Der Wächterpreis

Der Wächterpreis der deutschen Tagespresse wird seit 1969 jährlich von der Stiftung "Freiheit der Presse" vergeben. Geehrt wird kritische und investigative Berichterstattung über Korruption, Vetternwirtschaft, Missstände und Missbrauch sowie die Abwehr von Angriffen auf die Pressefreiheit. Es gibt erste, zweite und dritte Preise, die mit 10000, 6000 und 4000 Euro dotiert sind.

Frankfurt/Stendal l Was als Wahlabend wie viele andere begann, entpuppte sich als größter Wahlskandal des Landes - für die Aufdeckung des Wahlbetrugs in Stendal geht einer der renommiertesten deutschen Journalistenpreise in diesem Jahr an Volksstimme-Redakteur Marc Rath. Er wurde am Dienstagabend im Frankfurter Römer mit dem Wächterpreis der Tagespresse geehrt.

Den ersten Preis erhielten Bastian Obermayer und Uwe Ritzer (Süddeutsche Zeitung), die den ADAC-Skandal um die Manipulationen bei der Wahl des "Lieblingsautos der Deutschen" ans Licht brachten. Der zweite Preis ging an Sönke Iwersen und Jan Keuchel (Handelsblatt), die einen systematischen Betrug bei Laborabrechnungen aufdeckten. Den dritten Preis teilt sich Marc Rath mit Uschi Ach vom Straubinger Tagblatt (Bayern), die ebenfalls einen Wahlskandal aufspürte.

Die Preisträger wurden von der Jury unter dem Vorsitz von Hermann Rudolph, dem Herausgeber des "Tagesspiegels", ausgewählt.

Die Verleihung des Wächterpreises ist für Marc Rath der vorläufige Höhepunkt einer bis heute andauernden Recherche. Sie begann mit der Berichterstattung über den Superwahltag in Stendal, wo am 25. Mai 2014 Europa-, Kreistags- und Stadtratswahl an einem Tag stattfanden.

Eigentlich journalistisches Tagesgeschäft, doch Marc Rath wird misstrauisch, als der CDU-Mann Holger Gebhardt am Wahlabend wie aus dem Nichts auf das viertbeste CDU-Ergebnis kommt. Grund sind die Briefwahlstimmen, bei denen Gebhardt einen sagenhaften Anteil von 11,3 Prozent oder 689 von insgesamt 6100 Briefwahlstimmen auf sich vereinigt - im Gegensatz zu mageren 148 Stimmen aus den Wahllokalen.

Die folgenden Recherchen und Artikel bringen einen Stein ins Rollen, der die politische Landschaft der Hansestadt Stendal umkrempeln sollte. Längst ermittelt die Staatsanwaltschaft. "Dafür braucht man einen langen Atem", sagte Marc Rath dem Magazin "Drehscheibe" im Interview. Er ist bis heute am Wahlskandal dran - und von Lügenpresse spricht in Stendal niemand.

Hier lesen Sie, wie Marc Rath dem Wahlbetrug auf die Schliche kam.