Magdeburg l Überfliegt man die Kaderliste des 1. FC Magdeburg, könnte man Tarek Chahed fast für einen Newcomer halten. 1996 geboren – er feiert morgen seinen 23. Geburtstag. So alt sind auch die Neuzugänge Sirlord Conteh oder Léon Bell Bell. Doch Chaheds Alter täuscht über einen recht ungewöhnlichen Umstand hinweg: Er hat über ein Drittel seines Lebens beim FCM verbracht. „Ich starte jetzt in mein siebtes Jahr beim Club, die U  19 mitgezählt“, sagt er stolz.

Neben ihm gibt es im aktuellen Kader nur noch einen weiteren Spieler, der ebenfalls im Jahr 2013 nach Magdeburg gekommen ist: Christian Beck. „Obwohl ich erst 22 Jahre alt bin, gehöre ich also schon zu den Dienstältesten“, sagt Chahed und schmunzelt.

Ähnlich wie Beck, der nach der ersten Trainingseinheit von einer „ungewohnten Situation“ sprach, da vom harten Kern nur noch er selbst und Chahed übrig seien, ging es beim Trainingsauftakt daher auch dem gebürtigen Berliner. „Dieses Jahr ist es schon besonders, da die Menge der Abgänge einfach groß ist. Es hat sich ja quasi die halbe Mannschaft verändert“, sagt Chahed. Andererseits freue er sich über seine neuen Teamkollegen. „Ich bin überzeugt, dass sie uns verstärken.“

Vertragsverlängerung nach Hinrunde unsicher

Das Personalkarussell hat Tarek Chahed in der Sommerpause ein bisschen am Rande verfolgt, im Urlaub auf Kreta und danach bei seiner Familie in Berlin. Er wollte einfach mal abschalten. „Es war gut, den Kopf auszuschalten und auf andere Gedanken zu kommen“, erzählt der Mittelfeldspieler, „denn schwer zu verdauen war die vergangene Saison mit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga allemal.“

Und auch seine persönlichen Erfahrungen musste er erst einmal sacken lassen. „Nach der Hinrunde war mir klar, dass es – wenn es so schlecht weiterläuft – schwer wird, meinen auslaufenden Vertrag zu verlängern“, sagt Chahed. Im Februar, beim Spiel gegen Holstein Kiel, durfte er das erste Mal überhaupt aufs Feld. Für eine Minute. „Trotzdem bin ich noch auf zehn Partien gekommen, auch weil Michael Oenning mir das Vertrauen ausgesprochen hat. Dreimal war ich sogar in der Startelf“, berichtet er, „diese letzten Spiele waren unheimlich wichtig für mich.“

Chahed wollte nämlich beim Club bleiben. Da er sich auf dem Spielfeld aber wenig zeigen konnte, punktete er vor allem durch seine Herangehensweise abseits. Es kommt nicht von ungefähr, dass ihn FCM-Sportchef Maik Franz als „Paradebeispiel für Mentalität und Ehrgeiz“ bezeichnet hat.

Chahed will Verantwortung übernehmen

„Das hat mir auch viel bedeutet“, betont Chahed, „da ich es tatsächlich nie habe schleifen lassen. Und das wurde eben auch registriert. Ich habe das Ding durchgezogen, und irgendwann wurde es ja zum Glück auch belohnt.“

Zum einen mit Einsätzen. Zum anderen mit der Vertragsverlängerung für ein weiteres Jahr. „Das ist eine gute Lösung für mich“, sagt Chahed. Hier kennt er die Wege, weiß, an wen er sich wenden kann. „Deshalb habe ich es mir jetzt auch selbst zur Aufgabe gemacht, die Neuzugänge etwas ins Magdeburger Leben einzuführen. Und da Verantwortung zu übernehmen“, erzählt er. Besonders in die Situation von Marvin Temp, Anton Kanther und Pascal Schmedemann, die aus der eigenen Jugend zu den Profis gekommen sind, könne er sich hineinversetzen.

Nach den ersten Trainingseinheiten fiebert Chahed mittlerweile schon wieder dem Saisonauftakt entgegen. „Stefan Krämer macht als Trainer einen sehr guten Eindruck auf mich, er ist kommunikativ und motiviert stark“, sagt Chahed, „dass er gleich am ersten Tag auf dem Platz so laut wird, lobt und antreibt, hätte ich zwar nicht gedacht. Da war ich schon ein bisschen erstaunt. Aber ich finde das gut. Das ist genau das Richtige und das, was wir jetzt brauchen.“

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