Magdeburg l Manchmal sind es die kleinen Szenen, die viel über das Innenleben einer Mannschaft aussagen. So auch beim 1:1 des 1. FC Magdeburg am vergangenen Sonntag beim TSV 1860 München. In der hektischen zweiten Halbzeit gab es nämlich viele strittige Entscheidungen des Schiedsrichters, häufig gerieten die Mannschaften aneinander.

Doch immer dann, wenn ein Magdeburger bedrängt wurde, kamen gleich mehrere Mitspieler zur Hilfe, setzten sich energisch für den Kollegen ein. Es waren klare Botschaften, die die Club-Spieler aussendeten: Wir sind eine Einheit, wir stehen füreinander ein. Es ist eine Entwicklung, die der FCM bei nur noch einem Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsplatz aber auch ganz dringend braucht.

Und hier gibt es weiterhin Nachholbedarf: Denn in den vergangenen Wochen bemängelte FCM-Trainer Claus-Dieter Wollitz den fehlenden Teamgeist, auch Spieler wie Sören Bertram oder Tobias Müller appellierten, dass das Team nur gemeinsam erfolgreich sein könne. „Wir sollten mehr miteinander und nicht übereinander reden“, forderte Wollitz.

Erfolg fördert auch den Zusammenhalt

Dass es zwischenmenschlich beim FCM in dieser Saison hakt, hängt auch mit der sportlichen Entwicklung zusammen. Denn eine wichtige Zutat für Zusammenhalt ist Erfolg. Und dieser blieb dem Zweitliga-Absteiger bisher größtenteils verwehrt. Durch den im vergangenen Sommer runderneuerten Kader brauchte die Mannschaft zudem Zeit, um sich zu finden. Doch diese Entwicklung wurde durch zahlreiche sportliche Rückschläge eben erschwert.

Nach der Ablösung von Stefan Krämer begann ein ohnehin nicht beendeter Prozess unter dem neuen Trainer Claus-Dieter Wollitz von vorne. Doch der Coach hat die Zeichen der Spieler jetzt offensichtlich richtig erkannt und arbeitet gezielt am Zusammenhalt. „Es ist ein Kampf gegen die eigene Ungeduld“, gibt er zu. Denn: „Ich würde gerne viele Dinge ändern, weiß aber, dass nicht alles auf einmal geht. Das würde nur verunsichern.“

Stattdessen pflegt der Coach das Gießkannen-Prinzip, hält teilweise an Bekanntem fest – wie zum Beispiel der Selbstbestimmung der Spieler bei Ecken, Freistößen und Elfmetern. „Auch wenn ich vielleicht eine andere Meinung habe, ist es wichtig, dass sich die Spieler mit Abläufen wohlfühlen“, sagt Wollitz. Es ist ein Entgegenkommen des Trainers, der als ehrlich und geradlinig gilt. Doch der 54-Jährige hat nach rund acht Wochen und vielen Einzel- sowie Gruppengesprächen erkannt, dass beim FCM ein Mittelweg erforderlich ist.

Jacobsen ist für seine Mitspieler ein Vorbild

Dieses selbstreflektierte Verhalten des Trainers kommt bei der Mannschaft offensichtlich gut an. Denn durch die Anregungen von Wollitz haben sich die Spieler mit sich und ihren Rollen in der Gruppe auseinandergesetzt. Mittelfeldspieler Thore Jacobsen war sich nach seiner abgesessenen Rotsperre in München bewusst, dass er hohen Erwartungen ausgesetzt war. Und diesen Erwartungen wurde er gerecht, schonte sich nicht in Zweikämpfen, lief enorm viel für die Mannschaft. „Natürlich gucken die Leute auf mich. Ich bin aber einfach nur da, um das Ganze zu unterstützen“, sagt der Mittelfeldspieler bescheiden.

Damit kommt Jacobsen eine Vorbildfunktion zu. Das sieht auch Wollitz so: „Thore läuft zwölf bis 14 Kilometer, ist immer präsent und passsicher. Er geht für das Team voran und hat uns zuletzt sehr gefehlt.“

Ein Schlüssel für einen guten Teamgeist liegt für Wollitz auch darin, allen Spielern Wertschätzung entgegenzubringen. „Ich habe immer gesagt, dass es nicht nur um zwei oder drei Spieler gehen darf. Der gesamte Kader ist wichtig und muss mitgenommen werden.“

Dass im Kader genügend Potenzial steckt, steht für den Trainer außer Frage: „Es geht aber eben nur, wenn alle zusammenstehen. Die Jungs sollen für den gemeinsamen Erfolg konstant alles geben. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht, den wir aber auch ein Stück vorangetrieben haben.“

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