Ilsenburg/Stapelburg l Der Anschlag auf die Bahnstrecke Halberstadt-Wernigerode-Goslar am Wochenende hat bei Reisenden für große Verärgerung gesorgt. Neben Kritik an der, wie gestrandete Fahrgäste sagten, schlechten Informationspolitik der Bahn gab es vor allem Kopfschütteln mit Blick auf die Täter. Diese sind womöglich im linksextremen Umfeld zu vermuten, denn mit dem Brandanschlag auf Bahnkabel und -anlagen sowie der Errichtung einer Betonblockade direkt im Gleis sollten offenbar Rechte bei ihrer Anreise zu einer Versammlung in Goslar behindert werden.

Dabei haben die Täter, die am Samstagmorgen kurz vor Stapelburg zuschlugen, den Rechten am Ende womöglich noch eine Profilierungsplattform geboten. Nachdem kurz nach 10 Uhr zwischen Ilsenburg und Vienenburg der Bahnverkehr eingestellt werden musste, waren unter den in Ilsenburg gestrandeten Reisenden auch etwa 50 Rechte. Da der vom Harz-Elbe-Express (Hex) eingerichtete Schienenersatzverkehr erst in Gang kommen musste, gab es anfangs Kapazitätsprobleme in den Bussen.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Polizei hinzu gerufen. „Es hieß, dass es wohl Probleme mit Rechten gebe“, so ein Sprecher des Harzer Reviers. Vor Ort in Ilsenburg habe sich die Situation indes anders dargestellt. „Uns gegenüber haben diese Reisenden erklärt, dass sie bereitwillig zurückgetreten seien und zunächst anderen Fahrgästen die Weiterreise nach Vienenburg ermöglicht hätten.“ Ob dies tatsächlich so war, sei allerdings schwer nachzuprüfen gewesen.

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Ersatzverkehr bis 19.30 Uhr

Die Verantwortlichen des Hex setzten nach Angaben von Sprecher Thomas Kleinrensing tagsüber insgesamt vier Busse ein, um zwischen Ilsenburg und Vienenburg einen Ersatzverkehr einzurichten. Dieser Pendelverkehr musste bis etwa 19.30 Uhr aufrecht erhalten werden, weil sich die polizeilichen Ermittlungen vor Ort und die Streckensperrung bis zum Abend hinzogen.

Ein Grund waren Hinweise auf weitere mögliche Gefahren- und Anschlagspunkte im Streckenverlauf. Deshalb gingen die Ermittler der Bundespolizei auf Nummer sicher.

Und sie lagen mit ihrer Vermutung, dass in dem Betonhindernis direkt auf der Schiene noch eine „Überraschung“ platziert ist, richtig. Experten vom Entschärfungsteam der Bundespolizei entdeckten beim Röntgen des Betonhindernisses einen Sprengsatz – allerdings nur eine Attrappe. Nachdem dies feststand, konnte die aus Armierungsstahl, Abwasserrohr und schnell härtendem Spezialbeton gefertigte Blockade mit Flex und großen Hämmern beseitigt werden.

Schadenshöhe noch unklar

Wie groß die finanziellen Schäden und Auswirkungen aufgrund des Brandanschlags auf die Kabeltrasse sind, ist unklar. Den Verantwortlichen der Bahn gelang es, die Strecke bis zum Samstagabend wieder freizugeben. Laut Hex-Sprecher wurde der reguläre Streckenbetrieb ab etwa 19.30 Uhr wieder aufgenommen.

Erneute Störungen im Hex-Betrieb am Sonntag hätten mit dem Anschlag indes nichts zu tun gehabt. Es habe eine Signalstörung gegeben, so der Hex-Sprecher.