Volksstimme: Herr Glinker, fühlen Sie sich jetzt als Sieger im Kampf um den Stammplatz beim FCM?
Jan Glinker: Nein, dieser Gedanke liegt mir fern. Na klar, freut es mich, dass ich nach den Wochen als Nummer zwei jetzt spielen kann. Deswegen bin ich ja nach Magdeburg gekommen.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Matthias Tischer beschreiben, der jetzt die harte Auswechselbank drücken muss?
Wir haben keine Probleme miteinander. Die hatten wir übrigens auch nicht, als Matthias noch vor mir stand. Klar, ist die jetzige Situation blöd für ihn. Aber er lässt es mich nicht spüren. Privat unternehmen wir zwar nichts gemeinsam, aber wir reden ganz normal miteinander.

Tabellenführer Nordhausen ließ am Wochenende zwei Punkte, Jena verlor gar. Sollte Plauen in Insolvenz gehen, würde der FCM davon profitieren - was ist für den FCM in der laufenden Saison noch drin?
Die Situation ist jetzt wieder völlig offen. Ich bin überzeugt, wenn wir unsere Spiele gewinnen, werden wir Erster im Nordosten, denn es ist damit zu rechnen, dass Nordhausen und Zwickau weitere Spiele verlieren werden.

Der FCM machte im September/Oktober eine handfeste Krise durch. Was war da los?
Wir haben einen neuen Trainer mit speziellen Vorstellungen vom Fußball. Ehe eine Mannschaft das verinnerlichen kann, das dauert oft eine gewisse Zeit und ist etwas ganz Normales. Die Mannschaft hat einige Zeit gebraucht, das umzusetzen, was der Trainer möchte. Jetzt stehen wir hinten sehr gut, und vorne machen wir unsere Tore.

Was macht die Philosophie von Trainer Jens Härtel aus?
Er vertritt eine ganz bestimmte Philosophie, Fußball zu spielen: Aggressivität, durch frühes Pressing schnell Bälle gewinnen und sie in den gegnerischen Gefahrenbereich bringen.

In der Öffentlichkeit wirkt Jens Härtel eher introvertiert. Was zeichnet ihn aus, wenn er vor der Mannschaft steht?
Er ist rein taktisch ein sehr guter Trainer. Was er uns vermittelt, hat Hand und Fuß. Rein menschlich erscheint er sehr ruhig, ein wenig unnahbar. Aber er taut langsam auf, und das ist auch für die Mannschaft sehr wichtig. Ich glaube, er hat erkannt, dass man als Trainer auch mal einen Spaß machen muss und kriegt das immer besser hin.

Sie haben bei Union Berlin zweite und dritte Liga gespielt. Nun beim FCM ist es die Regionalliga. Ist das nicht ein sportlicher Abstieg?
Das sehe ich nicht so. Vor allem jetzt, wo ich regelmäßig spiele, fühle ich mich wohler als auf der Bank. Auch ich habe eine schwere Zeit durch. In der vergangenen Saison habe ich nur zwei Spiele im Tor gestanden. Das hat genervt. Für mich ist darüber hinaus wichtig, dass ich in Magdeburg nicht weit weg von meinem Zuhause in Berlin bin, wo meine Familie lebt.

Bedeutet das nicht für Ihre Familie eine große Belastung?
Ich nutze jede sich bietende Gelegenheit, meine schwangere Frau und unser Töchterchen Pia Sophie zu sehen. Wenn wir in Magdeburg mal nur vormittags trainieren, fahre ich anschließend nach Berlin. Für den oft eintretenden Fall, dass das nicht möglich ist, habe ich in Magdeburg eine Zweitwohnung.

Wie muss man sich die Freizeitgestaltung des Jan Glinker an seinem Arbeitsort vorstellen?
Ich bin abends nicht mehr großartig unterwegs. Meist ziehe ich mich in meine Wohnung zurück, gönne mir Ruhe, telefoniere mit meiner Familie und sehe fern.

Fällt es Ihnen als Bewohner einer Millionenstadt wie Berlin schwer, sich an das eher beschauliche Leben in Magdeburg zu gewöhnen?
Ganz so viel habe ich von Magdeburg noch nicht gesehen. Ich kenne die Innenstadt und finde, der Weihnachtsmarkt ist einen Besuch wert.

Als Torhüter hat man in jedem Team eine besondere Stellung. Mit welchen Ihrer Mannschaftskameraden verbindet Sie ein besonders enges Verhältnis?
Mit Lars Fuchs, Christian Beck, René Lange und Nico Hammann gehe ich zwischen den Trainingseinheiten essen.

Erst kürzlich hatten Sie in der Volksstimme den Spielball des FCM-Ausrüsters wegen seines "Flatterns" kritisiert. Wie waren die Reaktionen darauf?
Äußerst positiv. Jeder, der den Ball kennt, weiß um seine Flug-eigenschaften. Im Training testen wir gerade zwei neue Bälle unseres Ausrüsters Uhlsport. In der nächsten Saison werden wir voraussichtlich mit diesen Bällen spielen.

Wenn Sie das Niveau in den Ligen zwei und drei mit dem in der Regionalliga vergleichen, was sind für Sie die wesentlichsten Unterschiede?
Die Unterschiede liegen vor allem in der individuellen Klasse der Spieler. Das ist aber ganz normal. Aber auch das komplett Mannschaftliche hebt sich deutlich ab. Wir konnten das im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen mal für ein Spiel vergessen machen. Das ist uns mit Kampf und Laufbereitschaft gelungen. Man kann aber auch die spielstarke erste Bundesliga nicht mit der als "Kampfliga" bekannten zweiten Bundesliga vergleichen.

Sie haben einen Vertrag beim FCM bis Juni 2016. Dann werden Sie 32 Jahre alt sein. Wäre es denkbar, dass Sie darüber hinaus verlängern?
Warum nicht? Mein Vertrag hier hat keine Option. Ihn darüber hinaus zu verlängern, wäre durchaus denkbar. Dafür ist es aber jetzt noch zu früh. Fakt ist, dass ich mich beim FCM sehr wohl fühle.

Der FCM strebt in Kürze die dritte Liga an. In welchem Zeitraum halten Sie das für machbar?
Da deckt sich mein sportliches Ziel mit dem des FCM, so schnell wie möglich aufzusteigen. Ich will mit dem FCM in die dritte Liga. Das ist sogar noch 2015 möglich, denn wir werden Staffelsieger der Regionalliga Nordost. Allerdings hat der DFB da noch die unsäglichen Relegationsspiele zwischengeschaltet.