Magdeburg l Jan Kirchhoff musste länger warten, als ihm lieb war. Beim 0:1 in Duisburg wurde er mit Tobias Müller für die Dopingkontrolle ausgelost. Nach anstrengenden 90 Minuten kann sich die Abgabe der geforderten Urinprobe aber schon mal etwas hinziehen.

Kirchhoff hatte notgedrungen Zeit – um über das zurückliegende Spiel, über die Niederlage nachzudenken. Für Kirchhoff war es eine Partie, die der FCM nicht hätte verlieren dürfen. „Es war klar, dass es ein schwieriges Spiel wird. Wir haben wenig zugelassen, hatten auch einige Torchancen, sind aber trotzdem nicht an unser Leistungsmaximum her-angekommen.“ Der FCM ließ gegen Duisburg zwar kaum Torchancen zu, der MSV präsentierte sich im Torabschluss allerdings auch sehr limitiert.

Ohne Mut in der Offensive

Viel mehr Kopfschmerzen bereitete dagegen das Magdeburger Offensivspiel. Der Club war nicht mutig, stand zu tief und suchte viel zu selten strukturiert den Weg nach vorne. Vom Offensivfußball, für den FCM-Trainer Michael Oenning oft wirbt und auch einsteht, war gerade in der ersten halben Stunden nichts zu sehen. „Anfangs waren die Räume viel zu groß. Wir haben auch oft schlechte Entscheidungen auf dem Platz getroffen“, sagt Kirchhoff, der nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Christian Beck die Kapitänsbinde übernahm. Der Mittelfeld-Taktgeber versuchte zwar immer wieder, dem FCM-Spiel Struktur zu geben, fand aber nur selten Anspielstationen.

Der Mannschaft war in der ersten Hälfte anzusehen, dass sie mit der neuen Situation, als Favorit in ein Spiel zu gehen, Probleme hatte. Das Gefühl, etwas verlieren zu können, ließ sie im entscheidenden Moment vorsichtig werden. Konter wurden zu schnell abgebrochen, ein Sicherheitspass eingestreut und somit das Tempo verschleppt.

Klar ist: Im Heimspiel am Sonntag gegen den neuen Tabellenletzten SV Sandhausen muss sich etwas ändern. Die Angst vor einem Déjà-vu ist groß. Das nächste Kellerduell weist nämlich erstaunlich viele Parallelen zur Duisburg-Partie auf: Wieder trifft Magdeburg auf einen Gegner, der unbedingt gewinnen muss. Erneut kann ein direkter Konkurrent auf acht Zähler und damit möglicherweise vorentscheidend, distanziert werden. Außerdem ist der FCM klarer Favorit. „Wir müssen jetzt ganz klar analysieren, warum wir in Duisburg nicht ins Spiel gekommen sind“, fordert Kirchhoff. Und: „Wir müssen auf jeden Fall etwas ändern und einen Weg finden, wieder von der ersten Minute an gut auf dem Platz zu stehen, um ein Spiel zu dominieren.“

Auch Innenverteidiger Dennis Erdmann nimmt kein Blatt vor den Mund: „Die Niederlage in Duisburg hatte sich irgendwie angedeutet. So kann es nicht weitergehen.“

Oenning bleibt positiv

Während Kirchhoff und Erdmann klare Worte wählt, sieht FCM-Trainer Michael Oenning die Leistung in Duisburg nicht ganz so kritisch. „Wir hatten in der zweiten Hälfte die komplette Kontrolle. Wir hatten zwar wenig Torchancen, aber solche Tage gibt es“, sagt er. „Wenn wir das 0:0 gehalten hätten, wäre es ja in Ordnung gewesen.“

Der FCM schaffte es aber eben nicht, den Punkt zu sichern. Vielmehr noch: Das Gegentor in der Nachspielzeit war ein Rückfall in längst vergangen geglaubte Zeiten. Wie in der Hinrunde, als der Club sich in der Schlussphase reihenweise um einen möglichen Lohn brachte, war es auch diesmal die fehlende Konsequenz, zumindest einen Punkt trotz einer schwachen Leistung mitzunehmen.

Kirchhoff hat klaren Fahrplan

Kirchhoffs Fahrplan für die kommenden Tage ist deshalb klar. Der potenzielle Ersatzkapitän sagt: „Wir haben eine lange Woche vor uns, werden hart trainieren und dann das wichtige Spiel gegen Sandhausen gewinnen. Fertig!“

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