Magdeburg l Während des Volksstimme-Wahlforums am Montag hatte es OB Lutz Trümper angekündigt: In Sachen "neues Gymnasium" würden jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Was gestern dann in seiner wöchentlichen Bürgermeisterberatung auch passierte. Vor seiner Verwaltungsspitze lag die Drucksache "0066/15 - Eröffnung eines neuen Gymnasiums am Standort Lorenzweg 81". Der Beschlussvorschlag ist eindeutig. Die eigentlich geplante Außenstelle des Einsteingymnasiums im Lorenzweg soll zu einer eigenständigen Schule werden. Der Weg zur Beschlussvorlage war allerdings ein komplizierter - rechtlich wie auch politisch.

Seit 2012 ist klar, dass Magdeburg ein weiteres Gymnasium braucht. Die Schülerzahlen steigen bis 2018, die Gymnasien drohen, aus den Nähten zu platzen. Zum Vergleich: 2015 wechseln 1541 Viertklässler in die weiterführenden Schulen, 2018 werden es 2017 sein.

Im Februar 2013 wollten OB Trümper und seine Verwaltung ein neues Gymnasium gleich in der Nachbarschaft des Alten Rathauses bauen lassen. Das sei nicht nur zentral, sondern auch ein hübscher Imagegewinn für die Innenstadt. Die Stadträte von SPD und Linke waren dafür, CDU, FDP und die Grünen allerdings dagegen. Sachliche Gründe wurden vorgebracht (zu wenig Gelände, kein Sportplatz, zu teuer), tatsächlich warf man dem OB aber vor, er habe die Fraktionen nicht informiert und wolle sich im Grunde nur ein "Trümper-Gymnasium" neben das honorige Rathaus bauen lassen. Die Abstimmung zum neuen Gymnasium lief im Stadtrat entsprechend ab. Der OB wurde von CDU, FDP und Grünen abgewatscht, der mögliche Standort für ein neues Gymnasium wurde der Schulkomplex (Marke "Erfurt") am Lorenzweg. Das werde auch preisgünstiger, denn immerhin gebe es dort schon eine Schule, die "nur" saniert werden müsste.

Der Magdeburger Stadtelternrat schäumte ob dieser Entscheidung vor Wut. Der Lorenzweg sei die denkbar schlechteste Entscheidung, weil alt und vor allem verkehrstechnisch im Niemandsland, also nur schwer für die Schüler zu erreichen. Auch müsste sich das neue Gymnasium den Komplex mit einer Grundschule, die dort untergebracht ist, teilen. Besser wäre ein Umbau des ehemaligen Staatsarchivs am Hegelgymnasium gewesen. Zwei Jahre hoffte man im Stadtelternrat noch auf ein Umdenken. Diese Hoffnung ist jetzt gegenstandslos. Zwischenzeitlich hatte die Linke vorgeschlagen, man solle das Abrissgelände (Wohnblocks) am Südabschnitt des Breiten Wegs auf einen möglichen Standort für ein neues Gymnasium hin untersuchen. SPD und Grüne unterstützten das.

Dann schien die Finanzierung der Lorenzweg-Sanierung zu scheitern. Denn unklar ist, ob die Sanierung aus dem Stark-III-Programm überhaupt gelingt. Denn förderfähig sind eigentlich nur bereits bestehende Einrichtungen.

Im Lorenzweg sollten aber Schüler des Einsteingymnasiums, die zurzeit noch in einem Ausweichquartiert im Olvenstedter Scheid unterrichtet werden, ab Sommer 2015 untergebracht werden. Dann wäre ein Teil des Schulkomplexes aber "nur" eine Außenstelle des Einsteingymnasiums.

Nun soll aus dem Schulkomplex "Erfurt" aber gleich ein neues Gymnasium werden. Denn zum Schuljahr 2015/16 wird der Lorenzweg nicht nur zu einer Außenstelle des Einsteingymnasiums, sondern gleich zum neuen Gymnasium für Magdeburg. Danach könnte - so die Logik der Verwaltung - die Sanierung mit Stark-III-Fördergeld beginnen, da es sich dann um eine bereits bestehende Einrichtung handeln würde. Ob der Kunstgriff gelingt, steht aber erst fest, wenn die neuen Stark-III-Förderrichtlinien festgezurrt sind.

Das Entscheidende ist, dass OB Trümper die Beschlussvorlage jetzt auf den Weg gebracht hat und damit versucht, einen konkreten Zeitplan abzustecken.