Die Streitpunkte:

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordert:

  • fünf Prozent mehr Lohn - die Bahn bietet für die Lokführer bislang zwei Prozent
  • eine von 39 auf 37 Stunden reduzierte Wochenarbeitszeit ab Januar 2015
  • nur noch 50 statt bisher unbegrenzte Überstunden m freie Wochenenden sollen mindestens von Freitag 22 bis Montag 6 Uhr dauern.

Die GDL will auch durchsetzen, dass sie künftig nicht nur die Lokführer vertritt, sondern auch Zugbegleiter. Für diese hat bisher die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Tarifverträge ausgehandelt.

Die Deutsche Bahn schlägt vor, die Tarifverhandlungen auszusetzen, bis die von der Großen Koalition geplante gesetzliche Grundlage zur Tarifeinheit steht.


Rechte der Fahrgäste:

Bahnreisende bekommen 25 Prozent ihres Ticketpreises zurück, wenn sich ihr Zug wegen eines Streiks um mehr als 60 Minuten verspätet, ab 120 Minuten sind es sogar 50 Prozent. Die Bahn kann sich nicht auf höhere Gewalt berufen. Die Service-Nummer für Erstattungen: 01806 - 996633. Ein Anruf kostet 20 Cent aus dem Festnetz, maximal 60 Cent mobil.

Magdeburg l "Zug fällt aus! Zug fällt aus!", meldet der Ticker auf der elektronischen Anzeigentafel im Foyer des Magdeburger Hauptbahnhofs. Ob nach Emden, Köln, Leipzig oder Hannover - im Fernverkehr geht am Mittwochmorgen nichts mehr. Und das, obwohl der Lokführerstreik offiziell erst um 14 Uhr startet. Viele Reisende stranden bereits am Vormittag auf dem Magdeburger Bahnhof. Einzige Hoffnung: Sich wenigstens noch mit Regionalzügen durchhangeln.

Im nördlichen Teil Sachsen-Anhalts hat das im Vergleich mit anderen Regionen noch in einigen Fällen funktioniert. "Der östliche und südliche Teil Mitteldeutschlands war noch stärker von Zugausfällen betroffen", erklärte ein Sprecher der Bahn auf Volksstimme-Anfrage. Er bezeichnete die Auswirkungen des Streiks als "massiv". Etwa zwei Drittel der Fernzüge sollen ausgefallen sein.

Zwischen der Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) herrscht weiter Funkstille. Eigentlich seien für Mittwochabend vertrauliche Gespräche vereinbart gewesen, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. "Diese Chance wird durch den Streik mutwillig vertan." Er warf der Gewerkschaft Machtgier vor. "Die GDL will nicht zusammenarbeiten - mit niemandem. Sie stellt Machtgelüste über vernünftiges Verhandeln."

Ähnlich äußerte sich der Fahrgastverband Pro Bahn. "Es wird immer offensichtlicher, dass es der GDL vorwiegend um die Ausweitung ihres Machtbereichs geht und nicht um tarifliche Forderungen", sagte ein Pro-Bahn-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Wegen der kurzen Vorwarnzeiten hätten viele Fahrgäste keine Chance, sich auf die Einschränkungen einzustellen.

"Das ist unser gutes Recht"

GDL-Chef Claus Weselsky wies die Kritik am zweiten Streik innerhalb von acht Tagen zurück. "Das ist unser gutes Recht", sagte er. Je nach Schicht seien 2000 bis 5000 Kollegen im Ausstand gewesen. Einer von ihnen ist Gerald Trül, der seit über 30 Jahren für die Deutsche Bahn fährt. "Ich stehe hinter den Forderungen der Gewerkschaft", sagte er gestern auf dem Magdeburger Hauptbahnhof knapp. Sein Zug sollte eigentlich bis Wolfsburg fahren, doch in Haldensleben war Schluss. Dort hat er abgeschlossen.

Der Streik der Lokführer sollte bis 4 Uhr am heutigen Donnerstag dauern. Mit Nachwehen im Zugverkehr ist aber weiter zu rechnen. "Normal wird das heute auf keinen Fall laufen. Wir versuchen aber, die Auswirkungen so schnell wie möglich zu beseitigen", sagte ein Bahnsprecher.

Ob in den nächsten Tagen und am Wochenende weitere Zugausfälle drohen, ist noch unklar. Hartmut Schaefer von der GDL Mitteldeutschland sagte: "Wir wissen es noch nicht. Wir streiken ja nicht aus Jux und Tollerei. Wenn der Bahn-Vorstand endlich ein akzeptables Angebot vorlegt, werden weitere Streikaktionen nicht notwendig sein."