Magdeburg l Sein erstes Zweitligaspiel wird Rico Preißinger so schnell nicht vergessen. Mit dem FCM ging die Premiere 1:2 gegen St. Pauli verloren. Und eine Szene holt den Mittelfeldspieler seit Sonntag immer wieder ein: In der zweiten Halbzeit stand er im Rückraum und kam frei zum Schuss. Mit der Innenseite schloss er ab. Der Ball flog weit über das Tor.

Lange an vergebene Chance gedacht

„Diese Chance hat mich noch lange beschäftigt. Aus dieser Position habe ich früher hin und wieder getroffen. Deshalb bin ich die Szene in der Nacht nach der Partie in Gedanken immer wieder durchgegangen“, erzählt er.

Es kommt häufiger vor, dass Rico Preißinger nach Spielen schlecht schläft. „Wahrscheinlich ist noch sehr viel Adrenalin in mir“, vermutet er. Fußballer stehen immer unter Druck, sie müssen sich Woche für Woche neu beweisen. „Man ist immer nur so gut wie das vergangene Spiel“, bringt es Preißinger auf den Punkt.

Doppelter Druck

In seinem Fall kommen in Magdeburg noch zwei weitere Aspekte hinzu: Als Neuzugang muss er sich ohnehin erst einmal behaupten. Außerdem zahlte der Club für den Spieler mit der Rückennummer 21 eine sechsstellige Ablösesumme. Diese Summe war im Vertrag mit Preißingers Ex-Verein VfR Aalen, der noch bis 2020 lief, für die Ausstiegsklausel festgeschrieben. „Ich habe mitbekommen, dass der FCM nur selten Ablösesummen bezahlt. Das bringt für mich noch mehr die Verpflichtung, auf dem Platz alles für den Verein zu geben“, sagt Preißinger.

Mit diesem Rucksack kam er in der Anfangszeit aber gut klar. In den Testspielen machte er seine Sache gut. Deshalb war der Startelfplatz für Preißinger zum Zweitliga-Auftakt auch eher folgerichtig als überraschend.

Vor dem Spiel Gänsehaut im Spielertunnel

Das ganze Drumherum mit mehr als 24.000 Zuschauern war für ihn dann allerdings alles andere als Alltag. „Ich war aufgeregt und hatte im Spielertunnel Gänsehaut. Es war unglaublich laut. Ich kannte die Stimmung zwar schon, als ich mit Aalen hier war. Wenn die Zuschauer aber geschlossen hinter dir stehen und dich nach vorne schreien, ist es noch mal etwas ganz anderes“, sagt er.

Um nach so einem Spiel runterzukommen, hat er eine ganz persönliche Tradition: Telefonate mit seinen Eltern. Diese Unterhaltungen erden ihn. Sie helfen, die ganzen Eindrücke, die auf einen Profifußballer einprasseln, zu verarbeiten. „Wir sprechen dann über Szenen von mir. Mir hilft dieser Austausch, meine Vertrauten nehmen mir den Druck“, betont er. Nach der Niederlage gegen St. Pauli brauchte er das Telefon praktischerweise nicht in die Hand zu nehmen, seine Eltern waren zu Besuch und schauten sich das Zweitligadebüt ihres Sohnes im Stadion an.

Angespannt zu Beginn in Aalen

Die Nervosität bei einem Debüt kannte Preißinger unterdessen schon aus seiner Zeit in Aalen. Im Alter von 19 Jahren wechselte er von der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg zum Drittligisten. „Dort war ich vor den ersten Spielen extrem angespannt. Es hat sich aber schnell gelegt, weil ich häufig auf dem Rasen stand und dadurch Routine bekam. Jetzt muss ich mich erst mal an die 2. Liga gewöhnen“, sagt er.

Preißinger weiß,dass die Zeit drängelt. Er will sich dauerhaft auf höchstem Niveau etablieren, nachdem ihm früher der Sprung in die Profi-Mannschaft des 1. FC Nürnberg nicht zugetraut wurde. Auch wenn die meisten FCM-Spieler keine große Zweitligaerfahrung vorweisen können, ist der gebürtige Münchberger (Oberfranken) optimistisch, dass es mit dem Klassenerhalt klappt. Denn: „Das erste Spiel ist abgehakt. Wir müssen jetzt in Aue wieder eklig in den Zweikämpfen sein, viel laufen. Wenn wir als Mannschaft zusammenstehen, wird der erste Sieg bald kommen – am besten schon am Sonntag.“

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