Magdeburg l Mario Kvesic gab sich am Dienstag-Vormittag betont locker und offen. Bevor er den Trainingsplatz hinter der MDCC-Arena betrat, begrüßte er eine Handvoll Trainingsgäste, gab jedem die Hand.

Auch auf dem Rasen brauchte er nicht lange, um auf Touren zu kommen. Ein paar Dehnübungen, eine lockere Runde um den Platz und schon ging es los. Bei den folgenden Trainings-Spielchen war Kvesic gleich mittendrin – als ob er seit Tagen nichts anderes gemacht hätte. „Ich habe durchtrainiert und bin fit, hatte keine Sommerpause“, begründet er seinen reibungslosen Start.

Kvesic hat ohne Pause durchtrainiert

Nachdem sein Vertrag beim Zweitligisten Erzgebirge Aue am Ende der vergangenen Saison ausgelaufen war und er den Verein verlassen hatte, hielt sich Kvesic beim seinem Heimatverein fit. Der heißt NK Siroki Brijeg und spielt in der Premijer Liga, der 1. Liga in Bosnien und Herzegowina. „Dort war ich in den vergangenen drei Wochen. Das Trainingsniveau ist ziemlich hoch, der Verein spielt jetzt in der Europa-League-Qualifikation“, erzählt Kvesic, der wie in Aue auch in Magdeburg die Rückennummer 16 bekommen hat.

Von einem europäischen Wettbewerb ist der FCM zwar meilenweit entfernt, die Realität heißt nach dem Abstieg schließlich 3. Liga. Doch davon lässt sich der in Mostar (Bosnien und Herzegowina) geborene Kvesic nicht abschrecken. „Ich hatte zwar einige Angebote aus dem Ausland, wollte aber in Deutschland bleiben. Ich bin seit vier Jahren hier und kenne die Mentalität, die gut zu mir passt“, erzählt er. Die Vereine, die an dem offensiven Mittelfeldspieler interessiert waren, sind zwar durchaus namhaft – Arka Gdynia und Śląsk Wrocław spielen schließlich in der 1. polnischen Liga. Doch es gab jeweils einen Haken. „Die Vereine wollen noch auf den Verkauf eines Spielers warten. Ich hatte aber nicht so viel Zeit und wollte Planungssicherheit für mich.“

FCM mit guten Argumenten

Als sich der FCM meldete, überlegte Kvesic deshalb nicht lange. Seine Zusage hing auch mit der Rolle zusammen, die die Verantwortlichen um Sportchef Maik Franz und Trainer Stefan Krämer für ihn vorgesehen haben. „Mario hat ein Gespür für Räume, er ist passstark. Er ist aber auch für einige Tore aus der Distanz gut, was uns sehr wichtig war“, betont der Coach. „Außerdem läuft er häufig mehr als zehn Kilometer. Er kann das Tempo wechseln und blitzschnell reagieren.“

Kvesic selbst sieht sich in der Offensivrolle am stärksten: „Ich spiele am liebsten hinter den Spitzen als klassischer Zehner. Ich kann aber auch auf der Achter-Position etwas weiter zurückgezogen auflaufen.“

Magdeburger Wertschätzung für Kvesic

Letztendlich war es auch die Magdeburger Wertschätzung, die ihn überzeugte. „Das war überragend. Der FCM wollte mich unbedingt“, erzählt er. Diese Anerkennung hatte er in der vergangenen Saison in Aue vermisst. Mit nur zwölf Zweitliga-Einsätzen und einem Tor war es für ihn ein verlorenes Jahr. Doch Kvesic will nicht nachtreten. Im Gegenteil: „Ich suche die Schuld nicht bei anderen, sondern zuerst bei mir. Die Konkurrenz auf meiner Position war groß, die Jungs haben es dort gut gemacht. Außerdem wollte ich meinen Vertrag nicht vorzeitig verlängern, vielleicht hat das auch eine Rolle gespielt. Nach vier Jahren in Aue war es Zeit für etwas Neues“, sagt er.

Beim FCM haben sich die Vorzeichen für Kvesic jetzt komplett gedreht: Beim Club ist er ein Hoffnungsträger. Er soll nicht nur das Offensivspiel ankurbeln, er soll eine Leitfigur im jungen FCM-Kader werden. „Mario ist ein Top-Charakter, er hat sich nie hängen lassen, auch wenn es für ihn mal nicht so gut lief. Solche Typen brauchen wir“, lobt Krämer.

Was zu Krämers Aussage passt: Viele Aue-Fans haben den Abgang von Kvesic bedauert. Er sei ein ehrlicher Spieler, könne an guten Tagen ein Spiel alleine entscheiden, habe bei Standards große Stärken. All das kann der FCM in der kommenden Drittliga-Saison gut gebrauchen. Gerade bei Standards hatte das Team zuletzt enorme Defizite.

Am Mittwoch in Leipzig dabei

Zunächst gilt es für Kvesic, sich möglichst schnell einzuleben, um den Erwartungen gerecht zu werden. Deshalb wird er bereits am Mittwoch um 18.30 Uhr im Testspiel bei Chemie Leipzig zum Einsatz kommen. „Der Trainer hat mich gefragt, ob ich mich schon bereit fühle. Da brauchte ich nicht lange zu überlegen. Ich will so schnell wie möglich ankommen“, betont Kvesic, der einen Vertrag bis Sommer 2020 mit der Option auf eine Verlängerung unterschrieben hat.

Bisher hat er immerhin 59 Zweitligaspiele auf dem Konto – dabei soll es aber nicht bleiben. Sein Fernziel ist klar: „Natürlich möchte ich mit dem FCM in die 2. Bundesliga aufsteigen. Es ist aber jetzt noch zu früh, darüber zu sprechen. Wichtig ist erst einmal, dass wir als Team funktionieren.“

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