Magdeburg l Knapp 300 Elektrofahrzeuge sind derzeit in Magdeburg angemeldet. Angesichts von 127.101 Kraftfahrzeugen, die laut Statistischem Landesamt zu Jahresbeginn 2019 in der Landeshauptstadt gemeldet waren, noch eine verschwindend geringe Zahl. Doch – politisch befeuert – soll ihre Zahl in den nächsten Jahren steigen.

Viel Wasser zum Löschen notwendig

Darauf muss sich auch die Magdeburger Feuerwehr einstellen. Zwar geraten Elektroautos nicht häufiger in Brand als herkömmliche Verbrenner, das haben Crashtests des ADAC gezeigt, doch im Ernstfall ist es für die Feuerwehr aufwendiger, ein in Brand geratenes Elektroauto zu löschen. „Man braucht viel Wasser, sehr viel Wasser“, sagt Helge Langenhan, der Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz der Landeshauptstadt. Ein in Brand geratener Akku müsse sehr lange gekühlt werden, um den chemischen Prozess zu unterbrechen.

Wie bei einem Dominoeffekt setzt sich der Brand von Teilzelle zu Teilzelle fort, Fachleute sprechen hier vom „thermal runaway“. Also muss dem Akku mehr Energie entzogen werden, als er freisetzt, sonst kann er sich wieder entzünden. Dafür braucht es mehrere Tausend Liter Wasser und damit ein Vielfaches von der Menge, die sonst bei einem „herkömmlichen“ Fahrzeugbrand nötig ist.

Magdeburger Feuerwehr vorbereitet

Darauf sei die Magdeburger Feuerwehr auch bereits eingestellt, wie Helge Langenhan sagt. Im Einsatzfall würden genügend Fahrzeuge bereitstehen, die die nötige Menge Wasser vorhalten. „Es gibt auch schon Tests, wo Elektrofahrzeuge in einen mit Wasser befüllten Container getaucht wurden, um den Brand zu löschen und den Akku zu kühlen“, weiß der Experte. Auch solch einen Container und ein nötiges Fahrzeug mit Kranarm habe die Magdeburger Feuerwehr, wenn es nötig sein sollte.

Im Moment sieht Langenhan noch kein Problem für die Feuerwehr. Dazu sei die Zahl der Elektrofahrzeuge im Stadtgebiet noch zu gering. Auch habe es noch keinen Brand eines Elektroautos in Magdeburg gegeben. Dennoch: „Wir beobachten die Entwicklung. Wenn sich die Zahl der Elektrofahrzeuge flächendeckend ausweitet, muss man sich entsprechend darauf einstellen“, so der Amtsleiter. „Wir sind in Kontakt mit den Herstellern“, so Helge Langenhan. Die Feuerwehr verfüge über technische Datenblätter zu allen wichtigen Modellen. Diese können anhand des Fahrzeugtyps abgerufen werden.

Sorge vor Stromschlägen

Denn nicht nur bei einem Brand, sondern auch nach Unfällen müssen die Retter wissen, was zu tun ist. Häufig gibt es Sorge vor gefährlichen Stromschlägen. Da E-Autos buchstäblich unter Strom stehen, ist es besonders schwierig, wenn Feuerwehrleute das Fahrzeug nach einem Unfall aufschneiden müssen, um die Insassen zu retten. Das Hochvoltsystem in Elektrofahrzeugen sollte sich zwar nach dem Auslösen des Airbags wenige Sekunden später von selbst abschalten, doch nicht jeder Unfall löst auch die Airbags aus. Dann ist der Blick in die Schaltpläne lebenswichtig.