Magdeburg l Rückpässe sind für Torhüter manchmal eine heikle Angelegenheit. Zumindest dann, wenn der Rasen so schlecht wie in der MDCC-Arena ist. So hatte auch Alexander Brunst gegen Union Berlin Mühe, jeden Abschlag an den Mitspieler zu bringen. „Da sieht dann ein Torhüter immer blöd aus, wenn er den Ball nicht richtig trifft“, sagt der 23-Jährige.

Genau das passierte ihm in der zweiten Halbzeit: Brunsts Abschlag flog als Bogenlampe hoch und dann zur Seite. Die Szene blieb zwar folgenlos, trotzdem wirkte er dadurch verunsichert. „Der aktuelle Zustand des Rasens lässt nur schwer Profisport zu. Es wäre gut, wenn sich die Situation bald verbessert. Wir können eigentlich nicht bis März oder April warten. Bis dahin haben wir schon wichtige Spiele hinter uns“, so Brunst.

Über Fehler geredet

Doch Brunst kämpft nicht nur mit dem Rasen. Gegen Regensburg und in Fürth unterliefen ihm Fehler, die zu Gegentreffern führten. Brunst hatte daran zu knabbern. „Es dauert schon ein, zwei Tage, um diese Szenen zu verarbeiten. Ich habe viele Gespräche geführt“, sagt er. „Wichtig ist trotzdem, dass ich nicht an mir zweifle, dass ich weiß, was ich kann.“ Brunst will gar nichts schönreden. „Wenn Torhüter Fehler machen, dann werden daraus meistens Gegentore. Wir haben das alles intensiv mit dem Trainerteam ausgewertet.“

Nach den Fehlern war der Druck vor dem Heimspiel gegen den VfL Bochum immens. „Ich stand nach den Fehlern in der Kritik, das war mir bewusst. Das 0:0 hat mich deshalb richtig gepusht.“ Mit starken Paraden gegen den Bochumer Lukas Hinterseer und zuletzt gegen den Berliner Robert Zulj holte er sich das Selbstvertrauen zurück, das zuvor so gelitten hatte.

Auch FCM-Trainer Michael Oenning war die Erleichterung anzumerken. „Es ist wichtig, dass gar keine Diskussion aufkommt“, betont er. „Mit solchen Spielen sorgt Alexander selbst dafür, dass nicht diskutiert wird.“ Oenning weiß, dass ein erneuter Torwartwechsel viel Unruhe in die Mannschaft bringen würde. Auch der Einsatz von Mario Seidel, dem dritten Torhüters beim Club, wäre nicht ohne Risiko. Obwohl Seidel in der vergangenen Saison vereinzelt zum Einsatz kam, fehlt ihm natürlich die Spielpraxis.

Oenning hatte sich deshalb direkt nach seinem Amtsantritt auf Brunst als Stammkeeper bis zum Winter festgelegt. Ein Vertrauen, das dem Torhüter guttat: „Ich habe mich sehr über die Aussage des Trainers gefreut. Ich will dieses Vertrauen jetzt durch Leistung zurückzahlen.“

Brunst arbeitet im Training hart – und meist länger als seine Teamkollegen. Wenn diese schon auf dem Weg in die Kabine sind, schiebt der Torhüter oft noch Extraschichten. Doch dieser Druck, den sich der 23-Jährige selbst macht, muss auch kanalisiert werden. Dass ihm das gelingt, muss er jetzt nachweisen – in der höchstmöglichen Drucksituation beim 1. FC Köln und beim FC St. Pauli. Brunst versichert, dass er großen Respekt vor den kommenden Spielen hat. Aber: „Wir dürfen keine Angst haben. Das wäre schon der erste Fehler.“ Das gilt für die Mannschaft, das gilt für ihn ganz persönlich. „Wir spielen in Köln vor mehr als 50.000 Fans. Für solche Spiele sind wir aufgestiegen. Und dass ich als Ex-HSVer gerne am Millerntor gewinnen würde, dürfte jedem klar sein“, sagt er und schmunzelt.

Kampf um den Stammplatz

Da ist er, dieser Schuss Lockerheit, den Brunst gerade braucht. Denn nach der Winterpause wird es wieder Druck geben – wenn der Kampf um die Nummer eins neu entbrennt. Oder vielleicht sogar ein weiterer Konkurrent dazukommt. Brunst bleibt noch gelassen: „Ich sehe mich im ständigen Konkurrenzkampf mit Jasmin und Mario und weiß aus den vergangenen Jahren, dass ich immer dranbleiben muss. Ich will das zeigen, was ich kann, und mich erfolgreich durchsetzen.“

Michel Niemeyer wird wegen muskulärer Probleme vom Physiotherapeuten-Team behandelt. Wann er wieder voll ins Training einsteigen kann, ist noch offen.

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