Aschersleben/Magdeburg l Dass ausgerechnet ihm die Hauptrolle beim Auftakt der Testspielserie des SCM am Mittwochabend in Aschersleben zukommen würde, das hatte sich Geir Sveinsson auch nicht träumen lassen. "Damit war nun wirklich nicht zu rechnen, aber gut, so ist das nun und es freut mich, dass wir mit meiner Hilfe den Bann gegen die Füchse brechen konnten", sonnte sich der ansonsten eher bescheidene neue SCM-Coach als Schütze des goldenen Tores ein klein wenig mit im Erfolg.

Was war passiert? Die Magdeburger und die Füchse Berlin, im wahren Liga-Alltag erbitterte Rivalen, hatten es vor 2300 begeisterten Zuschauern tatsächlich hinbekommen, dass die Partie unter freiem Himmel mit 34:34 (16:19) endete. Ein Siebenmeterwerfen musste also die Entscheidung bringen. Doch weil es nach fünf Schützen 4:4 stand - ausgerechnet "Mr. Zuverlässig" Robert Weber, bis dahin mit acht Treffern erfolgreichster SCM-Schütze, war mit einem Heber an Füchse-Keeper Stochl gescheitert - avancierte das Duell der beiden isländischen Trainer zum großen Finale.

Sveinsson, der sich während des ersten Spiels seiner neuen Mannschaft meist hinter der Bank aufgehalten und das muntere Treiben ganz unaufgeregt beobachtet hatte, spielte im entscheidenden Moment seine ganze Routine aus. Der Rekord-Internationale Islands (340 Länderspiele/502 Tore) ließ Nationalkeeper Silvio Heinevetter alt aussehen, Dagur Sigurdsson fand dagegen in SCM-Neuzugang Jannick Green seinen Meister - und hatte hinterher eine super Ausrede für sein vermeintliches Versagen parat: "Ich hatte meiner Mannschaft bei einem Sieg am Donnerstag trainingsfrei versprochen", sagte der Füchse-Trainer mit einem breiten Grinsen im Gesicht. "So aber wird trainiert, früh um 9 Uhr ..."

Selbst bei einer Niederlage seiner Jungs hätte auch Sveinsson keinen Grund für ein "Straftraining" gehabt. "Ich bin ganz zufrieden, ich habe viel Positives gesehen, aber auch noch einiges, was nicht so klappt. Aber das ist zu diesem Zeitpunkt ja auch normal", so der Coach, für den ohnehin andere Dinge beim ersten Test auf ungewohntem Belag im Vordergrund standen: "Es gab keine 100-prozentige Standfestigkeit, und um Verletzungen zu vermeiden, haben wir uns mit dem Gegner darauf geeinigt, auf allzu intensive Zweikämpfe in der Abwehr zu verzichten. Alle mussten sehr aufpassen, dass nichts passiert."

Das gezeigte Leistungsniveau stufte der Coach bei "60 bis 70 Prozent" ein. Der Rest war "Spaß am Handball" in Form von Kempa-Tricks und Super-Paraden der Torhüter auf beiden Seiten. "Am Freitag in Halle möchte ich aber 100 Prozent sehen", stellte der SCM-Coach klar, der penibel darauf geachtet hatte, dass sämtliche Spieler - auch die Perspektivkader - auf ihre Einsatzzeiten gekommen waren: "Von zehn bis 55 Minuten war alles dabei. Es war mir ganz wichtig, dass alle spielen, denn das hatten sich jeder Einzelne durch hundert Prozent Einsatz im Training verdient."