Der Polizei mehrerer Bundesländer sind in den vergangenen Wochen und Monaten vermehrt Fälle von einer Betrugsmasche an Geldautomaten bekannt geworden – dem sogenannten "Cash-Trapping". Volksstimme-Mitarbeiter Marco Papritz hat darüber mit dem Pressesprecher des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt, Michael Klocke, gesprochen.

Volksstimme: Herr Klocke, worum geht es beim "Cash-Trapping", was frei übersetzt Geld einfangen bedeutet. Wie funktioniert das?

Michael Klocke: Geldausgabeautomaten in Banken und Sparkassen wurden von Unbekannten mit einer Vorrichtung versehen, die unmittelbar vor dem Geldausgabeschlitz angebracht wird. In den Fällen, die uns in Sachsen-Anhalt begegnet sind, hat sich das so dargestellt, dass diese Vorrichtungen in den Farben der Geldautomaten gehalten waren und deshalb nicht auffielen. Der Kunde führt einen Geldabhebevorgang durch. Dabei wird das Geld nicht an den Kunden ausgegeben, sondern wird in der Vorrichtung zurückgehalten. Meistens haben dann die Kunden die Bank verlassen in der Annahme, dass sie ihr Geld nicht bekommen. Die Täter haben das beobachtet und die Vorrichtung wieder abgebaut.

Volksstimme: Wie kann sichergegangen werden, dass man nicht auf diese Masche hereinfällt? Wie können sich Kunden schützen?

Klocke: Wichtig ist, vor dem Geldabheben den Automaten genau in Augenschein zu nehmen und auf Veränderungen zu prüfen. Gegebenenfalls sollten die Bankangestellten informiert werden, sollte einem etwas verdächtig vorkommen. Wenn das Bargeld nicht ausgezahlt wird beim Abheben, dann sollte man unbedingt in der Bankfiliale vor Ort verbleiben, sich selber an die Polizei oder die Mitarbeiter wenden oder jemand anderen bitten, sie zu informieren mit dem Hintergrund, dass der Verdacht auf eine Straftat besteht.

Volksstimme: Sind diese Fälle von Cash-Trapping auch in Sachsen-Anhalt angewendet worden?

Klocke: Im vergangenen Jahr sind uns etwa 30 Fälle bekannt geworden, vornehmlich im Raum Halle.

Volksstimme: Welche Maschen sind Ihnen in der Vergangenheit noch aufgefallen?

Klocke: Das sogenannte Skimming, das Abschöpfen oder Ausspionieren, ist eine besondere Masche. Eine Methode ist beispielsweise, dass ein Gerät vor dem Schlitz des Bankautomaten angebracht wird, das die Kartendaten ausliest. Das heißt, nachdem der Geldabhebevorgang geklappt hat und der Kunde die Bank wieder verlässt, kommen die Täter, entfernen das Gerät, lesen die Kartendaten aus und übertragen sie ins Ausland. Dort wird dann eine Dublette erstellt. Irgendwo an günstiger Stelle, am Geldautomat selbst oder in der Bank, wird eine Minikamera angebracht, mit der die PIN bei der Eingabe ausspioniert wird. Dann kann mit dieser Dublette der Karte und der Geheimzahl auch Geld abgehoben werden.

Eine andere Variante ist, dass dieses Bauteil des Kartenlesegerätes schon an der Eingangstür angebracht ist und dort die Daten ausliest. Wichtig ist, dass die Täter immer die dazugehörige PIN benötigen. Deshalb können wir nicht oft genug darauf hinweisen, beim Eingeben das Tippfeld abzudecken. Skimming ist auch in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr häufig aufgetreten.

Generell gilt: Wenn Unregelmäßigkeiten auftreten beim Geldabheben oder am Bankautomaten, dann raten wir, das Bankpersonal oder die Polizei zu informieren. Die EC- oder Bankkarte sollte dabei unbedingt mitgenommen werden.