Sigulda/Magdeburg l Der 14. Februar 2015 könnte für Robert Eschrich ein noch größerer Tag werden, als er sowieso schon ist. Er feiert an jenem Sonnabend seinen 30. Geburtstag, und zugleich beginnt für ihn mit der Weltmeisterschaft in Sigulda (Lettland) das erste große Event als Mechaniker der Thüringer Rodler. Eschrich ist seit Beginn dieser Saison am Oberhofer Stützpunkt der Herr des Materials, der Mann, der für den letzten Feinschliff an den Kufen sorgt. Auch an den Kufen am Schlitten von Tatjana Hüfner, die berichtete: "Wir sind noch in der Findungsphase, was das Material betrifft, aber auch in der Zusammenarbeit mit Robert und meinem Trainer Jan Eichhorn. Ich denke aber, der Trend geht nach oben."

Um dafür nach Beweisen zu suchen, war der Weltcup im Januar in Oberhof eine Reise wert. Hüfners Schlitten lief wirklich gut. Sie erzielte Bahnrekord im zweiten Lauf, 41,515 Sekunden auf 938 Meter. Trainer Eichhorn nahm sie danach kurz in den Arm, sie führten ein ebenso kurzes Gespräch, ehe Hüfner sich obligatorisch fürs Fernsehen in die Leader-Box begab, ehe sich Eichhorn offenkundig in Gedanken versunken an den Rand des Geschehens stellte. Am Ende wurde Hüfner Zweite hinter Sotschi-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger (Miesbach). "Es entschädigt schon ein bisschen, dass der Bahnrekord in Oberhof geblieben ist", meinte Hüfner, die Blankenburgerin, die für den BRC Friedrichroda startet. "Mir wäre aber der erste Platz lieber gewesen." Der zweite Rang war indes ihr bestes Ergebnis in der bisherigen Weltcup-Saison. Danach folgte ein Sturz in Winterberg, und es folgte ein siebter Rang bei der WM-Generalprobe in Lillehammer (Norwegen).

Am Montag meldete sich Tatjana Hüfner live aus Sigulda - per Facebook-Nachricht. "Ich bin gesund und munter", schrieb sie mit dem Ton der Entspannung. "Das Wetter hat uns bislang mit sehr viel Schnee beschenkt. Aber an sich ist die Bahn gut überdacht."

Auf der Bahn in Sigulda haben Hüfner, Eschrich und Eichhorn eine gemeinsame Weltcup-Vergangenheit. Hüfner fuhr dort drei Siege ein, Eschrich und der 34-jährige Eichhorn rodelten dort zum Beispiel bei der EM 2010 auf die Plätze 14 und neun. Europameister sind sie alle drei noch nie geworden, selbst der Vancouver-Olympiasiegerin und viermaligen Einzel-Weltmeisterin Tatjana Hüfner fehlt dieser Titel in ihrer sportlichen Vita.

Sollte sie nun in Sigulda die führende Rodlerin Natalie Geisenberger schlagen und damit ihr fünftes WM-Gold gewinnen, wäre das eine Sensation, wenngleich sie mit dem Saisonverlauf bisher zufrieden ist: "Er bestätigt meine Erwartungen, ich habe gewusst, dass es nicht einfach wird." Erst recht nicht nach den Winterspielen in Sotschi im vergangenen Jahr, als Hüfner nach ihrem Silber-Gewinn den Bob- und Schlittenverband (BSD) wegen der Benachteiligung der Thüringer Rodler in Sachen Material und Betreuung gegenüber den Athleten aus Bayern scharf kritisiert hatte. Vor einigen Wochen hat es dazu ein klärendes Gespräch gegeben zwischen Hüfner, dem BSD und Materialbundestrainer Georg Hackl, der sein Schlittengeheimnis hütet wie den heiligen Gral. Nach außen herrscht nun also Frieden - weil sich niemand mehr zu dem Thema äußern möchte. "Ich konzentriere mich nur noch auf den Sport", meinte auch Hüfner.

Der Konzentration kommt auch ihr Rücken nicht mehr in die Quere, die argen Probleme, die sie in der Saison 2013/14 zurückgeworfen hatten, "habe ich gedanklich abgehakt", erklärte sie in Oberhof. "Aber ich hätte erwartet, dass ich im Vergleich zur Konkurrenz einen noch größeren Rückstand habe." Stattdessen gefallen ihr ihre Startzeiten, sie gehört nach wie vor zu den Schnellsten in der Welt in der ersten Phase des Rennens. Dennoch: "Auch in dieser Hinsicht können wir bis Sigulda noch einiges herausholen." Sie, Eschrich und Eichhorn - "Hand in Hand", wie Hüfner betonte.

Wenn sie sich also am 14. Februar 2015 (12.30 Uhr) in ihre neunte WM und den 1000 Meter langen Eiskanal von Sigulda stürzt, werden wenigstens zwei BSD-Männer ihre Daumen drücken. "Im Moment bin ich gelassen", schrieb Hüfner am Montag. Und egal, wie das Rennen ausgeht, wird es am Ende des Tages wohl ein Prosit geben auf Eschrichs 30. Geburtstag und ein Gespräch über die gemeinsame Zukunft. Hüfner: "Ich habe immer gesagt, ich schaue von Jahr zu Jahr. Aber Olympia 2018 bleibt mein Fernziel."