Budapest - Die Flut der Glückwünsche für die U-19-Europameister nahm auch nach einer langen Party-Nacht und der Rückreise in die Heimat kein Ende. Im VIP-Terminal des Frankfurter Flughafens wurden die neuen DFB-Hoffnungsträger mit einem schnell gefertigten Plakat empfangen.

"Ein Hoch auf Euch - Wir begrüßen den Europameister 2014" stand in großen Lettern darauf. Die völlig übermüdeten Nachwuchskicker wunderten sich über das große Interesse der etwa drei Dutzend Medienvertreter. "So viele Journalisten auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen", meinte Hany Mukhtar, der im Finale den 1:0-Siegtreffer gegen Portugal erzielte.

Präsident Wolfgang Niersbach, der die DFB-Delegation beim Finale in Budapest anführte, dankte Spielern und Trainerteam noch einmal für eine tolle Leistung. "Das sind klasse Jungs. Wie diese Mannschaft aufgetreten ist, als Einheit, wie jeder Einzelne sein Können in den Dienst der Mannschaft gestellt hat, das war vergleichbar mit dem, was wir bis zum 13. Juli in Brasilien erlebt haben", sagte der Verbandschef, der allen Europameistern noch eine Uhr als Präsent überreichte. Niersbach erinnerte aber auch daran, dass im Erfolg schon große Fehler gemacht worden seien. "Lasst nicht nach! Wir vom DFB werden euch weiter fördern, aber auch weiter fordern".

Zuvor feierten die Junioren ihren Titelgewinn in einer lauen Budapester Sommernacht bis in die frühen Morgenstunden. "Wir haben tolle Werbung für Deutschland gemacht. Es ist zwar der kleinere, aber der zweite Titel für unser Land in diesem Sommer. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir Deutschland so eine Freude gemacht haben", sagte Mittelstürmer Davie Selke, der zwar im Endspiel nicht traf, mit sechs Treffern aber Torschützenkönig der EM wurde. Der Siegtreffer blieb diesmal Mukhtar vorbehalten. "Es ist der größte Erfolg meiner Karriere", sagte der Mittelfeldspieler.

Der zweite Titelgewinn in diesem Jahrgang hat große Beachtung gefunden. Die Weltmeister aus dem A-Team schickten reihenweise ihre Glückwünsche. "Großartiges Spiel, großartige Zukunft für Deutschland", twitterte André Schürrle. Auch Bundestrainer Joachim Löw kann mit weiterem Nachschub für sein Team rechnen. "Die EM hat gezeigt, dass sich der deutsche Fußball auf neue große Talente freuen kann. Dieser Titel hilft den Spielern in ihrer Entwicklung, ich bin sicher, dass sie durch diesen Triumph noch einmal einen Schub bekommen werden", sagte Löw.

Architekt des Erfolges einer außergewöhnlichen Mannschaft, die im nächsten Jahr zur U-20-WM in Neuseeland reist, ist Marcus Sorg. Der 48-Jährige, der als Kandidat auf die Assistenztrainerstelle bei der Nationalmannschaft heiß gehandelt wird, hat den Job erst vor einem Jahr von Christian Ziege übernommen. "Wir sind unglaublich glücklich. Diesen Titel haben sich die Jungs verdient und er bleibt ihnen für die Ewigkeit", sagte der Coach nach der obligatorischen Bierdusche.

Der EM-Sieg hat auch deshalb eine große Bedeutung, weil er unter schwierigen Umständen zustande gekommen ist. Einige der besten Spieler wie Max Meyer, Leon Goretzka (beide Schalke), Timo Werner (VfB Stuttgart) und Serge Gnabry (FC Arsenal) fehlten. Zudem hatte die Mannschaft - das war der Kompromiss mit den Vereinen - keine Vorbereitung und startete direkt ins Turnier. Das war für Sorg noch das geringste Problem. "Dieses Team besitzt einen unheimlichen Charakter und viel Qualität, weil es lernwillig ist und Dinge sehr schnell umsetzen kann", befand der Coach.

Die Motivation war auch sehr groß, weil ein Großteil der Spieler vor zwei Jahren äußerst unglücklich den EM-Titel bei der U 17 verspielt hatte. Damals vergab der Frankfurter Marc Stendera den entscheidenden Strafstoß im Elfmeterschießen, daher war nun die Parole: "Jetzt wollen wir dieses Ding endlich". Torhüter Oliver Schnitzler betonte: "Dieses Erlebnis hat uns noch mehr zusammengeschweißt." Auch Stendera hatte sein Erfolgserlebnis. Mit seinem Pass auf Mukhtar leitete er den Siegtreffer ein.

Der erste Titelgewinn seit 2009 mit der U 21 kann auch den jungen Spielern zu einer verheißungsvollen Karriere verhelfen. Aus den drei EM-Siegerteams der U 17, U 19 und U 21 von 08/09 sind insgesamt neun Spieler Weltmeister geworden, dazu kommen noch die Bender-Zwillinge und Torhüter Marc-Andre ter Stegen, der neuerdings beim FC Barcelona spielt. Nicht jeder schafft den Sprung, aber die Chance ist groß. Spieler wie Stendera, Selke, die Leverkusener Julian Brandt und Levin Öztunali oder die beiden starken Innenverteidiger Niklas Stark (1. FC Nürnberg) und Marc-Oliver Kempf (SC Freiburg) dürften eine große Zukunft haben. "Wir als DFB hoffen, dass wir sie nicht zum letzten Mal im DFB-Trikot gesehen haben", sagte Niersbach.