Hohenmölsen. Da musste erst ein Mann wie Kent-Harry Andersson kommen, um Stian Tönnesen zu erklären, dass er zum Regisseur geboren wurde. Tönnesen, seit 2007 beim Handball-Bundesligisten SC Magdeburg, war damals 20 Jahre alt, als der ausgebildete Rückraum links-Shooter aus Sarpsburg zum Drammen HK gekommen war und vom späteren Flensburg-Trainer Andersson die neue, entscheidende Aufgabe erhalten hatte. Drammen gewann dann mit Tönnesen den Europapokal beim VfL Hameln. Und kurios: Der Regisseur ist seit 13 Jahren in Abwehraufgaben nicht mehr involviert worden.

Jetzt muss er linksaußen decken, weil Damir Doborac (Bänderanriss mit Knockenabsplitterung) verletzt ist, sein Trainer Frank Carstens aber unbedingt an der 5-1 als 6-0-Alternative feilen muss. Am Freitag-abend, resümierte Carstens, "sind wir wieder einen großen Schritt vorangekommen". In Hohenmölsen bezwang der SCM den Zweitligisten 1. VfL Potsdam mit 42:30 (24:15). Der vorgesehene Gegner Dukla Prag hatte kurzfristig abgesagt (Volksstimme berichtete).

Gestern Abend belegten die Magdeburger beim Peugeot-Cup in Dessau den zweiten Platz. Sie unterlagen im Finale Liga-Konkurrent Hannover-Burgdorf mit 16:19. Als Vorrundengruppen-Zweiter hatte sich der SCM im Halbfinale gegen die Füchse Berlin durchgesetzt. Beste Werfer waren Yves Grafenhorst mit 15, Tim Hornke mit 13 und Kjell Landsberg mit neun Toren.

Tönnesen selbst findet die neue Variante gut, wenngleich er noch Abstimmungsprobleme gesehen hat, erklärte der 36-jährige Norweger. Nicht nur das: Carstens und sein Spielmacher berichteten über schwere Beine, die sich die Magdeburger nach der Belastung der vergangenen Tage geholt haben, zumal sie in den Spielen in Möckern und in Hohenmölsen doch arg dezimiert angetreten waren. So fehlten neben Doborac, der auf seinen Einstieg ins Training an diesem Mittwoch hofft, die erkrankten Fabian van Olphen (gestern wieder im Einsatz) und Steffen Coßbau. Zudem laboriert Keeper Gerrie Eijlers an Halswirbel-Problemen. Der Keeper bestritt in Dessau wiederum eineinhalb Spiele. Dafür hatte der SCM-Coach Philipp Weber, Benjamin Meschke und auch Patrick Schulz von den Youngsters aufgeboten.

Die 5-1 tat sich in der ersten Halbzeit in Hohenmölsen entsprechend schwer, zur Harmonie und zur Kompaktheit zu finden. Lars Melzer, Potsdams Regisseur, "hat immer wieder den Finger in die Wunde gelegt", hatte Carstens beobachtet. Zu viele Anspiele an den Kreis waren Melzer gelungen, gerade das soll verhindert werden. Beide Deckungsreihen haben nicht mit der großen Intensität agiert, bestätigte auch Carstens. Aber das positivste Fazit lautete: "Wir hatten immer eine Antwort gehabt."

Nach unglücklichen Momenten auch für Keeper Dario Quenstedt stabilisierte sich die Abwehrarbeit, der Torwart parierte sieben Bälle, die Konterläufe wurden präsenter, Magdeburg setzte sich bis zur Pause auf neun Tore ab. Und das Entscheidende folgte nach dem Wechsel: Nicht nur Quenstedt hatte sich befreit, sondern die gesamte 5-1, die zum kompakteren System wuchs, mehr Bälle blockte und gewann.

Im Angriff indes entwickelte sich ein Spiel der Einzelaktionen. Yves Grafenhorst vollendete die Konter, Bennet Wiegert ging kraftvoll in die Lücken, nur Andreas Rojewski hielt sich zurück, was zeigt, dass ihm immer noch einige Prozente zur vollständigen Fitness fehlen. "Bei ihm müssen wir nach wie vor vorsichtig sein", so Carstens.