Drogenfälle
Gesamt: Kontinuierlicher Anstieg von 4492 Fällen (2010) auf 6060 (2013).
Cannabis-Fälle: Seit 2008 steigt die Zahl von 2175 auf 2786 im Jahr 2013
Crystal: Anstieg von 370 Fällen (2011) auf 1402 Delikte (2013)

Magdeburg l Der Landtag hat am Donnerstag über Drogenpolitik debattiert und sich dabei auf Zahlen aus dem Jahr 2013 bezogen. Nach Volksstimme-Informationen setzt sich die steigende Tendenz der vergangenen Jahre auch in der aktuellen, noch unveröffentlichten Statistik 2014 fort. Mit mehr als 7000 Drogendelikten deutet sich ein Rekord an. Das sind etwa 1000 Fälle mehr als noch im Vorjahr und so viele wie seit acht Jahren nicht mehr. Bei Methamphetamin-Delikten (Crystal) stiegen die Zahlen sogar um etwa 50 Prozent an. 2013 registrierte die Polizei 1402 solcher Fälle.

Auch bei Cannabis erhöhen sich die Zahlen weiter, während Drogen wie Kokain und Heroin weiter rückläufig sind. Offiziell sollen die Zahlen erst in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden.

Koalition will Cannabis nicht legalisieren
In der Debatte im Landtag hegten Linke und Grüne Zweifel am Sinn des gegenwärtigen Verbotes von Cannabis als "weicher Droge". Grudrun Tiedge (Linke) meinte, dass die "Verbotspolitik von Cannabis gescheitert ist". Die Strafverfolgung habe nur negative Folgen. Das Verbot fördere nur die organisierte Kriminalität und unterstütze den Schwarzmarkt. Polizisten und das Rechtssystem seien mit Fällen blockiert, die zum überwiegenden Teil ohnehin eingestellt würden.

Die schwarz-rote Koalition lehnt hingegen eine Legalisierung von Cannabis im Land ab. Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) sagte, Experten würden nicht zu einer Legalisierung raten, wohl aber zu mehr Prävention. Und was Cannabis betreffe, sei der überwiegende Teil der Bevölkerung ohnehin bisher nie mit der Droge in Berührung gekommen. Bei einer Freigabe würde es womöglich anders sein. Sebastian Striegel, Grüne, warf daraufhin ein: "Probieren Sie es doch mal!"

Die SPD-Fraktion zeigt sich zum Thema gespalten. Petra Grimm-Benne: "Wir sollten für medizinische Zwecke Patienten einen Zugang durchaus erleichtern." Rüdiger Erben: "Ich halte die Legalisierung für den falschen Weg." Cannabis sei eine Einstiegsdroge. Dem pflichtete auch Wigbert Schwenke (CDU) bei: "Cannabis ist und bleibt eine gesundheitsgefährdende Droge." Nur weil Tabak und Alkohol es auch sind, müsse diese nicht auch noch freigegeben werden.

Wirkstoff in der Apotheke teurer als auf der Straße
Prof. Axel Becker vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Magdeburger Universitätsklinik hält von einer Freigabe wenig. "Für medizinische Zwecke ist es aber schon sinnvoll", schränkt er ein.

Der Wirkstoff der Pflanze sei schon jetzt in den Apotheken auf Rezept erhältlich. "Das Problem ist die Erstattung durch die Kassen. Die Hürden sind viel zu hoch", sagt er. Pro Anwendung müssten Patienten etwa 45 bis 60 Euro bezahlen. Bei diesen Preisen würde es sogar auf dem Schwarzmarkt günstiger sein. Das Mittel werde bei Schmerz- und HIV-Patienten sowie gegen Depressionen eingesetzt.