Magdeburg l Er kam, kickte – und reiste wieder ab. Rijad Kobiljar, 23 Jahre alt und gebürtig aus Bosnien-Herzegowina, stellte sich am Mittwoch beim 1. FC Magdeburg vor. Vormittags um 10 Uhr, bei der einzigen Trainingseinheit des Tages, schauten FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik, Sportchef Maik Franz, Scout Bernd Pfeifer und nicht zuletzt Trainer Claus-Dieter Wollitz daher ganz genau hin.

Kobiljar stach phasenweise heraus, zum Beispiel wenn er im offensiven Mittelfeld zu Dribblings ansetzte. Nur: Reicht ein rund einstündiger Eindruck eines Spielers aus, um die Verpflichtung fix zu machen? Zumindest an diesem Tag lautete die Antwort: nein.

Zähe Gespräche folgen

„Wir haben Rijad angeboten, dass er sich hier bei uns noch weiter zeigen kann. Aber das hat der Spieler abgelehnt“, erklärte Maik Franz. Neben seinem Auftritt in Magdeburg habe der Verein Videomaterial gesichtet und ihn auch im Spielgeschehen bei Rudar Velenje beobachtet – die hundertprozentige Überzeugung fehlte jedoch. „Wir hatten ja schon zuvor betont, dass wir nur verpflichten, wenn wir auch voll dahinterstehen. Es wird keinen Neuen geben, nur um etwas getan zu haben“, betonte Franz noch einmal die selbstgestecken Vorgaben.

Bei den Vertragsgesprächen mit Kobiljar wähnte sich dessen Berater Elvis Bilalagic zunächst noch auf der sicheren Seite. „Es wird nur zehn Minuten dauern, es geht nur noch um die Unterschrift“, erzählte er am Nachmittag. Das Interesse in Magdeburg sei groß, ebenso wie die Chance für Kobiljar. „Er ist ein technisch starker Spieler, ein klassischer Zehner“, sagte Bilalagic, „und er will von Velenje aus den nächsten Schritt machen. In der slowenischen Liga hat er schon gezeigt, dass er zu den Besten gehört. Das traue ich ihm auch in der 3. Liga zu.“

Dann aber gerieten die Verhandlungen wohl ins Stocken. Über eineinhalb Stunden saßen die Verantwortlichen in einem Besprechungsraum der MDCC-Arena. Ab und zu berieten sich die Magdeburger separat, dann wieder gemeinsam mit Kobiljar und Bilalagic.

Keine Einigung über Konditionen

Letzterer ließ in einer weiteren Raucherpause durchsickern: „Es gab noch keine Einigung.“ Am späten Nachmittag brachte Bernd Pfeifer die beiden Besucher dann zurück ins Hotel. Man habe bei den Konditionen keine Einigkeit erzielt, erklärte Bilalagic.

Die Suche beim FCM nach Neuzugängen geht somit weiter. Laut dem Sportchef sei jetzt zwar nicht zu erwarten, dass täglich ein anderer Testspieler auf dem Platz steht. Aber bis zu drei Neuzugänge werden weiter anvisiert.

Entscheidung bei Steininger

Mit Probespieler Daniel Steininger weilt eine potenzielle Verstärkung zudem noch bei der Mannschaft. Im Trainingslager hatte er in puncto Torabschluss einen guten Eindruck hinterlassen, Aufholbedarf sehen die Verantwortlichen dagegen im Bereich der Fitness. Nach einer Meniskus-Operation hatte der Stürmer, der bei Zweitligist Greuther Fürth unter Vertrag steht, monatelang pausieren müssen. Umso wichtiger waren daher die Trainings- und Fitnesseinheiten in Magdeburg, um den Gesundheitszustand abzuklopfen.

Nach den Sprints am Montag befand Trainer Wollitz: „Daniel macht einen guten Eindruck, hat aber noch Potenzial.“ Spätestens nach dem Testspiel gegen Braunschweig am Sonnabend soll die Entscheidung fallen.

FCM bleibt auf vorgegebenem Kurs

Was beide Fälle allerdings jetzt schon zeigen: Der FCM rückt von seiner Linie, nur einen Spieler zu verpflichten, der direkt einsatzbereit und von der Qualität her auf dem passenden Niveau ist, nicht ab. Alles andere wäre Außenstehenden allerdings auch kaum zu vermitteln. Erst kürzlich betonte Geschäftsführer Kallnik, dass der Verein schnellstmöglich in die 2. Bundesliga zurück will. Die Verpflichtung eines Spielers, der nur perspektivisch zum Erreichen des Ziels beitragen könnte, wäre demzufolge einfach unangebracht.

Hier geht's zu unserem FCM-Blog.