Das gibt`s nur einmal, das kommt nie wieder? Von wegen. Die einst erfolgreichste Jugendmannschaft des Güsener HC, der Jahrgang 1989/1990, hat am Sonnabend noch einmal gegen den Sachsen-Anhalt-Ligisten SV Eintracht Gommern die Schuhe geschnürt. An diesem Handballabend zählte letztlich weniger der 27:24 (16:14)-Endstand als vielmehr der gute Zweck und die Freude über das Wiedersehen.

Güsen l Die Prognosen verhießen nichts Gutes. Sein Team lag zur Pause überraschend klar im Hintertreffen, da griff Michael Hoffmann in seiner Halbzeitansprache zu einer ungewöhnlichen Form der Motivation: "Alle mussten ihre Schuhe ausziehen. Diese habe ich dann kreuz und quer durch die Kabine geworfen und gefragt, ob noch irgendwo weiterer Beton versteckt ist." Wen wundert es da noch, dass der GHC das Spiel anschließend noch drehte?

Am vergangenen Sonnabend flogen keine Schuhe in der Kabine umher. Und Hoffmann hatte in der Halbzeitpause Zeit und Gelassenheit genug, um Anekdoten wie jene aus erfolgreichen Jugendtagen, die in zwei Bezirksmeistertiteln und der Auszeichnung "Mannschaft des Jahres" bei der Sportlerwahl 2008 und 2009 gipfelten, zum Besten zu geben. Schließlich lief auf dem Parkett der Elbe-Havel-Sporthalle alles so, als hätte die Auswahl des Jahrgangs 1989/1990 in den zurückliegenden Jahren weiter zusammengespielt - dabei hatte sich die Vorbereitung auf den Abend eigentlich aufs Telefonieren einige Nachrichten via "Facebook" beschränkt. "Ein vorheriges Training gab es nicht. Das erste Mal haben wir uns tatsächlich vor dem Spiel in der Kabine wieder getroffen. Aber die Mehrzahl der Jungs steht noch voll im Saft."

Da waren etwa die beiden Torhüter: André Teske, auch aktuell in der Güsener Verbandsliga-Sieben sportlich zuhause, brachte den langen Pass zum Gegenstoß einige Male zentimetergenau an den Mann. Tobias Beyer, der für die SG Leipzig/Zwenkau II (SC DHfK II) in der Verbandsliga Sachsen, Staffel West, das Tor hütet, entschärfte etliche Bälle, als würde er in seiner Freizeit auch Wurfbilder des SV Eintracht Gommern studieren.

Auch im Freundschaftsspiel gilt "Einsatz pur"

Einen schwierigen Part musste zweifellos in der Offensive Florian Hennig einnehmen. In der Rolle als Spielgestalter konnte er sich jedoch zumeist auf die Abläufe verlassen und setzte seine Nebenleute klasse in Szene - allen voran Carsten Beyer, der aktuell in der Verbandsliga Niedersachsen für die HSG Flesse-Hardenberg spielt, und am Sonnabend auf Rückraum rechts zahlreiche "Fackeln" losließ. Immerhin fünf davon fanden ihr Ziel. Zu guter Letzt war da schließlich Chris Hoffmann, der am gegnerischen Kreis und in der eigenen Abwehr unnachahmlich "ackerte" und keinen Unterschied zwischen dem Alltag in der Mitteldeutschen Oberliga beim TuS Radis und einem Freundschaftsspiel mit dem GHC machte - Einsatz pur lautete die Devise.

Dies geschah zwar nicht immer zum Wohlgefallen des Gegners, doch auch der SV Eintracht hatte seine Anreise nicht bereut. Wenn auch mit gelichteten Kaderreihen, war das Match in Güsen eine gute Gelegenheit, nach der Weihnachtspause wieder Fahrt aufzunehmen. "Ein ganz herzliches Dankeschön an Gommern", richtete Hoffmann für die Teilnahme der Gäste aus.

Im Mittelpunkt standen letztlich der Spaß und der gute Zweck. Der gesamte Erlös des Abends kommt der Nachwuchsarbeit im Verein zugute. Wenngleich das Endergebnis von 27:24 also ohne größeren Wert blieb - gefreut hat es die Gastgeber allemal. Die Tatsache, dass das Team einen zugegebenermaßen etwas dezimierten Sachsen-Anhalt-Ligisten bezwungen hatte, ließ des Öfteren die Frage aufkommen, wo der GHC heute stünde, wenn die "goldene Generation" vollständig im Verein geblieben wäre. Auch der Trainer offenbarte, dass seine Mannschaft, die von der C-Jugend an gemeinsam bis in den Männerbereich spielte, immer auch eine Art Versprechen an die Zukunft war: "Natürlich haben wir das Team perspektivisch und als Verstärkung für den Erwachsenenbereich aufgebaut. Immerhin hatte ein Teil von den Jungs auch Anteil am Aufstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga. Aber machen wir uns nichts vor: Dass die Spieler irgendwann berufsbedingt in die Welt hinausziehen, war so absehbar wie verständlich."

Umso größer war natürlich die Freude über das Wiedersehen. Eigens für den Abend wurde im Eingangsbereich der Halle eine Schautafel über die erfolgreichen Jugendjahre des Teams aufgestellt; dazu klang der Abend in gemeinsamer wie gemütlicher Runde aus. Dabei wurde sicherlich auch der Gedanke an eine Wiederholung des Traditionsspiels angeregt. "Im Jahr 2003 gab es schon einmal ein Turnier, bei dem alle ehemaligen und aktuellen A-Jugend-Mannschaften teilgenommen haben. Das ist leider irgendwann eingeschlafen, aber ich denke, wenn sich jemand findet, der es auf die Beine stellt, werden wir diesmal nicht so lange warten müssen", versprach Chef-Organisator Hoffmann. Eine "Gardinenpredigt" samt fliegender Schuhpaare wird es dann mit Sicherheit nicht geben.

Güsener HC: T. Beyer, Teske - Hennig (6), Hoffmann (4), Lehnau (3), Bretschneider (2), C. Beyer (5), Rosenberg (1), Spiegel (2), Seydack, Garbrecht (2), Filter (2)

SV Eintracht Gommern: Salm - Koch, D. Einwiller, Schröder (2), Schäde (5), Böttcher (2), Kaffenberger (4), Kaese (5), Herrmann (3), Schmidt (2), Bomke (1)

Siebenmeter: GHC 3/3 - SVE 3/2; Zeitstrafen: GHC 3 - SVE 4; Rot: Chris Hoffmann (57., 3x2 Minuten) -GHC

   

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