Magdeburg l Überall herrschte nach dem Abpfiff in der Getec-Arena große Erleichterung. Ausgenommen bei den als Tabellensiebente angereisten Hannoveraner. Sie ließen ihre Köpfe hängen, nachdem der SCM vorbeigezogen war.

"Wir waren alle ungeheuer angespannt vor dem Spiel. Es wusste ja keiner, wo genau wir stehen", atmete auch Manager Marc Schmedt erstmal tief durch. "Natürlich ist allen nach diesem Sieg ein Stein vom Herzen gefallen, denn es stand eine Mannschaft auf der Platte, die, das hat man ganz deutlich gesehen, wieder Spaß am Handballspielen hatte. Und dann geht auf einmal auch vieles leichter", so Schmedt mit Blick auf den alten SCM im neuen Gewand.

Es waren die vielen kleinen, positiven Veränderungen, die am Ende in eine "sehr geschlossene Mannschaftsleistung" mündeten, wie Interimstrainer Uwe Jungandreas nach dem Abpfiff feststellte. Sei es der kreative, dynamische und torgefährliche Spielmacher Marko Bezjak (vier Treffer) oder der in der Abwehr überragende Michael Haaß, der gemeinsam mit Kjell Landsberg im Mittelblock den Laden dichtmachte. Ebenso wie auch Torjäger Robert Weber, der trotz verstauchter Hand sicher verwandelte (7 Tore), oder Stefan Kneer, der auf einmal das Zusammenspiel mit dem Kreis - sprich Bartosz Jurecki (6) - für sich neu entdeckte.

Verletzungsmisere beim SCM galt nicht für Torhüter

Und da war auch noch die Wiederauferstehung von Gerrie Eijlers. Gleich zu Beginn der Partie hatte der Keeper nicht nur den ambitionierten Gästen den Zahn gezogen, sondern auch für eine Initialzündung auf den Rängen gesorgt. Beim 4:0 herrschte bereits Partystimmung wie zu besten Zeiten. Am Ende summierten sich Eijlers\' Glanztaten auf 18 Paraden und drei gehaltene Siebenmeter. Und so wussten die ohne den erkrankten Kapitän Fabian van Olphen aufgelaufenen Teamkollegen nach dem Abpfiff auch, bei wem sie sich zu allererst zu bedanken hatten.

Die Anerkennung war Balsam für die Seele, die gezeigte Leistung "vielleicht auch so etwas wie eine Trotzreaktion". Dennoch fiel dem Holländer das Lachen schwer, denn die Steigerung kommt wohl ebenso zu spät wie die Glückskäfer aus Schokolade, die ihm ein weiblicher Fan nach der Partie in die Hand gedrückt hatte. Im Herzen des Torhüters macht sich bereits Wehmut breit, denn obwohl sein Vertrag bis 2015 läuft, sind Eijlers Tage beim SCM nach der Neuverpflichtung des Dänen Jannick Green offensichtlich gezählt.

Die Entscheidung gegen ihn rührt noch aus den Tagen, als Ex-Trainer Frank Carstens im sportlichen Bereich das Sagen hatte. Er, aber auch das Management waren seinerzeit nicht müde geworden, die fehlende Torhüterleistung zu monieren. Doch auch wenn Eijlers selbstkritisch zugibt, dass er "sicher das eine oder andere Mal hätte besser halten können, ja müssen", sieht er sich auch als (Bauern)-Opfer. Während anderswo immer wieder auf die Verletzungsmisere verwiesen wurde, habe das für die Torhüter nicht gegolten.

"Dabei standen ständig neue Leute in der Deckung. Klar, dass das Zusammenspiel Torhüter-Abwehr da nicht immer stimmig war." Wie es laufen kann, wenn alle aggressiv sind und die Abstimmung funktioniert, habe nicht zuletzt das Spiel gegen Hannover gezeigt, so Eijlers: "Da brauchte ich nur noch in der richtigen Ecke zu stehen."

Stiebler schließt Rolle rückwärts für Eijlers aus

Dass man ihn im Dezember vor vollendete Tatsachen stellte und ihm nahelegte, sich einen neuen Verein zu suchen, "das hat mich schon getroffen und enttäuscht. Klar, muss ich das erst einmal so hinnehmen, wenn es heißt: Wir sind ambitioniert, wollen oben angreifen und brauchen dazu auch ein besseres Torhütergespann. Aber ehrlich gesagt, fällt es mir immer noch schwer, die Entscheidung nachvollziehen, denn es wurde ja kein Omeyer, Landin, Andersson oder Heinevetter geholt", so der 33-Jährige.

Trotz der verzwickten Situation bleibt der zweifache Familienvater ruhig: "Das Gute ist, ich habe keinen Druck. Es gibt zwei Optionen: Entweder, ich sitze den Vertrag aus, oder ich wechsle zum Sommer den Verein", so der Holländer, der eigenen Angaben zufolge neben einer konkreten Anfrage vom Zweitligisten DHfK Leipzig sowohl Angebote aus der 1. Liga als auch aus dem Ausland hat. Letzteres komme für ihn allerdings nicht in Frage. "Das wären für die Familie zu große Veränderungen. Nein, es sollte schon etwas in Deutschland sein, und ich werde nur gehen, wenn es eine interessante Herausforderung ist und alles passt."

Eine "Rolle rückwärts" des Vereins schließt der Sportliche Leiter Steffen Stiebler indes aus: "Das Ganze ist nicht mehr rückgängig zu machen. Wir stehen weiter zu unserer Entscheidung vom Dezember, denn ihr ist ein langer Prozess vorausgegangen. Sicher, Gerrie hat gegen Hannover ein sehr gutes Spiel gemacht, nichtdestotrotz sind seine Leistungen in den letzten anderthalb Jahren deutlich zurückgegangen. Was wir aber zukünftig brauchen, ist eine nachhaltig gute Torhüterleistung."