Die Gelenke der Halswirbelsäule eines Erwachsenen sind kaum größer als die Fingernägel eines Kindes. Sie, aber auch die etwas größeren Wirbelsäulensegmente, können quälende Schmerzen verursachen. Manchmal hilft dann nur noch ein künstlicher Ersatz.

Magdeburg. Nackenschmerzen, die in Schultern oder in die Arme ausstrahlen, die einem Menschen den Schlaf rauben und sogar zu Kraftverlusten und Lähmungserscheinungen führen können, sind nicht selten die Folge krankhafter Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule. HWS-Syndrom lautet dann die erste Verdachtsdiagnose.

"Die Ursache der Beschwerden muss in jedem Einzelfall untersucht genau werden", sagt der Magdeburger Neurochirurg Dr. Roland Minda. Die möglichen Auslöser reichen von Verspannungen der Nackenmuskulatur durch einseitige Belastungen (zum Beispiel während der Arbeit am Computerbildschirm) über anatomische Veränderungen an den Bandscheiben und Wirbelgelenken bis hin zu Krebsmetastasen. "Erst wenn die von den Patienten geschilderten Symptome mit den Ergebnissen der medizinischen Untersuchungen und mit der bildgebenden Diagnostik übereinstimmen, kann eine Therapientscheidung getroffen werden", so Dr. Minda. Den meisten Patienten mit Schmerzen im Halswirbelsäulen-Bereich helfen konservative Verfahren. Dazu zählen neben physiotherapeutischen Maßnahmen wie Krankengymnastik, Elektrostimulation, Wärme, schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente (zum Beispiel in Form von Tabletten und Spritzen) und das sogenannte Medi-Taping (Aufkleben spezieller Bänder).

"Wenn die konservativen Behandlungsmethoden erfolglos ausgeschöpft sind oder wenn Lähmungserscheinungen auftreten, kommen operative Methoden in Betracht", so die Magdeburger Neurochirurgin Dr. Claudia Pleifer, die spezialisiert auf das Gebiet der modernen Halswirbelsäulenchirurgie ist.

"Die Operation erfolgt durch einen nur etwa drei Zentimeter langen Schnitt in der Halsfalte. Dabei werden die auf den Nerv drückenden Veränderungen - in der Regel sind das Bandscheibenvorfälle und Knochen, seltener Tumore - beseitigt", erläutert die Ärztin von der Neurochirurgischen Praxisklinik in Magdeburg. Als Ersatz für die defekten Strukturen verwenden die Mediziner kleine Kunststoffimplantate bis hin zur Bandscheibenprothese. "Die anatomische Situation und das biologische Alter des Patienten bestimmen die Art des Implantats", so Dr. Claudia Pleifer. Bei Menschen, deren Wirbelsäule durch altersbedingte, physiologische Umbauvorgänge am Knochen stark verändert ist, wird ein Kunststoffring als Platzhalter für die entfernte Bandscheibe eingesetzt und damit das Wirbelsäulensegment versteift.

Das mag sich für Patienten enttäuschend anhören, doch eine Gelenkversteifung im Halsbereich muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass man den Kopf nicht mehr drehen kann, sagen die Ärzte. Vielmehr werden ein bis zwei steife Wirbelsäulensegmente durch die anderen, "beweglichen" Segmente völlig ausgeglichen. Bei jüngeren Patienten mit ausreichend großem Bandscheibenraum kommt die Implantation einer Bandscheibenprothese in Betracht. Nach dem Eingriff wird der Schnitt verklebt. Es bleiben kaum sichtbare Spuren zurück. Schon unmittelbar nach der Operation sind die meisten Patienten beschwerdefrei.

In den Wochen danach folgen physiotherapheutische Behandlungen zur Stärkung der Nackenmuskulatur. Je nach beruflicher Tätigkeit können viele Patienten etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation wieder ihrer Arbeit nachgehen.

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