Antragsunterlagen gibt es unter www.lagfa-lsa.de

Magdeburg/Tröglitz l Nach dem Rücktritt des Bürgermeisters von Tröglitz (Burgenlandkreis) wegen rechtsextremer Anfeindungen hat die Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck gefordert, Einwohner so früh wie möglich über die Unterbringung von Asylbewerbern zu informieren. So könnten Spannungen verhindert werden. "Wir müssen schneller informieren, frühzeitiger Foren der Kommunikation schaffen und den Dialog suchen", sagte Möbbeck am Mittwoch in Magdeburg.

"Frühzeitige Bürgerversammlungen sind das A und O." Daran habe es in Tröglitz gemangelt. Möbbeck sagte: "Wenn Gerüchte und Fehlinformationen erst einmal kursieren, ist das die Grundlage, auf der Populisten und Nazis ihr Süppchen kochen." Sie betonte zugleich, keine Schuldzuweisungen betreiben zu wollen. Behörden wie auch die Bürger seien noch nicht überall darauf eingestellt, dass mehr Menschen nach Sachsen Anhalt kämen. "Sachsen-Anhalt ist keineswegs überfordert", sagte Möbbeck. "Im Gegenteil: Wir brauchen Zuwanderer."

Integrationsminister Norbert Bischoff (SPD) sagte, bürgerschaftliche Solidarität sei wichtig. "Die Aufnahme und Integration von bei uns Hilfe suchenden Ausländern kann nur gelingen, wenn sie von den Menschen hier im Land mit offenen Armen willkommen geheißen werden." Die klare Botschaft müsse sein: "Kein Mensch ist uns fremd."

In Tröglitz waren seit Wochen Rechtsextreme und auch Einwohner gegen die Unterbringung von 40 Asylbewerbern auf die Straße gegangen. Ortsbürgermeister Markus Nierth (parteilos) hatte sein Amt niedergelegt, weil auch vor seinem Wohnhaus demonstriert werden sollte. Er fühlte sich vom Kreis, der Bevölkerung und den Parteien nicht ausreichend geschützt und unterstützt. In Tröglitz soll innerhalb von zwei Monaten ein neuer Ortsbürgermeister gewählt werden.

Sachsen-Anhalt hat indes am Mittwoch eine Netzwerkstelle "Willkommenskultur" eingerichtet. Diese ist bei der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen angesiedelt (Tel.: 0345/13517983). Für die Förderung einer lokalen Willkommenskultur stellt das Land für die Jahre 2015 und 2016 jeweils 350000 Euro bereit.

Vereine, freie Träger, Initiativen und Privatpersonen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge und Zugewanderte engagieren, sollen beraten und auch finanziell unterstützt werden. In einem "Engagement-Fonds" stehen zunächst 60000 Euro zur Verfügung. Vereine und Initiativen könnten aus diesem Topf bis zu 2500 Euro erhalten. Mögliche Projekte sind Begegnungsfeste, Patenschaften, Freizeitangebote für Flüchtlinge oder ehrenamtliche Sprachunterstützung.