Magdeburg l Mario Kvesic ist in diesen Tagen nachdenklicher als sonst. Der Blick des 28-Jährigen geht häufig zu Boden, seine Stimme ist leise, der Gesichtsausdruck ernst. Von seinem Lächeln, dass er nach dem Wechsel im vergangenen Sommer vom FC Erzgebirge Aue zum 1. FC Magdeburg oft zeigte, ist momentan nicht viel zu sehen.

Der Grund für dieses Verhalten liegt auf der Hand: Kvesic ist beim FCM momentan nur Ersatz, war zuletzt beim 1:1 in München nicht mal im Kader. „Ich war sehr enttäuscht und traurig, dass ich in München nicht dabei war. Aber der Trainer hat so entschieden und als Profi muss ich das akzeptieren, auch wenn es mir schwer- fällt“, gibt er zu. Statt mit der Mannschaft bei den Löwen um Punkte zu kämpfen, war Kvesic plötzlich nicht mehr gefragt, saß zu Hause, schaute sich die Partie im Fernsehen an.

Kvesic galt im Januar als Hoffnungsträger

Für den Bosnier war es der bisherige Tiefpunkt einer schwierigen Saison. Dabei war Mario Kvesic mit hohen Erwartungen und vielen positiven Gefühlen ins neue Jahr gestartet. Der Offensivspieler hatte schließlich eine mehr als drei Monate andauernde Verletzungsmisere hinter sich gelassen, hatte Fußprobleme und eine Leistenoperation überstanden.

Beim Club galt Kvesic deshalb als Hoffnungsträger, als Spieler, der in der Rückrunde den Unterschied ausmachen sollte. Doch die Realität sah dann völlig anders aus. Nach einem guten Auftakt im Spiel gegen Zwickau (1:2) wurde er in Mannheim (1:1) bereits in der Halbzeit ausgewechselt. In der Partie gegen Meppen (0:2) saß er 90 Minuten auf der Bank, gegen Chemnitz (1:1) reichte es nur zu einem Kurzeinsatz, in München blieb ihm wie erwähnt nur die Tribüne. „Mario lebt von seinem Selbstvertrauen – und das fehlt ihm gerade“, nennt FCM-Trainer Claus-Dieter Wollitz einen Grund für seine jüngste Entscheidung. Und: „Ich habe ihm aber gesagt, dass ich ihm jetzt keine zehn Spiele geben kann. Denn dann müsste ich Björn Rother, Jürgen Gjasula, Thore Jacobsen oder Rico Preißinger draußen lassen. Und das kann ich gerade nicht verantworten.“

Nach dem Geschmack des Coaches hat Kvesic die Kreativität, die ihn eigentlich auszeichnet, bisher viel zu selten auf den Rasen gebracht. Ein Blick auf die Statistik untermauert das: Kvesic kam bisher nur auf neun Einsätze und verbuchte dabei lediglich eine Vorlage. Doch trotz aller Kritik stellt Wollitz auch klar: „Ich werde ganz sicher nicht den Stab über Mario brechen. Jetzt gilt es für ihn, dass er den Kampf um seinen Platz im Team annimmt. Das ist aber natürlich bei allen Spielern im Kader so. Jeden kann es treffen.“

Kvesic will Kampf annehmen

Klar ist: Kvesic will diesen Kampf annehmen. „Ich versuche, immer das Maximum zu geben, damit ich in den Spiegel schauen kann und mir nichts vorwerfen muss“, sagt er.

Momentan gelte es aber, die richtige Balance aus Ehrgeiz und Entspannung zu finden. Denn: „Fußball ist immer noch ein Spiel. Es ist deshalb ganz wichtig, dass wir trotz des Drucks und der bedrohlichen sportlichen Situation auch Spaß haben.“

Ein guter Ausgleich sind für Mario Kvesic seine Familie und Freunde, mit denen er dann auch oft über andere Dinge als Fußball spricht. Doch so ganz ohne die runde Kugel geht es bei ihm auch in der Freizeit nicht. „Ich bin fußballverrückt, gucke mir im Fernsehen viele Spiele an. Dabei kann ich gut abschalten, muss nicht dauernd über meine Situation nachdenken“, verrät er.

Wichtig ist, verletzungsfrei zu sein

Und allen voran zählt für den Mittelfeldspieler sowieso, dass er wieder verletzungsfrei ist. „Der Fußball bringt viel Glück, aber auch traurige Momente. Wenn es mir nicht so gut geht, denke ich daran, dass ich endlich schmerzfrei bin. Das ist gut für die Laune“, sagt Kvesic und lächelt dann doch noch so, wie er es im Sommer 2019 oft getan hat.

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