Magdeburg l "Der Markt ist fast tot. Es ist schwierig junge Leute zu finden, die den Beruf überhaupt noch erlernen wollen", sagt Sandra Raebel. Die Bewerbungsmappen auf dem Schreibtisch der Ausbildungsverantwortlichen des Elektrotechnikers Schubert aus Tangerhütte (Landkreis Stendal) werden von Jahr zu Jahr weniger. Waren es vor vier Jahren noch durchschnittlich 15 Bewerbungen, gab es im vergangenen Jahr nur noch fünf. Trotz des Engagements auf Messen und in Schulen gehen die Bewerberzahlen zurück. Eine Erfahrung, die Schubert mit vielen Betrieben teilt.

Im Bezirk der Handwerkskammer Magdeburg ist die Zahl der Azubis in den vergangenen fünf Jahren deutlich zurückgegangen. Wurden 2008 noch 7500 Auszubildende in den Betrieben gezählt, waren es 2013 nur noch 3800. Ein Einbruch um die Hälfte. Das liege vor allem an den Bewerbern, sagt Hauptgeschäftsführer Burghard Grupe. "Ausbildungsplätze gibt es im Handwerk genug. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren aufgrund der mangelnden Nachfrage nur leicht zurückgegangen", so Grupe.

Als Ursache dafür sieht Grupe die demografische Entwicklung und den zunehmenden Trend zu Abitur und Studium. "Viele Familien ziehen eine duale Berufsausbildung für ihre Kinder gar nicht erst in Betracht oder kennen unsere Handwerksberufe überhaupt nicht", erklärt Grupe. Der Konkurrenzkampf um die verbliebenen Bewerber ist unter den Unternehmen in Sachsen-Anhalt damit härter als je zuvor. Vor allem durch finanzielle Anreize versuchen die Betriebe Azubis für sich zu gewinnen.

Der Elektrotechniker Schubert zahlt seinen Lehrlingen eine Ausbildungsprämie von bis zu 350 Euro pro Monat. Bei 500 Euro Grundgehalt im ersten Lehrjahr ein beachtlicher Zuschuss. Sandra Raebel erklärt: "Für einen Notendurchschnitt von unter 3,0 an der Berufsschule bekommen unsere Azubis 100 Euro extra." Wenn sich die jungen Handwerker auf den Baustellen vorbildlich verhalten oder Verwaltungsaufgaben pünktlich erledigen, gibt es zudem weitere Prämien.

Bei Radio- und Fernsehtechniker Bernd Grunwald aus Havelberg werden die Lehrlinge für die Fahrschule freigestellt. Tischlermeister Bernd Linke aus Magdeburg schickt seine Azubis ins Ausland. Linke bezahlt Kost, Logis und Reise. Bisher waren seine Lehrlinge schon in Norwegen und in Irland. "Vor allem geht es uns darum, dass die jungen Leute ihren Horizont erweitern und neue Arbeitstechniken kennenlernen. Davon profitiert auch unser Betrieb", erklärt der 53-Jährige.

Doch selbst wenn die Betriebe einen Auszubildenden von sich überzeugt haben, sind die Probleme nicht gelöst. "Von den vorhandenen Schulabgängern sind leider immer weniger ausbildungsfähig, also aufgrund mangelnder Grundkenntnisse für eine Berufsausbildung im Handwerk nicht geeignet", erklärt Burghard Grupe von der Handwerkskammer Magdeburg.

Für Betriebe ist die Ausbildung nicht mehr eine gesellschaftliche Aufgabe. Vielmehr sichert die Lehrzeit Fachkräfte für das eigene Handwerk. "Junge Menschen, die wir selbst ausbilden können, sind für uns Gold wert", erklärt Tischlermeister Bernd Linke. Regelmäßig empfängt er in seinem Betrieb Schulklassen und erklärt, was es bedeutet Tischler zu sein.

Die Handwerkskammer macht deutschlandweit Imagewerbung für das Handwerk, bietet Berufsberatungen an und präsentiert sich in Schulen und auf Messen.