Viermal stand der Burger VC 99 in der laufenden Landesoberliga-Saison in einem Tiebreak. Zweimal hat er diesen verloren, zuletzt am vergangenen Sonntag beim 2:3 im Heimspiel gegen die Anhalt Volleys. Doch nicht fehlende "Körner" kosteten den Burger Volleyballern den Zusatzpunkt, sondern das, was Trainerin Jessyka Postolla als "unsere momentane Berg- und Talfahrt" empfand.

Burg l So lädiert Sebastian Behrs Knie auch sein mag - seine Teamkollegen täten gut daran, hin und wieder einen frommen Wunsch für das Gelenk auszusprechen. Sicher wäre es dem Burger Mittelblocker unangenehm, würden seine Mitspieler bei jeder Gelegenheit die Hand auflegen, ein ziemlich fragwürdiges Getätschel wäre das. Doch ins Gebet aufnehmen sollten sie Behr und sein Knie dennoch. Beide sind enorm wichtig für den BVC 99. Das wurde am vergangenen Sonntag wieder einmal mehr als deutlich.

In der Mitte des zweiten Satzes war es trotz Verletzung höchste Zeit für den etatmäßigen Kapitän, aktiv einzugreifen. Den ersten Durchgang hatten die Burger an die Anhalt Volleys abgegeben und sie waren beim 11:13 drauf und dran, den zweiten gleich hinterher zu schicken. "Sebastian hat lange kein Training mehr mitgemacht und Chris Sawatzki hat bis dato auch seinen Job super erledigt", lobte Trainerin Jessyka Postolla Behrs Vorgänger an der Netzmitte. Das große Aber, auf das man in ihrer Aussage wartete, ließ sich bis in den später verlorenen Tiebreak hinein leibhaftig erleben: Nicht nur die zusätzliche physische Präsenz sorgte für die Wende im Spiel. "Das ist einfach eine mentale Sache. Er ist unser Motivationstyp." Kaputtes Knie hin oder her.

Im Windschatten von Behr blühten nämlich am Sonntag auch andere auf. Janek Pukall etwa, der den privat verhinderten Carsten Graßhoff auf der ungewohnten Liberoposition vertrat. Zwar wurde der BVC-Youngster zu Beginn häufig Ziel der Dessauer Aufschläge und hin und wieder regelrecht "abgeschossen", aber "nachdem er sich hineingefunden hatte, hat Janek seine Sache erstklassig gemacht", zollte Postolla ihrem Schützling ein großes Lob. Mit der Annahme stabilisierte sich folglich auch das Zu- und Angriffsspiel.

Dies führte in Verbindung mit dem erwachten Kampfgeist dazu, dass die Gastgeber ihrem Gegner zwei Sätze in Folge abnahmen, dieser sich zudem in Diskussionen mit den Schiedsrichtern aufrieb. Zwei oder gar drei Punkte schienen greifbar. Doch im Tiebreak sorgte - Ironie des Schicksals - eine fragwürdige Tatsachenentscheidung für das 10:6 der Anhalt Volleys und den endgültigen Bruch, der sich bereits in der Spätphase des vierten Satzes angekündigt hatte. Zu viele Burger Eigenfehler führten zum entscheidenden Satzverlust. "Unsere Spiele sind momentan Berg- und Talfahrten. Wir deuten unser Potenzial an, kämpfen uns gut heran, aber dann können wir die Spannung nicht in den nächsten Satz retten", verwies Postolla auf das derzeit größte BVC-Manko: die Konstanz.

Hauptgrund dafür bleiben Besetzungssorgen. So warten dann auch vor dem kommenden Sonntag wieder personelle Baustellen, wenn der BVC 99 in der 2. VVSA-Pokalrunde in Merseburg gegen Regionalligist MTV Wittenberg das Unmögliche möglich machen will. Der Einsatz von Sawatzki ist fraglich, Dirk Hagendorf wird Zuspieler Moritz Räcke vertreten und auch die Trainerin muss passen. Sebastian Behr wird dann ihren Platz einnehmen und von der Seitenlinie aus versuchen, für ein psychologisches Plus zu sorgen. Kleine medizinische Wunder müssen diesmal andere vollbringen.