Vor exakt einer Woche sind die Würfel gefallen: Der SV Arendsee 1920 muss die Fußball-Landesklasse, Staffel I, nach vier Spieljahren definitiv verlassen. Dreimal in Folge wurde der Klassenerhalt realisiert, doch ein viertes Mal sollte es nicht geben. Zwei Spiele werden nun noch auf Landesebene bestritten, ehe es in der kommenden Saison in der Kreisliga weitergeht.

Arendsee. Vor dem schweren Gang auf Kreisebene stehen beim SVA noch zahlreiche personelle Fragezeichen. Sowohl, was die Spieler als auch den Trainer angeht.

Als sicher gilt, dass Christian Otte, Fabian Schulze, Benjamin Werner und Sebastian Opitz nicht mehr für die Seestädter auflaufen werden. Otte arbeitet in Bielefeld und wird für die Sonntagsspiele in der Kreisliga nicht mehr anreisen. Das gleiche gilt auch für Benjamin Werner, der in Hamburg beruflich eingespannt ist, und Fabian Schulze, der sich in Zukunft gänzlich auf sein Studium konzentriert. "Es ist ein Problem für uns, dass in der Kreisliga am Sonntag gespielt wird. Das gibt es in fast allen anderen Kreisen nicht. Spieler wie Otte, Werner und Schulze würden am Freitag nach Arendsee reisen, um dann bis zum zum späten Sonntagnachmittag zu warten, ehe sie nach dem Spiel wieder zu ihrem Arbeits- oder Studienplatz fahren könnten", sagt SVA-Vereinsvorsitzender Gerald Werner.

Alle drei Akteure hinterlassen im Kader große Lücken. Das gleiche gilt auch für Stammtorhüter Sebastian Opitz. Er hatte schon über die gesamte Saison hinweg gesundheitliche Probleme (Knie, Kreuzband, Schulter) und sich entschieden, in Zukunft nicht mehr zwischen den Pfosten zu stehen. "Er hat vielleicht seine beste Saison gespielt. Wenn Not am Mann ist, hat er sich bereit erklärt, vielleicht noch mal in die Bresche zu springen", sagt Werner.

Auch die Trainerposition ist derzeit noch vakant. Axel Prycia ist beruflich stark eingespannt und wird das Übungsleiter-Amt abgeben. Prycia wird dem Verein aber definitiv weiterhin zur Verfügung stehen. "Wenn er Zeit hat, wird er sich vielleicht auch noch an den Trainingseinheiten beteiligen", weiß Gerald Werner.

Erst einmal wird Daniel Moosmann die Verantwortung als Trainer übernehmen. "Es ist so vorgesehen, dass er die Vorbereitung leitet, aber Daniel ist als Spieler auch noch sehr wichtig für uns", sagt Werner, und ergänzt: "Wir sind derzeit in sehr guten Gesprächen mit einem Trainer, der den Arendseer Fußball sehr gut kennt. Den Namen des möglichen Nachfolgers von Axel Prycia wollte Gerald Werner natürlich noch nicht nennen.

Doch auch, wenn vier Leistungsträger und der Trainer gehen, so ist Werner sehr optimistisch, was die Kreisliga betrifft. "Wir haben genügend andere Spieler, die die Abgänge kompensieren können. Ich bin zuversichtlich, dass wir eine gute Rolle spielen werden. Unser vorrangiges Ziel ist es, wieder Stabilität hereinzubringen", sagt Werner. Der SV Arendsee wird demnächst auf die eigene Jugend setzen (Werner: "Etwas anderes bleibt uns nicht übrig."). So wurden schon Gespräche mit den Neubauer-Zwillingen Steffen und Tommy, die in der Landesliga-A-Jugend der SG ABMS spielen, geführt. Im Gespräch sind aber auch Martin Kleinau und Jahn Potas, die noch in der B-Jugend spielen und demnächst 17 Jahre alt werden. Von diesen Spielern verspricht sich Werner einiges. Der SVA-Vorstand ist natürlich auch auf Spielersuche bei anderen Vereinen in der Region. "Aber es ist schwer, diese Spieler zu überzeugen, zum SV Arendsee zu wechseln", weiß Werner. Laut dem Vereinsvorsitzenden sind dennoch drei bis vier Neuzugänge im Gespräch. "Es ist aber noch zu früh, um darüber öffentlich zu reden", so Gerald Werner.

Doch nicht nur über Zugänge wird gesprochen, sondern auch über weitere eventuelle Abgänge neben Otte, Werner, Schulze und Opitz. So werden derzeit noch Gespräche mit Fabian Preuhs, Stefan Schulz, Kevin Temmler und Andreas Dürr geführt. Diese vier Akteure sollen unbedingt gehalten werden. Preuhs, der auch noch für die A-Junioren spielt, wechselte vor der Saison vom SV Brunau zum SVA. "Wir haben ihm versichert, dass er in der kommenden Saison eine feste Säule in unserer Mannschaft sein wird", sagt Werner.

Das Gleiche gelte natürlich auch für Schulz, Dürr und Temmler. "Kevin Temmler hat vor längerer Zeit gesagt, dass er vielleicht wieder zur SG Eintracht Mechau zurück wechseln will. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen. Es wäre schön, wenn er in Arendsee bleiben würde, doch das muss er selbst für sich entscheiden", so Vorsitzender Gerald Werner.

Das Grundgerüst bilden nach wie vor die Routiniers Daniel Moosmann, Hendrik Idler und Torsten Nilson, die definitiv beim SVA bleiben wollen. Dazu setzen Werner & Co. auch weiterhin auf gestandene Spieler wie Christian Oelicker, Patrick Schäfer, Christoph Lindner oder Manuel Roepka. Auch diese Akteure haben sich für einen Verbleib entschieden.

Warum es nicht für den Klassenerhalt in der Landesklasse gereicht hat, weiß Werner ganz genau. "Wir haben schon in den vergangenen Jahren zu wenig in der Offensive gemacht. Ein weiteres Problem war, dass wir in dieser Saison aus unterschiedlichen Gründen keine drei Spiele hintereinander mit der gleichen Formation bestreiten konnten", sagt Gerald Werner. Im technischen Bereich konnte indes nicht viel geprobt werden, denn es konnte immer nur freitags trainiert werden. Dass eine Trainingseinheit pro Woche zu wenig für die Landesebene ist, habe sich im Saisonverlauf gezeigt. "Trotzdem haben wir gerade gegen die Spitzenmannschaften gute Spiele abgeliefert. Was uns gefehlt hat, waren oftmals die entscheidenden Tore. Hätten wir die gemacht, hätten wir sicherlich mit Mannschaften wie Rogätz, Klötze oder Genthin mithalten können", weiß Werner.

Ganz abgehakt hat der SVA die Saison aber noch nicht. Schließlich steht am 18. Juni das Kreispokalfinale in Mechau gegen den SSV 80 Gardelegen an. "Dieses Spiel mischt vielleicht bei einigen unserer Spieler die Karten nochmal neu", hofft Gerald Werner.

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