Magdeburg l Eine Batterie von Bildschirmen ist vor Polizeioberkommissar Jens Sturm aufgebaut. Die Notruftaste blinkt vor ihm auf. Es wird ein Verkehrsunfall gemeldet. Noch bevor der Betroffene sagen kann, wo er mit seinem Auto steht, zeigt der Computer dem Beamten einen Kartenausschnitt auf dem Bildschirm mit dem Standort des Meldenden an. Dabei sieht der Polizist auch, welche im Einsatz befindlichen oder freien Funkstreifenwagen gerade in der Nähe sind. Das GPS-System hilft dem Polizisten, schnell zu reagieren. Noch während der Beamte mit dem Meldenden spricht, gibt er die wichtigsten Daten in den Rechner ein.

Ohne dass Jens Sturm mit der Besatzung über Funk sprechen muss, erfahren die Kollegen über das Display im Polizeifahrzeug alles über ihren nächsten Einsatz. So spricht der Polizist weiter mit dem Autofahrer, während die Einsatzkräfte draußen schon alle nötigen Informationen haben. Die moderne Technik hat die Einführung des Digitalfunks im November 2012 möglich gemacht.

Nachdem der Harz im April vergangenen Jahres zugeschaltet wurde, sind inzwischen alle Landkreise mit ihren Revieren zwischen Salzlandkreis und Altmark an das Einsatzzentrum in Magdeburg angeschlossen.

Im August nur halb so viele Notrufe wie im Mai
"Die hohe Automatisierung sorgt nicht nur für ein verbessertes Einsatzmanagement, wir können inzwischen über die Software auch sehr viel auswerten", sagt der Leiter des Lage- und Führungszentrums der Polizeidirektion Nord Sven Aschenbrenner. So wird laut seiner statistischen Auswertung die Polizei am häufigsten an Freitagen und Sonnabenden zum Einsatz gerufen. Seltener klingelt das Notruftelefon an Sonntagen.

Mai, Oktober und Dezember sind die Monate, an denen der Polizeiruf 110 besonders häufig gewählt wird. "Die Unterschiede sind dabei aber nicht besonders groß", sagt er. Doch wenn der Norden Sachsen-Anhalts Urlaub macht, ist dies für die Polizisten spürbar. Im August gibt es nur halb so viele Notrufe wie zum Beispiel im Mai oder Oktober.

Besonders häufig wird immer noch das Festnetz genutzt. Handytelefonate seien laut der statistischen Auswertung in der Minderheit.

Polizeirat Aschenbrenner: "Statistisch gesehen gehen die meisten Notrufe nach Verkehrsunfällen und Diebstählen ein."

Inzwischen blinkt wieder die Notruftaste bei Polizeioberkommissar Sturm. Ein Kind meldet sich und will wissen wie das Wetter morgen wird. Ganz offensichtlich ein Notrufmissbrauch. Doch neben der Nummer ermittelt das System auch den ungefähren Standort des Jungen und die Handynummer. Der Polizist sagt dem Jungen im ernsten Ton: "Na muss ich erst noch einen Funkstreifenwagen schicken." Ganz offensichtlich schindet dies Eindruck und der Junge legt lieber auf. In diesem Fall bleibt der Missbrauch folgenlos, weil sich bereits der nächste Anrufer meldet.

Noch laufen Testphasen für Navigationssysteme
Sturm: "Spaßanrufer sind für uns ein zunehmendes Problem. Die wollen bei uns Pizza bestellen oder fragen nach der Uhrzeit. Wir haben auch immer wieder Betrunkene, die ein Taxi haben möchten." Die Beamten gehen inzwischen immer häufiger dazu über, solche Notrufmissbräuche auch anzuzeigen.

So stieg die Zahl der erfassten Fälle im Bereich der Polizeidirektion Nord von 112 auf 199 im vergangenen Jahr. Die Aufklärungsquote lag bei 65 Prozent. Es drohen Geldstrafen oder sogar bis zu einem Jahr Gefängnis. Polizeirat Aschenbrenner: "Viele Anrufer kennen auch nicht den Unterschied zwischen dem Polizeiruf 110 und dem Notruf des Rettungsdienstes 112. Diese Fälle stellen wir aber umgehend an die zuständigen Rettungsleitstellen durch." Von den rund 164000 Notrufen im Jahr 2014 hatten etwa nur die Hälfte auch einen Soforteinsatz zur Folge.

Eine Baustelle ist in dem modernen Lage- und Führungszentrum (Lfz) immer noch die geplante Vernetzung zwischen der Zentrale und den Navigationsgeräten auf den Polizeifahrzeugen. "Das befindet sich leider noch in der Testphase", so der Leiter des Lfz.

 

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