In Atzendorf schaut man mit gemischten Gefühlen auf die abgelaufene Saison der Fußball-Landesklasse. Viel zu häufig durchkreuzten Personalsorgen die Pläne der ZLG, sodass das Trainergespann um Steffen Grohe und Bernhard Knoll oft einfallsreich umstellen musste.

Von Christian Jäger

Atzendorf l "Zufrieden wären wir mit der Platzierung, wenn die hohen Niederlagen zwischendurch nicht gewesen wären", bewertete Grohe den elften Platz. Selten konnten die Atzendorfer mit derselben Elf auflaufen wie in der Vorwoche. Im Wesentlichen brachte der Coach, der die ZLG in der neuen Saison ohne Knoll leiten wird, den Rückblick in einem Satz auf den Punkt: "Wir haben zu viele Chancen ausgelassen und zu viele Tore kassiert." Häufig wurden gute Möglichkeiten herausgearbeitet, doch noch häufiger fehlte der krönende Abschluss.

Dass es auch anders geht, bewiesen die Atzendorfer vor heimischer Kulisse, nachdem der Klassenerhalt in trockenen Tüchern war. Gegen den Oscherslebener SC II und Fortschritt Veckenstedt erzielte die ZLG zehn der 27 Treffer in Atzendorf.

Nicht umsonst ist sich Grohe sicher: "Wir können mehr, als unser Tabellenplatz aussagt." Doch der Tabellenplatz bescheinigt auch eine Tordifferenz von -13. Es dauerte lange, bis sich die Abwehr stabilisiert hatte. Vor allem war es dann Phillip Voigtländer, der für Sicherheit sorgte. Mit seiner Kopfballstärke erstickte er hohe Angriffe im Keim, dank seiner Schnelligkeit blieb er in Eins-gegen-Eins-Situationen oft der Sieger. "Er war einer der konstantesten", lobte sein Trainer. Doch auch Stefan Rock erwies sich oft als Fels in der Brandung und machte Defizite in der Schnelligkeit mit dem Auge wieder wett.

Atzendorfer mit Leib und Seele: Sascha Eisenträger

Neben Voigtländer war vor allem Schlussmann Sascha Eisenträger eine Atzendorfer Größe. Insbesondere in der Strafraumbeherrschung legte er zu, "auf der Linie war er schon immer stark". Eisenträgers Entwicklung fiel auch anderen Vereinen auf. "Angebote bekam er genug. Aber Sascha ist Atzendorfer mit Leib und Seele." Der Coach lobte auch die Fortschritte bei Robert Stange und Alexander Kutz.

Den Angriff belebten vor allem Tobias Sura und Sebastian Tolle. "Tobias läuft mit seinen 35 Jahren noch vielen 20-Jährigen davon und sorgt für Kreativität", lobte Grohe. Noch mehr Lob hatte er für Tolle übrig, der arbeitsbedingt viele Trainingseinheiten auslässt "und gerade deswegen ein Phänomen ist". Er wurde mit 16 Treffern interner Torschützenkönig. Eine schwere Knieverletzung zwang ihn jedoch in den letzten Partien zum Aussetzen.

Verletzungspech setzt sich wie ein roter Faden fort

Nicht zuletzt aufgrund der Verletzung von Tolle zieht sich der rote Faden der Personalsorgen auch in die neue Saison. Beim Pflugmacher-Cup in Glöthe verletzte sich Voigtländer und droht nun mit einem kaputten Knie mindestens ein halbes Jahr auszufallen. In die Liste reiht sich auch Marcus Brüggemann ein, der ohnehin schon Kniebeschwerden hatte. Mit Knorpelschäden droht er sogar die gesamte Saison auszufallen. Hinzu kommt der Abgang von Steffen Linsdorf, der kürzer treten und künftig nur noch für die Zweite aushelfen möchte.

Zum Trainingsauftakt heute ab 18.30 Uhr kann Grohe in gewohnter Manier nur auf einen dezimierten Kader zählen. Angesichts der Verletzungen war die ZLG auf der Suche nach Verstärkung und wurde in Steve Strobusch (SV Pechau) und Kai Uwe Matteoschus fündig. Ab September stößt Sebastian Tolles Bruder Florian hinzu. Beide sind ehemalige A-Junioren von Preußen Münster.

 

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