Landeshauptstadt Magdeburg

Einwohner : 229 826
Halle : 235 720
Dessau-Roßlau : 91 234
Fläche : 201 Quadratkilometer
Jessen : 313 Quadratkilometer
Halle : 135 Quadratkilometer
Siedlungsdichte : 1143 Einwohner je Quadratkilometer
Landesdurchschnitt : 119
Kultur / Sehenswertes : Dom, Kloster Unser Lieben Frauen, Hundertwasserhaus, Jahrtausendturm im Elbauenpark, Theater mit Opern- und Schauspielhaus, Theater an der Angel, Kabaretts Zwickmühle und Kugelblitze sowie Puppentheater
Sport : Handball ( Bundesliga ), Kanu, Rudern, Schwimmen, Leichtathletik und Fußball mit 1. FCM
Wirtschaft : Windkraftanlagenbau Enercon, Maschinen-und Anlagenbau Sket-MAB, Stahlturm- und Apparatebau SAM, Förderanlagenbau FAM, Holzfaserplatten Varioboard, Kaffeeröster Röstfein, Callcenter Walter, Bosch und KarstadtQuelle
Öffentliche Einrichtungen : Landtag, Landesregierung, Landeskriminalamt, Landesbetrieb Hochwasserschutz, Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost Bildung : Otto-von-Guericke-Universität, Hochschule Magdeburg-Stendal, Institute Max-Planck ( Technische Systeme ), Leibnitz ( Neurobiologie ), Fraunhofer ( Automatisierung ) und das Zenit ( Neurowissenschaften )
Kennzeichen : MD

Magdeburg - 1990 war für Magdeburg in vielerlei Hinsicht ein historischer Glücksfall. Nach Westmark und nationaler Einheit kam auch der Hauptstadtstatus in die Elbestadt. Zu verdanken haben das die Magdeburger vor allem den Dessauern. Sie waren beim Streit zwischen Magdeburgern und Hallensern das Zünglein an der Waage. Da Dessau lange im Schatten der DDR-Bezirksstadt Halle stand, votierten die meisten ihrer Abgeordneten auf der konstituierenden Landtagssitzung am 28. Oktober 1990 für Magdeburg. In der Stichwahl erhielt Magdeburg 57, Halle nur 49 Stimmen. Diese Entscheidung wirkte enorm belebend. Andernfalls wäre die Stadt wahrscheinlich lange eine graue Maus geblieben.

Heute ist Magdeburg Regierungssitz und die Einkaufsstadt für den Norden Sachsen-Anhalts und das östliche Niedersachsen. In kaum einer anderen Landeshauptstadt gibt es mehr Handelsfläche je Einwohner. Geprägt ist die Einkaufslandschaft von großen Einkaufstempeln wie Allee-Center, City Carré, Floraoder Bördepark. Kleinteilige Ladenstraßen mit Angeboten abseits der vorherrschenden Mode, wie etwa am altstädtischen Hasselbachplatz oder in Sudenburgs Halberstädter Straße, fi ndet man jedoch eher selten.

Magdeburg ist auch eine Stadt der Parks. Sie gilt nach Hannover als die grünste deutsche Großstadt : Herrenkrug, Elbauenpark, Stadtpark Rotehorn und Klosterbergegarten bilden eine mehrere hundert Hektar große grüne Lunge entlang der Elbe. Einzig das Glacis, der grüne Korridor zwischen Altstadt und den vorstädtischen Vierteln, büßte Fläche und Wirkung ein. Die freie Schneise nutzend, wurde hier in den 60 er Jahren der Magdeburger Ring gebaut. Dem Verlust an Grün steht ein enormer Verkehrseffekt gegenüber : Mit der vierspurigen Schnellstraße verfügt Magdeburg als eine der wenigen deutschen Großstädte über eine " City-Autobahn ", auf der man kreuzungsfrei durch die gesamte Stadt gelangen kann. Noch Beeindruckenderes bauten die Ingenieure für die Binnenschiffer, die seit 2003 das Wasserstraßenkreuz Magdeburg samt Trogbrücke befahren können. Abgehängt fühlt sich Magdeburg hingegen von der Deutschen Bahn, da nur wenige ICE-Schnellzüge die Landeshauptstadt erreichen.

Weitere Schübe erhielt die Stadt durch die Bundesgartenschau ( 1999 ) sowie die großen Ausstellungen zu Kaiser Otto ( 2002 ) und über das Heilige Römische Reich ( 2006 ). Über die Grenzen bekannt wurde Magdeburg durch den Sport. Der 1. FC Magdeburg holte 1974 bei den Pokalsiegern als einziger Ostklub einen Fußballeuropapokal, Jürgen Sparwasser schoss im selben Jahr das berühmte WMTor gegen die Bundesrepublik. Der Handball ist erstklassig, Leichtathleten, Schwimmer, Ruderer oder Kanuten holten zig Olympiamedaillen.

In der Wissenschaft glänzt Magdeburg vor allem in der Hirnforschung. Die Uni trägt den Namen des berühmten Physikers und einstigen Bürgermeisters Otto von Guericke ( 1602-1686 ), der für seine Erforschung des Vakuums berühmt wurde.

Von zentraler politischer Bedeutung war Magdeburg schon früheren Herrschern. So war die Stadt im 10. Jahrhundert kaiserliche Pfalz Otto I. ( 912-973 ), dem ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Er und seine erste Frau Editha fanden im Dom ihre letzte Ruhestätte. Über Jahrhunderte war Magdeburg Zentrum des gleichnamigen Bistums. Nach der Reformation kurzzeitig sächsisch verwaltet, kam die Stadt 1680 zu Brandenburg / Preußen. 1816 wurde Magdeburg Hauptstadt der preußischen Provinz Sachsen.

Zweimal zerstörten Armeen die Stadt. Im Dreißgjährigen Krieg 1630 und während des Zweiten Weltkriegs. Der vernichtende Schlag erfolgte am 16. Januar 1945. Nach jener Bombennacht waren 90 Prozent der Altstadt ausgelöscht, Tausende kamen ums Leben. In den 50 er Jahren wurde die Stadt neu errichtet. Es dominierte der Neubau, nur Weniges von der alten Pracht wurde wieder aufgebaut. Der Breite Weg, einst quirlige Geschäftsstraße mit reich geschmückten, teils neobarocken Häusern, war zum größten Teil untergegangen. Voller Wehmut schauen heute Magdeburger alte Fotos an. Besonders eindrucksvolle, mittlerweile sanierte Gebäude aus jener alten Zeit sind noch am Hasselbachplatz zu sehen. Wiederaufgebaut wurden nach der Wende die Johanneskirche sowie die Sternbrücke.

Wurden in den 50 er Jahren mit den klassizistisch anmutenden " Stalinhäusern " noch blickeanziehende Großstadtgebäude geschaffen, so gelang dies ab den 60 er Jahren mit den meist faden Plattenbauten nicht mehr. Ein architektonischer Streich gelang den Magdeburgern 2005 : Da eröffnete mitten in der Stadt die Grüne Zitadelle, ein rosarotes Hundertwasserhaus mit bunten Säulen und goldenen Kugeln. Was Anhänger der reinen Lehre nur zu einem Kopfschütteln bewegt, entzückt jährlich tausende Touristen. Auch den meisten Magdeburgern gefällt das bunte Haus, das Friedensreich Hundertwassers ( 1928-2000 ) letztes Projekt war.

Magdeburgs Einwohnerzahl wuchs bis Ende der 30 er Jahre auf 346 600. Innerhalb der letzten 15 Jahre verlor Magdeburg 60 000 Einwohner. Der traditionsreiche Schwermaschinenbau war nach der Wende in die Knie gegangen. Am Markt behauptet haben sich der Förderanlagenbau sowie die neu entstandene Windenergie-Branche.