diesjährigen Maiwetter nichts Gutes abgewinnen. "Das schlechte Wetter hindert uns an vielen Arbeiten. So können verschiedene Mäharbeiten in den Ortschaften nicht ausgeführt werden", beschreibt Bauhof-Leiterin Regina Frens die augenblickliche Situation.

"Die Äcker sind zu nass, um befahren werden zu können."

Auch die Sommerbepflanzung musste aufgrund der hohen Niederschlagsmengen abgebrochen werden. "Ob wir damit bis Pfingsten fertig werden, kann ich im Augenblick nicht sagen", erklärt Frens. Dennoch gibt sich die Bauhofleiterin optimistisch: "Ab morgen wird es wieder schön und die Sonne lacht".

Auch die Landwirte haben ihre Probleme mit dem Wetter. Denn sie sind zum Nichtstun verurteilt. "Zum Teil sind die Äcker zu nass, um befahren werden zu können", sagt Heinz Vierenklee, Geschäftsführer des Bauernverbandes Anhalt. Beispielsweise müsste mancherorts noch Mais ausgesät werden. Doch dies ist bei diesen Bedingungen nicht möglich. Andernorts guckt der Mais bereits seit 14 Tagen aus dem Boden heraus. "Der hat schon gelbe Spitzen und das ist gar nicht gut. Es ist einfach zu kalt zum Wachsen." Auch die Rüben "schlafen" derzeit noch unter der Erde. Am wackersten schlägt sich derweil noch der Raps, doch auch hier gibt es Probleme. "Wir können momentan nur wenige Bienen ausmachen. Denen ist es zu kalt, aber sie sind wichtig für die Bestäubung", so Vierenklee. Man müsse abwarten, wie sich das Wetter weiterentwickelt. Doch bald müsste es wärmer werden, damit die Landwirte eine gute Erntesaison fahren können.

Diese Wahl haben die Tiefbauer der Umgebung nicht. "Für uns ist das Wetter richtig schlecht. Wir müssen ja draußen arbeiten", erklärt Willi Neckmann von der Zetieba Straßen- und Tiefbau GmbH. Im Moment hat das nasskalte Wetter noch keine weiteren Konsequenzen. "Bisher haben wir keine Krankmeldungen. Ein Tiefbauer ist eben abgehärtet", nimmt der Geschäftsführer die Situation noch humorvoll. Doch auch bei der abgehärteten Berufsgruppe gibt es Grenzen. "Wenn es wirklich zu sehr regnet und es einfach nicht mehr machbar ist, dann machen wir auch früher Feierabend", sagt Neckmann. Diese Festlegung ist auch nur allzu verständlich. "Arbeiten wir bei diesem Wetter auf Teufel komm raus und am nächsten Tag sind alle krank, haben wir auch nichts gewonnen."

Zumindest über Pfingsten könnte es ein paar Grad wärmer werden, sagt Stephan Wilke vom Deutschen Wetterdienst in Magdeburg. Von Freitag bis Sonntag wird der Himmel zwar überwiegend bewölkt sein, jedoch sind einige Sonnenlücken möglich. "Kommt die Sonne raus, sind knapp über 20 Grad möglich. Bleibt sie weg, erreichen wir selbst die 20 Grad nicht." Jedoch trocken soll es im Wesentlichen bleiben. Sein Fazit für den Mai: "Er ist extrem kühl und feucht". In Magdeburg sei bisher das dreifache des Monatsdurchschnitts für den Mai an Niederschlägen gefallen. "Normalerweise sind wir durch den Brocken geschützt, eine sehr trockene Region. Aber unüblicherweise kommt in diesem Monat der Niederschlag, wie auch gestern, aus Nord-Ost." Dreieinhalb Grad liege der Mai bisher unter dem Durchschnitt und "die Sonnenscheindauer liegt auf November-Niveau".

"Der Pegel ist leicht gestiegen, aber das heißt nichts."

Nur den Fährbetreibern machen die vielen Niederschläge nichts aus. Andy Kretzmann, Fährbetreiber der Fähre Breitenhagen, bleibt gelassen. "Der Elbe-Pegel ist leicht angestiegen, aber das heißt noch nichts." Auch die Hochwassermeldungen aus Polen seien kein Alarmzeichen. "Die Elbe wird aus einer Quelle in Tschechien gespeist. Was in Polen passiert, betrifft uns nicht mittelbar." Ähnlich äußerte sich Birgit Mertens von den Akener Stadtwerken, die die dortige Fähre betreiben. "Wir fahren bis zu einem Pegel von 4,20 Metern und den haben wir noch lang nicht erreicht", so Mertens. Gestern Nachmittag betrug der Pegel in Aken 2,65 Meter.

Im Endeffekt geht es vielen Zerbstern gleich. Das Hoffen auf baldige Besserung bleibt bestehen. So bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Bauernregel "Mairegen bringt Segen" zu verlassen.

   

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