Magdeburg l In der vierten Minute der Nachspielzeit spitzte sich die Spannung zwischen dem 1. FC Magdeburg und dem FC St. Pauli zu. Es war die letzte Szene der Partie. Beim Spielstand von 1:2 bekam der Club rund 18 Meter vor dem gegnerischen Tor einen Freistoß. Mittendrin: Philip Türpitz, mit 17  Treffern bester Torjäger der vergangenen Saison.

Der Druck, die Hoffnungen der 24.000 Zuschauer lasteten auf ihm. Kurzer Anlauf, ein Schuss und ein Raunen im Publikum. Der Ball ging knapp einen halben Meter drüber, der Schiedsrichter pfiff ab. Der FCM hatte verloren.

Türpitz feuert Mitspieler an

Türpitz ließ seinen Frust direkt und ungefiltert raus. Er schrie und fuchtelte mit den Armen. Diese Szene gab den Charakter des Spielers mit der Rückennummer 8 gut wieder - zumindest auf dem Rasen. „Ich bin ein sehr emotionaler Spieler, der auch mal lauter ist auf dem Platz. Dabei versuche ich aber immer positiv zu sein und den einen oder anderen Mitspieler mit meiner Art mitzureißen“, sagt er. „Ich hoffe, dass das bei der Mannschaft gut ankommt.“

Seine Teamkollegen kommen damit gut zurecht. Mehr noch: Sie profitieren sogar davon. Türpitz war es in der vergangenen Saison, der sie auch bei einem Rückstand weiter antrieb. Der einen unbedingten Siegeswillen ausstrahlte, sich auch nicht scheute, ganz klar zu sagen, dass der Club aufsteigen will. „Ich pushe die anderen, aber auch mich selber, wenn ich etwas lauter bin. Es ist schön, dass das auch von außen so wahrgenommen wird“, betont er.

Es lief nicht immer rund

Türpitz trägt beim Club Verantwortung, will Führungsspieler sein. „Mittlerweile sehe ich mich nicht mehr als jungen Spieler, habe schon einige Spiele auf dem Buckel. Außerdem habe ich auch schon einiges mitgemacht“, sagt er. Was Türpitz meint: So glatt wie in seinem ersten Jahr beim FCM, dem statistisch erfolgreichsten seiner Karriere (34 Spiele/17 Tore/8 Vorlagen), lief es für ihn nicht immer. Beim FC Schalke 04 und im dritten Jahr beim Chemnitzer FC fühlte er sich am Ende nicht mehr wohl, lernte auch die Schattenseiten des Fußballs kennen. In Chemnitz war er am Ende nur selten Kader. Der Spaß ging verloren.

Deshalb entschied er sich auch vor einem Jahr für einen Tapetenwechsel und ging nach Magdeburg. Im Rückblick eine goldrichtige Entscheidung. „Ich habe dem FCM sehr viel zu verdanken. Man weiß so etwas immer mehr zu schätzen, wenn man schlechte Phasen in seiner Karriere hatte. Und diese Phasen hatte ich definitiv und nicht nur einmal. In Chemnitz war ich zuletzt nur noch zweite oder dritte Wahl“, erinnert sich Türpitz.

Früh aus dem Elternhaus

Solche Rückschläge zu verarbeiten, dabei hilft, dass er bereits als Jugendlicher früh auf eigenen Beinen stehen musste. Das Elternhaus verließ er im Alter von 17 Jahren. „Die meiste Zeit in meinem Leben war ich auf mich alleine gestellt, ich bin mit dem Fußball viel unterwegs gewesen. In dieser Zeit ist man viel mit sich beschäftigt und muss erst mal mit sich selber klarkommen“, betont er. „Wenn man das in den Griff bekommt, kann man sich erst so richtig wohlfühlen. Die Entfernung zu meiner Familie und meinen Freunden ist ein Nachteil. Ansonsten fühle ich mich in Magdeburg aber von Tag zu Tag immer wohler. Ich bin gerne hier und verbringe auch meine Freizeit hier.“

Diese Zufriedenheit, diese Emotionen sind auch der Grund dafür, dass er zur neuen Saison nicht zu einem ambitionierten Zweitligisten oder gar Erstligisten weiterziehen wollte. „Manche Leute haben mich gegen Ende der Saison schon verabschiedet“, sagt er und lacht. „Für mich war es überraschend, das alles mitzubekommen und die ganzen Gerüchte zu lesen.“

Bewusste Entscheidung für FCM

Die Entscheidung zu bleiben, hat er ganz bewusst getroffen. Aber: „Mir ist bewusst, dass ich mir von dem letzten Jahr nichts kaufen kann. Ich habe die Messlatte für mich selber sehr hoch gelegt. Ich möchte mich trotzdem nicht zu sehr unter Druck setzen, locker bleiben und Spaß haben.“

Dabei helfen soll auch ein neues Hobby: Wakeboarden. Im Norden der Stadt dreht er auf einem See häufig seine Runden. „Dort verbringe ich viel Zeit. Die Leute sind entspannt und hilfsbereit. Ich hatte das zuvor noch nie gemacht, mittlerweile schaffe ich schon ein paar Runden. Es ist schön, ein neues Hobby zu haben und dadurch weitere Leute kennenzulernen“, sagt er. „Es ist etwas ganz anderes als Fußball, eine tolle Abwechslung.“

Großes Ziel Klassenerhalt

Philip Türpitz lebt seine Leidenschaften, auf dem Rasen und im Privatleben. Diese Emotionen sollen auch in den kommenden Monaten für den FCM ein Faktor sein. Denn: „Wir wollen den Klassenerhalt unbedingt schaffen. Dafür werden wir alles geben.“

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