Fichte duftet, Nordmann punktet: Weihnachtsbäume mit ihren Vor- und Nachteilen

Nordmanntanne (Abies nordmanniana)
Knapp 80 Prozent der Weihnachtsbäume in Deutschland sind Nordmanntannen.
+ gleichmäßiger Wuchs
+ weiche Nadeln in sattem Grün
+ lange Haltbarkeit
- relativ geruchlos

Blaufichte (Picea pungens glauca)
Die Nummer zwei unter den beliebtesten Baumsorten.
+ grüne bis stahlblaue Nadeln
+festes Astwerk, gut für schweren Baumschmuck
+ angenehmer Duft
- sehr stachelige Nadeln

Nobilistanne (Abies procera)
Eine Edeltanne, die zu den teuren Weihnachtsbäumen gehört.
+ sehr robust
+ silbrig-blaues Nadelkleid
+ intensiver Duft
- spürbar teurer als Nordmanntannen

Gemeine Fichte (Picea abies)
Günstiger Weihnachtsbaum, der zu DDR-Zeiten in den meisten Wohnzimmern stand.
+ nicht so teuer
+ angenehmer Duft
- Äste wachsen nicht so dicht
- nadelt recht schnell

Nikko-Tanne (Abies homolepis)
Der Baum stammt aus Japan.
+ dichter Wuchs, lange haltbar
+ nicht stechende Nadeln
- selten im Verkauf

Magdeburg/Halberstadt/Stendal l Kaum einer will eine andere haben, die Händler verkaufen zum Großteil nur sie, auch wenn sie hier gar nicht heimisch ist: die Nordmanntanne. In Sachsen-Anhalt wie auch deutschlandweit ist die Tannenart der Klassiker unter den Weihnachtsbäumen.

Wolfgang Hesse betreibt in Magdeburg-Calenberge eine Weihnachtsbaumplantage. Die Bäume können sich die Kunden selbst aussuchen und eigenhändig absägen. Auf dem zwei Hektar großen Gebiet wachsen zu 95 Prozent Nordmanntannen.

Selbstschlagen liegt im Trend

Er betreibt die Plantage seit 1999 und beobachtet, dass Jahr für Jahr mehr Kunden ihren Baum selbst fällen wollen. Laut einer Studie vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger (BWS) spielt für 52 Prozent der Verbraucher eine entscheidende Rolle, dass der Baum "aus der Region" stammt.

Norman Ihrke kommt mit Freundin Manuela Reichwald und Tochter Patricia schon das dritte Jahr in Folge nach Calenberge. "Dann weiß ich, dass der Baum frisch ist", sagt der Magdeburger. Auch er sucht eine Nordmanntanne. "Nur wenige wollen einen anderen", sagt Hesse. Die Nordmanntanne überzeugt durch ihre weichen Nadeln, die dunkelgrüne Farbe und die gute Haltbarkeit, erklärt er. Wegen der schönen blaugrünen Farbe und des schönen Dufts landet die Blaufichte auf Platz zwei unter den beliebtesten Weihnachtsbäumen. "Allerdings sind die Nadeln sehr hart und damit stachelig", sagt Hesse.

Ein paar Fichten pflanzt er auch noch an. Der Baum ist wegen der geringen Nachfrage günstiger. "Aus Nostalgie-gründen werden Fichten vielleicht auch nachgefragt", erzählt er. Allerdings wachsen auf Hesses Plantage keine DDR-Fichten. "Kahle Bäume, in die man Löcher reinbohren muss und Äste nachstecken, muss heute keiner mehr kaufen", sagt er und lacht.

Die Nordmanntannen kosten bei ihm 17,50 Euro pro Meter, die Blaufichten 15 Euro, die Fichten 13 Euro. Gekauft wird die Nordmanntanne auch da, wo Plantagen nicht laufen würden. "Wir verkaufen nur Nordmanntannen", sagt Lutz Coqui, Geschäftsführer eines Blumenhandels in Halberstadt. "Die Nordmanntanne wächst im Harz nicht gut", sagt der Händler. Schwere Böden und milde Winter bevorzuge die Baumart. "So wie in Dänemark", wo der Halberstädter seine Bäume bestelle.

Kurz vor Weihnachten sind die Schönen aussortiert

Gut zwei Millionen Weihnachtsbäume importierten die Deutschen laut BWS im vergangenen Jahr aus Dänemark, wo jährlich rund zehn Millionen Weihnachtsbäume geerntet werden. Die größten Anbauflächen in Deutschland liegen in Nordrhein-Westfalen mit 18000 Hektar, es folgen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Geschlagen werden die Bäume dort ab dem 15. November.

"Wenn der Baum beim Transport nicht warm wird, übersteht er die Zeit zwischen Abholzen und Weihnachten gut", sagt Lutz Coqui. Bei dem Halberstädter kostet der Meter Nordmanntanne aus Dänemark dann 15 Euro.

Die meisten Händler beziehen ihr Verkaufskontingent auf einmal. Lutz Coqui bestellt rund 500 Nordmanntannen - im Juli. Die sind dann alle fast zum gleichen Zeitpunkt geschlagen worden. Und wer am 20. Dezember kommt, findet nicht die frischeren. "Sondern die, die übrig sind", sagt der Halberstädter.

Auch im Baumarkt wird nicht nachgeordert: "Wir bestellen gut 2000 Bäume je Markt", erklärt Sebastian Steinbach, Mitarbeiter eines Magdeburger Baumarktes. Geliefert werden sie von Baumschulen aus Bayern. Wer selbst schlägt, könnte auch bis kurz vor Weihnachten warten. Allerdings sind dann auch die beliebten Größen - 1,50 bis 1,80 Meter - auf den Plantagen schwer zu finden, weiß Wolfgang Hesse.

Eine Alternative im Topf

Wer seinem Weihnachtsbaum noch ein Leben nach den Feiertagen gönnen möchte, kann einen Baum im Topf aufstellen. Jutta Mittendorf verkauft in ihrer Gärtnerei in Stendal getopfte Bäume. Eine Alternative zur geschlagenen Nordmanntanne ist hier zum Beispiel die Nikko-Tanne im Topf. "Sie hat eine kräftige Nadel und eine satte grüne Farbe", sagt die Gärtnerin. Auch eine Zuckerhutfichte, die sehr dicht und spitz nach oben wächst, sei als Weihnachtsbaum geeignet.

"Der Vorteil eines lebenden Baumes ist, dass er noch mehr duftet", sagt Jutta Mittendorf. Ein wenig unterstützen könne man den Effekt bei geschlagenen Bäumen durch einen Weihnachtsbaumständer mit Wasserbehälter. Einen Baum nur für Weihnachten zu fällen, findet sie "nicht verwerflich". "Dafür sind sie ja schließlich da."

Der richtige Weihnachtsbaum

Schön grün, gerade gewachsen, lange haltbar und nicht so stachelig sollte der ideale Weihnachtsbaum sein. Am gefragtesten ist in Sachsen-Anhalt die Nordmanntanne. Welcher Baum könnte für Sie der richtige sein:

  • Nordmanntanne: Der mit großem Abstand gefragteste und wichtigste Baum ist die Nordmanntanne, botanisch: Abies nordmanniana. Die Nordmanntanne stammt aus dem Kaukasus und zeichnet sich durch grüne bis dunkelgrüne glänzende Nadeln aus, die nicht stechen. Die Nordmanntanne hat einen pyramidalen Wuchs und etagenförmig angeordnete Zweige. Der Marktanteil der Nordmanntannen liegt in den letzten Jahren bei gut 80 Prozent, im Norden ist er etwas höher, im Süden etwas niedriger. Foto: Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger (BWS)

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  • Nikko-Tanne: Die Nikko-Tanne ist in Japan heimisch und wurde als Ziergewächs für Parks und Gärten nach Europa geholt. Hierzulande ist er wegen seines schlanken und gleichmäßigen Wuchses als Weihnachtsbaum beliebt, Die Nikko-Tanne ist eine gute Alternative zur Nordmanntanne. Allerdings beginnt der Baum recht früh zu nadeln. Foto: Daderot

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  • Serbische Fichte: Die Serbische Fichte besticht durch ihre weichen Nadeln und einen schlanken Wuchs. Die Fichte ist in freier Natur sehr selten und kommt nur in einem kleinen Gebiet im serbisch-bosnischen Grenzland vor. Eine Besonderheit der Serbischen Fichte sind die Zapfen, die sich auch an geschlagenen Weihnachtsbäumen befinden.

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  • Zuckerhutfichte: Die Zuckerhutfichte zeichnet sich durch ihren kegelförmigen Wuchs und ein dichtes Nadelwerk aus. Der Baum wächst sehr langsam und ist eine beliebte Pflanze in Park und Gärten. Beim Schmücken ist etwas mehr Kreativität gefragt. Foto: Alice Chodura, CC-BY-SA 3.0

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  • Nobilistanne: Die Nobilistanne (Abies nobilis) gehört zu den robustesten Weihnachtsbäumen. Die Nobilistanne gilt als Liebhaberbaum und ist eher unbekannt. Durch ihre lange Haltbarkeit und Nadelfestigkeit ist die Nobilistanne als Weihnachtsbaum, aber auch als Schnittgrün bei Kennern sehr beliebt. Die stabilen Äste halten auch schweren Weihnachtsbaumschmuck gut aus und machen die Tanne insgesamt sehr stabil. Zusätzlich verströmt sie einen schönen Tannenduft. Foto: BWS

    Nobilistanne: Die Nobilistanne (Abies nobilis) gehört zu den robustesten Weihnachtsbäumen. Die...

  • Blaufichte: Wenn auch mit großem Abstand, aber die Nummer Zwei in der Beliebtheit ist und bleibt die Blaufichte. Ihr Marktanteil liegt bei 15 Prozent. Die Blaufichte oder auch Blautanne genannt trägt den botanischen Namen Picea pungens glauca. Sie ist durch ihre kräftigen grünen bis stahlblauen Nadeln charakterisiert. Die Zweige sind etagenförmig angeordnet, und sie verbreitet einen unverwechselbar angenehmen Duft. Foto: BWS

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  • Rotfichte: Die Rotfichte, Picea abies, gehört zu den preiswertesten Weihnachtsbäumen. Sie hat dunkelgrüne und leicht stechende Nadeln. Der Baum fühlt sich in kühleren Räumen wohl, im Warmen verliert sie die Nadeln früher, als  die anderen Sorten. Foto: BWS

    Rotfichte: Die Rotfichte, Picea abies, gehört zu den preiswertesten Weihnachtsbäumen. Sie hat ...