Magdeburg l Auf das Fahrzeug des ehemaligen Bundesvorsitzenden der Jungen Nationaldemokraten (JN) und Mitglieds im Bundesvorstand der NPD, Andy Knape, ist im Magdeburger Stadtteil Ottersleben in der Nacht zum Donnerstag ein Brandanschlag verübt worden. Zwei weitere Autos seiner Familie vor dem Eigenheim brannten ebenfalls. Den Schaden bezifferte die Feuerwehr auf schätzungsweise 40000 Euro.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen wegen eines möglichen politisch motivierten Hintergrundes aufgenommen. Einen Hinweis auf die Täter gibt es bisher noch nicht. Knape wollte sich gegenüber der Volksstimme dazu nicht äußern. Offiziell hat er sich aus all seinen politischen Ämtern zurückgezogen.

Bereits im Januar 2013 war auch das Auto von Sascha B., Anmelder des Rechten-Aufmarsches am heutigen Freitag, angezündet worden. Sein Auto stand damals auf dem angemieteten Parkplatz vor seiner Wohnung in Magdeburg. Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. B. war zeitweise stellvertretender Landesvorsitzender der JN und trat erfolglos als NPD-Kandidat 2009 für die Stadtratswahlen in Magdeburg an.

Gemeinsam mit Andy Knape hatte er die bisherigen Neonazi-Aufmärsche in der Landeshauptstadt als "Initiative gegen das Vergessen" organisiert. Diese hatte in den vergangenen Jahren Freie Kameradschaften aus ganz Deutschland für den Rechten-Aufmarsch nach Magdeburg geholt. Erstmals nach 17 Jahren blieb eine bundesweite Mobilisierung aber aus. Die Polizei erwartet deshalb heute Abend mit etwa 250 Personen auch deutlich weniger Teilnehmer als im Vorjahr. Die meisten sollen aus Magdeburg und der nahen Region kommen. Im Januar 2014 waren es noch 850, im Jahr 2012 sogar 1200 Personen.

Mehr als 1000 Polizisten werden am heutigen Freitag in Magdeburg den für 18 Uhr angemeldeten Aufmarsch und die sieben angemeldeten Gegendemonstrationen absichern. Anlass ist der 70. Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs. Den genauen Ort wollte die Polizei gestern aber nicht nennen.

Auch für den Sonnabend ist inzwischen eine weitere Neonazi-Demonstration angemeldet. Dahinter steht der Kreisverband der Partei "Die Rechte" aus dem Jerichower Land. Das bestätigte gestern Polizeisprecher Marc Becher. Allerdings geht die Behörde von einer sehr geringen Teilnehmerzahl aus. Zudem gibt es Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Anmeldung.

Der AfD-Kreisverband Magdeburg hat sich indes von der Plakataktion in der Nacht zum Mittwoch distanziert und will Anzeige gegen unbekannt stellen. Ehemalige AfD-Wahlplakate waren mit rechtsradikalem Inhalt überklebt worden. AfD-Kreischef Ronny Kumpf sagte, es sei nicht klar, wie die unbekannten Täter in den Besitz alter AfD-Plakate kommen konnten. Das Ordnungsamt Magdeburg sammelte mehr als 700 Plakate ein.