Ilsenburg l Unbekannte haben am Samstagvormittag einen Anschlag auf die Bahnstrecke zwischen Ilsenburg und Stapelburg verübt. Laut Bundespolizei wurde im Gleisbereich ein Reifen in Brand gesetzt. Zudem sei mit flüssigem Beton und Stahl ein Gleishindernis errichtet worden. Außerdem wurden Kabel der Sicherungs- und Kommunikationsanlagen entzündet. Der Bahnverkehr auf dem eingleisigen Streckenabschnitt ruhte über Stunden und wurde mit Schienenersatzverkehr bedient. Erst am Abend wurde die Sperrung aufgehoben. Die Bundespolizei ermittelt wegen gefährlichen Eingríffs in den Bahnverkehr. Wahrscheinlich sollen am Montag die Staatsschützer der Polizeidirektion Nord den Fall übernehmen.

Fahrdienstleiter bemerkt Brand

Wie eine Sprecherin der Bundespolizei sagte, sei der Anschlag gegen 10 Uhr von einem Fahrdienstleiter bemerkt worden, nachdem Sicherungstechnik ausgefallen und Signalanlagen automatisch auf Rot gefallen waren. Durch diese automatische Streckensperrung wurde zugleich verhindert, dass Züge und Reisende in Gefahr gerieten. Nach Informationen der Volksstimme wurde der Anschlag  - davon spricht die Bundespolizei ganz konkret - unweit von Stapelburg in der Nähe eines Feldwegs verübt. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und Sachbeschädigung.

Demnach hatten bislang Unbekannte auf mehreren Metern Länge einen Kabelschacht geöffnet und Leitungen in Brand gesetzt sowie im Gleisbereich einen Reifen entzündet. Ferner wurde eine Schiene mit flüssigem, schnell aushärtendem Spezialbeton, einbetoniertem Armierungsstahl und einem Kanalrohr blockiert. 

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Hex richtet Schienenersatzverkehr ein

Der Bahnverkehr wurde auf der eingleisigen Strecke zwischen Ilsenburg und Stapelburg komplett eingestellt. Der Harz-Elbe-Express (Hex), so Sprecher Thomas Kleinrensing, habe zwischen Ilsenburg und Vienenburg Schienenersatzverkehr eingerichtet. Gegen 19.30 Uhr konnte der reguläre Bahnbetrieb nach Freigabe der Strecke wieder aufgenommen werden.

Vor Ort waren Bundespolizei, Staatsanwaltschaft und Feuerwehr im Einsatz. Über dem Bereich kreiste auch ein Hubschrauber - neben der Suche nach den bislang flüchtigen Tätern ging es auch daraum, die Bahnstrecke nach möglichen weiteren Anschlagspunkten abzusuchen.

Gibt es Parallelen zu Demos in Goslar?

Bislang ist laut Bundespolizei unklar, wer hinter dem Anschlag steckt, die Täter seien flüchtig. Möglicherweise gibt es Parallelen zu einer am Samstag in Goslar stattgefundenen rechtsgerichteten Veranstaltung und angekündigten Gegendemonstrationen. "Wir ermitteln in alle Richtungen - die Demo in Goslar ist uns natürlich bekannt", so Romy Gürtler, Sprecherin der Bundespolizei. Die Polizei prüft dem Vernehmen nach Zusammenhänge. Zumindest denkbar sind auch Verbindungen zu der am Mittwoch kommender Woche in Quedlinburg beginnenden Konferenz der Innenminister der Länder.

Vor Ort sei ein Zettel gefunden worden, den wohl die Täter dort platziert hatten. Dieser habe - formuliert mit ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben - die Forderung nach Einstellung des Bahnverkehrs beinhaltet. Offenbar gab es wohl auch Hinweise auf weitere Gefahrenpunkte im Streckenverlauf. Um das tatsächliche Gefahrenpotenzial zu prüfen und eine Gefahrdung sicher auszuschließen, wurden in den Mittagsstunden Experten für Brand- und Sprengsätze der Bundespolizei aus Leipzig hinzugezogen. Diese entdeckten beim Röntgen eine Sprengstoff-Attrappe in dem Betonhinderniss. Nachdem feststand, dass davon keine Gefahr ausgeht, wurde das Hindernis entfernt.

Unmut über schleppende Informationen

Unmut über die Zugausfälle gab es unter Fahrgästen am Wernigeröder Hauptbahnhof. "Wir haben zwei Stunden gewartet, jetzt geben wir auf", sagte ein Reisender, der mit seiner Frau 10.42 Uhr in Richtung Aschersleben fahren wollte. Immerhin hätten sie anstandslos ihr Geld erstattet bekommen, hieß es. Sie hätten sich allerdings mehr und schnellere Infos von der Bahn gewünscht. Der Informationsschalter der Bahn wurde um 11.45 Uhr planmäßig geschlossen.

Der Kommentar "Motiv spielt keine Rolle" zum Thema.