Aiguebelette/Magdeburg l Irgendwo an der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland haben Trainer Roland Oesemann und sein Schützling Marcel Hacker in der vergangenen Nacht Rast gemacht, sich ausgeruht und für den zweiten Teil des 1100 Kilometer langen Heimwegs Kraft getankt: "Ich muss erst mal Luft an meinen Körper lassen", hatte es Hacker am Sonntagnachmittag genannt, da war das zweite Weltcup-Finale der Saison in Aiguebelette gerade wenige Minuten alt.

Der Ruderer vom SC Magdeburg hatte in jenem Endlauf den vierten Platz belegt. "Und damit bin ich zufrieden. Mehr war heute nicht drin", betonte der 37-Jährige. Aiguebelette war ein Vorgeschmack auf die Weltmeisterschaft in Amsterdam (Niederlande) vom 25. bis 31. August. Denn in Aiguebelette war erstmals die komplette Welt-spitze der Einerfahrer vertreten.

In 7:00,36 Minuten hatte Hacker die olympischen 2000 Meter absolviert, er musste sich damit dem Sieger Mahé Drysdale aus Neuseeland (6:55,15), Ondrej Synek aus Tschechien (6:56,97) sowie Angel Fournier aus Kuba (6:58,36) geschlagen geben. Die zeitlichen Abstände machen Hacker Mut für die nächsten Wochen und Monate bis zur WM. "Die Zeiten haben gezeigt, dass ich mittendrin bin in der Party", sagte der Skuller, der zur Hälfte des Rennens mit nur 0,6 Sekunden Rückstand auf Synek auf Rang zwei gelegen hatte.

Aber dann kamen die dritten 500 Meter, und auf denen kam Drysdale ziemlich gewaltig ins Tempo. Hacker und der Neuseeländer fuhren direkt nebeneinander. "Da habe ich gedacht, ich bin stehengeblieben", beschrieb er über den Zwischenspurt des "Kiwis". Letztlich "waren die anderen einfach schneller als wir, das muss man akzeptieren".

Marcel Hacker spricht nach einem Rennen nie über sich, sondern immer über das "Wir". Wir sind er und sein Trainer Oesemann, der die Taktik vorgibt. Und die lautete am Sonntag: "Von Anfang an vorne mitfahren und dann einen guten Endspurt liefern", berichtete Hacker. "Das habe ich getan, und ich habe bis zum Ende alles gegeben."

In Abwesenheit des Achters erruderte die Flotte des Deutschen Ruderverbandes (DRV) letztlich einen Sieg, drei zweite Plätze und einen dritten Rang. Bundestrainer Marcus Schwarzrock sieht seine Mannschaft damit auf WM-Kurs, wenngleich "man sich in der Spitze die eine oder andere bessere Platzierung gewünscht hätte", erklärte er. Das kann sich bei der Generalprobe für die Titelkämpfe bereits ändern: Vom 11. bis 13. Juli werden auf dem Rotsee in Luzern (Schweiz) die letzten Weltcupsieger des Jahres ermittelt.