Krebs ist mehr als eine Erkrankung der Organe. Krebs kann auch die Beziehungen zwischen Menschen zerstören. Damit es nicht soweit kommt, gibt es psychosoziale Hilfsangebote. Sie wurden gestern beim Medizinischen Sonntag in Magdeburg vorgestellt. Rund 200 Besucher kamen.

Magdeburg. Erst 24 Tage alt ist das Jahr 2011. Gute Wünsche für Gesundheit und Wohlergehen begleiteten die meisten Sachsen-Anhalter in das Jahr. Doch leider gehören neben den positiven auch die unliebsamen Überraschungen zur Realität des menschlichen Daseins.
Der Statistik zu Folge, werden auch in diesem Jahr in Deutschland wieder etwa 430 000 Männer und Frauen mit der Diagnose Krebs konfrontiert.
Die Betroffenen sehen sich mit einer Vielzahl existenzieller Fragen konfrontiert, die gesunde Menschen zumeist verdrängen.
Platte Weisheiten wie "Das wird schon wieder" oder "Du hattest doch ein gutes Leben" helfen ihnen ebensowenig wie das Schweigen aus Angst davor, das Falsche zu sagen. Und selbst Ärzte fi nden nicht immer die richtigen Worte.

Ziel ist Verbesserung der Lebensqualität
Aus diesem Grund fördert die von Dr. Mildred Scheel gegründete
"Deutsche Krebshilfe" seit einigen Jahren unter anderem am Magdeburger Uniklinikum zwei Projekte. Sie sollen Krebspatienten und deren Angehörige bei der emotionalen Bewältigung der Krankheit
unterstützen.
"Wir können nicht versprechen, das Leben mit einer Tumorerkrankung
nachweislich zu verlängern", so Professor Jörg Frommer vom Institut für
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Magdeburg. "Vielmehr geht es darum, die Lebensqualität der Betroffenen und deren Angehörigen zu verbessern."
Was darunter konkret zu verstehen ist, erklärte Constanze Wenzel, Diplom-Psychologin an der Psychosozialen Krebsberatungsstelle anhand anonymisierter Fallbeispiele aus ihrer eigenen Beratungstätigkeit.

Zumeist in Einzelgesprächen mit Betroffenen und deren Angehörigen
erarbeiten Wenzel und die Mitarbeiter individuelle Strategien zur Krankheitsbewältigung. Bisherige Lebenseinstellungen werden in Zusammenarbeit mit den Hilfesuchenden analysiert.

Wann und wer die Hilfe der Psychoonkologen benötigt, hängt sehr von der Persönlichkeit der Betroffenen ab. Einige Patienten oder Angehörige
kommen bereits unmittelbar, nachdem Ärzte den Krebs zweifelsfrei diagnostiziert haben, andere erst, wenn die medizinische Behandlung beendet ist, so Wenzel. Und manche Krebskranke möchten auch lieber in Ruhe gelassen werden – insbesondere dann, wenn das unabänderliche Ende des Lebens absehbar ist. Schwer sei es vor allem für jene Menschen, die niemanden mehr haben, um über ihre Krankheit zu sprechen, so die Diplom-Psychologin.
Neben Gesprächen zur Bewältigung eigener Ängste und Sorgen bietet die psychosoziale Krebsberatungsstelle auch Tanztherapien und demnächst auch Gruppenmeditationen zur Stärkung der Psyche von
Tumorpatienten an.

Weil psychosoziale Probleme von Krebspatienten oftmals auch eng mit sozialrechtlichen Fragen wie dem beruflichen Lebensweg nach der Erkrankung, zu Fragen der Versicherung und zu Hilfsmitteln verbunden
ist, arbeiten die Diplom-Psychologen eng mit der Kontakt- und Beratungsstelle der Magdeburger Krebsliga e.V. zusammen. Diese
pfl egt wiederum engen Kontakt zu verschiedenen Krebs-
Selbsthilfegruppen.

All diese Beratungen sind kostenfrei und vertraulich. Sie können ohne besondere ärztliche Überweisungen auch kurzfristig von Krebspatienten
und ihren Angehörigen in Anspruch genommen werden, so Wenzel.
Gleiches gilt für ein ebenfalls von der Deutschen Krebshilfe gefördertes Projekt, das sich an krebskranke Eltern und Großeltern von Kindern richtet und das Dr. Kerstin Krauel von der Familienberatungsstelle am
Magdeburger Klinikum vorstellte.

In dem Projekt beraten geschulte Diplom-Psychologinnen Krebspatienten im Gespräch mit Kindern, die oftmals sehr sensibel die
Veränderungen wahrnehmen, dafür jedoch keine kindgemäße Erklärung finden.
Wer am Medizinischen Sonntag nicht teilnehmen konnte, kann sich aus diesmal die Vorträge im Internet ansehen. www.med.uni-magdeburg.de/Medizinischer_Sonntag.html