Magdeburg l Bevor Trümper an den Wahlkampfstand in Sudenburg tritt, kontrollieren Personenschützer vom Landeskriminalamt das Umfeld. Man erkennt die vier Männer an ihren Ohrsteckern. Zwei von ihnen befinden sich permanent an Trümpers Seite.

Bereits beim Wahlforum der Volksstimme am vergangenen Montag waren LKA-Beamte vor Ort. Sogar Sprengstoffspürhunde waren im Einsatz. Grund sind Morddrohungen, die Trümper in den vergangenen Tagen erhalten hat. Am Donnerstag traf nun zum dritten Mal ein entsprechender Drohbrief im Rathaus ein. Der Inhalt soll dem der ersten Schreiben ähneln.

Briefe mit Neonazi-Symbolik


In einem der Briefe (siehe Foto) heißt es "Ein Baum, ein Strick, Trümper". Weiter wird ein Amoklauf im Rathaus angekündigt. Darunter ein Hakenkreuz und SS-Runen. Die Schreiben sind auf dem Postweg im Rathaus gelandet. Alle im Abstand von zehn Tagen. Unterschrieben sind sie mit dem Hitlergruß. Die Drohbriefe hat Trümper allesamt der Polizei übergeben, wo sie kriminaltechnisch untersucht werden sollen.

Nach Informationen der Volksstimme ist auf den Schreiben ein Absender angegeben. Die Person soll es auch tatsächlich geben. Laut Ermittlern soll es sich aber nicht um den Absender handeln. Der Poststempel soll von einem Briefverteilzentrum in Sachsen-Anhalt sein.

"Es ist eine belastende Situation. Man muss das ernst nehmen", sagte Trümper der Volksstimme. Es ist nicht das erste Mal, dass Trümper massiv bedroht wird. Im Januar 2007 waren Dutzende Rechtsextreme vor dem Privathaus von Trümper aufgetaucht. Damals hatte die Stadt einen auf dem Westfriedhof niedergelegten Kranz mit nationalsozialistischer Propaganda entfernen lassen. Trümper erstattete nach dem Vorfall Anzeige. Die Ermittlungen verliefen damals im Sande.

Ermittlungen gegen Lokalpolitiker


Wenige Tage vor Eingang der Drohbriefe im Rathaus war es auf der Facebook-Seite des Magdeburger Ablegers der Anti-Islam-Bewegung Pegida "Magida" ebenfalls zu Drohungen mit ähnlichem Wortlaut gegen Trümper gekommen. Der Kommentar stand unter einem Foto des verhüllten Otto-von-Guericke-Denkmals an der Hauptwache, wo Montagabend die Magida-Demos starten.

Die Stadt hatte das Denkmal verhüllen lassen, um es vor Beschädigungen zu schützen. Die Magida-Demonstranten hatten das als Provokation aufgefasst. Im Internet kam es zu wüsten Beschimpfungen der Stadtverwaltung. Der Drohkommentar wurde wieder gelöscht.

Nach Berichten in der Volksstimme und des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) wurden Ermittlungen gegen einen bekannten 28-jährigen Lokalpolitiker aus dem Jerichower Land eingeleitet, die aktuell noch laufen. Der Verdacht: öffentliche Aufforderung zu Straftaten. Ob der Facebook-Kommentar und die Briefe zusammenhängen, ist unklar, werde aber geprüft, hieß es von der Polizei auf Nachfrage.

Bereits nach dem ersten Drohbrief hatte es zeitweise Personenkontrollen (Volksstimme berichtete) für Besucher des Rathauses gegeben. Nach Angaben eines Polizeisprechers sind die erneuten Drohungen ernst zu nehmen. "Die Ermittlungen laufen. Näher wollen wir uns nicht äußern", so ein Sprecher.

LKA erstellte umfangreiche Gefährdungsanalyse


"Das LKA führt Maßnahmen des Personenschutzes bei OB Trümper durch. Die Geheimhaltung konkreter Maßnahmen ist Bestandteil des Schutzkonzeptes", heißt es vom Landeskriminalamt. Trümper bekommt zum ersten Mal Personenschutz. Laut LKA derzeit als einziges Stadtoberhaupt in Sachsen-Anhalt. "Besonderes Schutzbedürfnis" hätten sonst nur der Ministerpräsident und der Innenminister. "Bei vorliegenden Hinweisen auf mögliche Bedrohungen führt das Landeskriminalamt immer eine umfangreiche Gefährdungsanalyse durch und kommt dann zu dem Schluss: Personenschutz ja oder nein", sagte LKA-Sprecher Andreas von Koß der Volksstimme.

Am 15. März findet in Magdeburg die nächste Oberbürgermeisterwahl statt. Trümper kandidiert für eine dritte Amtszeit. Zur Wahl stehen noch sieben weitere Kandidaten.

Bilder